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Fernsehen
Der weise Riese

Günther Thömmes  lässt sich in der ZDF-Show "Der Quiz-Champion" nicht aus der Ruhe bringen. Das nötigt auch Moderator Johannes B. Kerner (rechts) einigen Respekt ab. Foto: Max Kohr, ZFD
Günther Thömmes lässt sich in der ZDF-Show "Der Quiz-Champion" nicht aus der Ruhe bringen. Das nötigt auch Moderator Johannes B. Kerner (rechts) einigen Respekt ab. Foto: Max Kohr, ZFD FOTO: Max Kohr / ZDF/Max Kohr
Berlin/Bitburg. Günther Thömmes hat sich bei der ZDF-Fernsehshow „Der Quiz-Champion“ gegen fünf Prominente und eine weitere Kandidatin durchgesetzt. Ins Schwitzen brachten den gebürtigen Bitburger die Fragen beim „härtesten Quiz der Welt“ kaum. Sein Erfolgsgeheimnis: Lesen, lesen, lesen. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Günther Thömmes zieht drei Bilder aus seiner Westentasche. Es sind alte Fotografien, in Schwarz-Weiß. Sie zeigen eine Frau mit einer Kreuzkette um den Hals und einen Mann mit dichtem Bart. Spätestens als Horst Lichter sich die beiden ansieht, weiß er, wer dieser Hüne ist, der da vor ihm steht. „Mein Sohn“, ruft er und breitet die Arme aus.

Okay, ganz so nah sind der gebürtige Bitburger und der Fernsehkoch nun doch nicht verwandt. Aber sie haben immerhin die selben Urgroßeltern. Es handelt sich um den Mann und die Frau von den Fotos. Jetzt erinnert sich Lichter wieder an „die Onkels aus der Eifel, die sehr früh keine Haare mehr hatten.“ Auch Thömmes trägt Glatze. Gesehen hätten sich die beiden aber noch nie. Und deshalb ist erst mal eine Umarmung fällig.

Diese Familienzusammenführung ist aber nicht das einzig außergewöhnliche, was bei der jüngsten Ausstrahlung der ZDF-Fernsehshow „Der Quiz-Champion“ passiert. Geradezu sensationell ist auch Thömmes Wissen. Kaum eine Frage bringt ihn in Verlegenheit, bei der Sendung, die als „härtestes Quiz der Welt“ gilt.

Das Konzept ist schnell erklärt: Ein Kandidat muss sich ohne Joker gegen fünf Prominente behaupten, die alle Experten auf ihrem Gebiet sind. Aus diesen Kategorien werden dem Fachmann und dem Bewerber fünf Fragen gestellt. Wer mehr von ihnen richtig beantworten kann als der Star, gewinnt die Runde.

Thömmes Gegner sind an diesem Abend: der Koch Horst Lichter (Ernährung), die Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein (Sport), Historiker Guido Knopp (Geschichte) und die Schauspieler Axel Milberg (Literatur und Sprache) und Michael Bully Herbig (Film und Fernsehen).

Letzterer stellt dem 54-Jährigen die erste und damit die schwierigste Frage,  wie dieser später sagen wird. „Nicht wegen der Frage an sich, sondern um ins Spiel zu finden“, sagt der Bitburger, der heute in Österreich wohnt. Sie lautet: Wie heißt der Freund vom TV-Schäferhund Lassie? „Das ist so lange her“, stöhnt Thömmes: „Verdammte Axt.“ Und doch loggt er die Antwort „Timmy“ früher ein, als Herbig und liegt auch noch richtig. Ein guter Start. Wenig später gewinnt er dann die ganze Runde. Denn im Gegensatz zu Herbig kennt er den Namen des Schurken aus dem 1976er James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“.

Überhaupt scheint Thömmes so ziemlich alles zu wissen. Welche Fußballmannschaft wann den Titel holte, welcher Autor welches Theaterstück schrieb, welcher Politiker wann geboren wurde. Nur zwei Fragen in der gesamten Show beantwortet der Mann falsch, der vor allem durch seine Bierzauberer-Romane bekannt wurde. Das nötigt auch seinen Kandidaten und Moderator Johannes B. Kerner Respekt ab. „Bei dem stabil vorgetragenen Wissen wundert es mich am meisten, dass er aus der Lichter-Familie kommt“, scherzt er.

Doch woher kommt all dieses Wissen? Das beantwortet Thömmes Ehefrau Alexandra schon im Vorstellungs-Video ihres Mannes: „Er liest alles, verschlingt alles, interessiert sich für alles.“ Auch der 54-Jährige sagt über sich selbst: „Ich denke, das ich generell recht breit aufgestellt bin.“ Schlecht sei er allerdings in den Kategorien „Fernsehen, Klatsch und Tratsch, Popmusik und Computerspiele.“

Gut, dass die in der Fernsehshow kaum berührt werden. Und wenn Thömmes eine Antwort doch nicht gewusst hat, dann hat er sie zumindest geahnt. „Da hat dann das Bauchgefühl mitgespielt“, sagt er.

Am Ende geht diese „Strategie“ für den Bierzauberer auf. In allen Kategorien kann er die Prominenten besiegen. Nervös wird er erst, wie er in der Show sagt, als er nur noch zwei richtige Antworten vom Finale weg ist. In der Tat lässt sich der gebürtige Eifeler die ganze Show über nicht aus der Ruhe bringen. Er antwortet stets nach wenigen Sekunden – wie ein Computer.

Doch auch nach den Duellen mit den Experten ist die Sache für Thömmes nicht ausgestanden. Erst muss er sich Marlis Seelmann stellen. Seelmann hat sich bei der vergangenen Quiz-Champion-Folge ebenfalls gegen die fünf Prominenten durchgesetzt. Das heißt: Sie steht gegen Thömmes im Finale. Nacheinander müssen die beiden jeweils eine Frage aus jeder Kategorie, also insgesamt fünf, beantworten.

In der ersten Runde schaffen es beide, alle fünf zu beantworten. Im zweiten Durchgang schwächelt Seelmann. Sie bekommt nur drei Punkte. Wenn Thömmes vier schafft, darf er sich „Quiz-Champion“ nennen und den Preis von 100 000 Euro mitnehmen. Erneut ist es Herbig, der die entscheidende Frage stellt. Die ersten drei konnten den Bitburger nicht ins Schwitzen bringen. Herbig schon. „Meine Hände sind ganz nass“, sagt der Komiker und liest vor: „Welcher Moderator präsentierte die diesjährige Oskar-Verleihung?“

Thömmes reibt sich mit den Zeigefingern die Schläfen: „Ich steh auf’m Schlauch.“ Und dann kommt der Geistesblitz: „Jimmy Kimmel? Es klingt wie eine Frage, ist aber die richtige Antwort. Bully Herbig springt auf: „YES!“ Thömmes wirft die Arme in die Luft. Goldenes Konfetti regnet von der Decke. Der Hüne geht auf die Bühne und nimmt Kerner und seine besiegte Gegnerin Seelmann in den Arm: „Das ist der geilste Abend seit der Geburt meines Sohnes!“