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Stadtentwicklung
Bitburger Innenstadtring: Bürgermeister für Bürgerentscheid

Stoßstange an Stoßstange: In der Trierer Straße staut sich der Verkehr schon heute vor der Kreuzung Zangerles Eck. Im Berufsverkehr ist man schneller zu Fuß von der Kreisverwaltung in die Innenstadt als mit dem Auto.
Stoßstange an Stoßstange: In der Trierer Straße staut sich der Verkehr schon heute vor der Kreuzung Zangerles Eck. Im Berufsverkehr ist man schneller zu Fuß von der Kreisverwaltung in die Innenstadt als mit dem Auto. FOTO: e_bit <e_bit@volksfreund.de> / Dagmar Schommer
Bitburg. Erlebt Bitburg ein Ring-Revival? Das Verkehrskonzept, das 2015 nach Protesten abgeschafft wurde, ist im Zusammenhang mit einer Lösung für den Beda-Platz wieder im Gespräch. Von Dagmar Schommer
Dagmar Schommer

Wer hätte das nach dem ganzen Aufruhr vor Jahren gedacht? Die Geschichte des Bitburger Innenstadtrings ist noch nicht zu Ende erzählt. Für eine einjährige Testphase 2014 eingeführt, hagelte es schon in der Anfangsphase des Einbahnstraßen-Konzepts Kritik.

Das Ring-Debakel: Die Einführung, bei der Stück für Stück Streckenabschnitte ummarkiert wurden, war holprig. Vertraute Wege änderten sich grundlegend. Der Ring war in keinem Navigationsgerät eingezeichnet, was es für Gäste von auswärts schwierig machte. Kaufleute in der Fußgängerzone sahen die Existenz ihrer Geschäfte bedroht. Kunden, so ihre Befürchtung, würden wegen des Rings einen Besuch der Innenstadt meiden. Bei Spurwechseln kam es nach Angaben der Polizei häufiger zu Unfällen. Die Wechselspuren waren teils recht kurz. Nach wenigen Monaten gab es Unterschriftenlisten gegen den Ring und hitzige Debatten. Der Ring war lange das Reiz-Thema in Bitburg.

Die Vorteile des Rings: Dabei gab es auch positive Seiten. Der Verkehr floss zügiger, Ampeln konnten teils ausgeschaltet werden, es gab entsprechend weniger Rückstaus, rund um die Innenstadt entstanden 40 zusätzliche Parkplätze und der Ring, hätte man ihn denn wirklich eingeführt, bietet auch Perspektiven für Fußgänger, Radfahrer und ein schöneres Stadtbild. Da weniger Verkehrsfläche gebraucht wird, bleibt Platz übrig für Radwege, breitere Bürgersteige, Bäume, Bänke und mehr. Aber während die Gegner des Verkehrskonzepts ihrem Ärger deutlich Luft machten, meldeten sich vor Jahren – ob bei Facebook-Debatten oder in Leserbriefen – nur wenige Ring-Freunde zu Wort.

Das vorläufige Ende: Bitburgs Kommunalpolitiker, die einst mehrheitlich dafür gestimmt hatten, das Verkehrskonzept auszuprobieren, mussten Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Mit sachlicher Kritik hatte das teils nichts mehr zu tun. Beigeordneter Hermann-Josef Jutz trat damals wegen persönlicher Anfeindungen zurück. Bürgermeister Joachim Kandels sah den „inneren Frieden“ der Stadt gefährdet. Ergebnis: Der Rat erklärte die Testphase Anfang 2015 für beendet. Wenige Wochen später war der Ring Geschichte. Offenbar eine, die aber noch nicht zu Ende ist.

Rückkehr durch die Hintertür: Im Zusammenhang mit Bauprojekten, die rund um den Beda-Platz geplant sind – allen voran die Bit-Galerie – will die Stadt den Verkehr rund um diesen zentralen Platz von Grund auf neu regeln (der TV berichtete). Ein Teil der Lösung könnte eine Neuauflage des Innenstadtrings sein. „Der würde an vielen Knotenpunkten, wo es schon heute im Berufsverkehr eng ist, für Entlastung sorgen“, sagt Bauamtsleiter Berthold Steffes. Das ist wichtig, denn mit der Bit-Galerie würde sich nach Prognosen des Büros Vertrec der Verkehr zum Beda-Platz von derzeit rund 1000 Fahrten um 1400 Fahrten in der Zeit von 15 bis 19 Uhr erhöhen. Dieser Zeitraum spielt in der Untersuchung eine besondere Rolle, weil sich da Berufs- und Einkaufsverkehr überschneiden. Ergebnis: An Knotenpunkten, die jetzt schon an ihrer Kapazitätsgrenze sind – etwa der Aldi-Kreisel, die Kreuzung Zangerles Eck oder die Brodenheckstraße –, wird es zu Stoßzeiten dann richtig schwer, noch durchzukommen.

Was der Ring nutzen würde: „Mit dem Ring würde der Verkehr flüssiger rollen, es gäbe weniger Ampeln und die Straßen rund um den Beda-Platz würden entlastet werden“, sagt Steffes. Hinzu kommt: Wenn sich die Stadt mit den Grundstückseigentümern einig wird und eine Spange über den Beda-Platz baut, bräuchten auch Garten- und Bedastraße Ampeln – und das würde ohne Ring zu Rückstaus bis in Trierer Straße und Karenweg führen. Zudem wäre es mit Einbahnring auch einfacher, Passanten von der Fußgängerzone zur Bit-Galerie zu leiten – mit Hilfe einer so genannten Anforderungs-Ampel, also eine, die auf Knopfdruck reagiert.

Ein heißes Eisen: „Politisch ist eine erneute Diskussion über den Ring natürlich problematisch, wenn man sich zurück erinnert, wie persönlich die Diskussionen am Ende wurden“, sagt Steffes. Er selbst fand das Verkehrskonzept gut. „Aber es gab auch Nachteile, die man nicht wegdiskutieren kann“, sagt er. Da müsste man, sollte der Ring denn tatsächlich noch mal kommen, gründlich dran arbeiten. Ist denn eine Neuauflage realistisch? Dazu sagt Bürgermeister Joachim Kandels: „Natürlich muss die Variante Innenstadtring bei den verschiedenen Lösungsszenarien für die künftigen Verkehrsbeziehungen rund um den Beda-Platz mit betrachtet werden. Ziel muss es sein, insgesamt weiterzukommen und da muss die Frage, ob eine Wiedereinführung des Rings sinnvoll wäre, erlaubt sein.“

Stand der Dinge: Derzeit arbeiten Stadt, Verkehrsplaner, Straßenbaubehörde sowie Investoren von Großprojekten, die rund um den Beda-Platz entstehen sollen, an einer Lösung für die Verkehrsführung. Für Kandels geht es um die Entwicklung eines neuen Quartiers. Alles ist offen. Mit einer Spange über den Platz (siehe Grafik) könnte dieser besser angeschlossen werden. Aber wo genau eine solche Spange im Detail verlaufen könnte, ist offen. Das erfordert viel Abstimmungsarbeit mit Grundstückseigentümern. Und die Spange allein reicht nicht. So wird beispielsweise auch an einen kleinen Einbahnstraßenring rund um den Beda-Platz gedacht oder eine Unterführung oder neue Anbindungen vom Kreisel Neuerburger Straße. Kandels sagt: „Sollte das Ergebnis der kommenden Wochen sein, dass nur eine Variante mit dem Innenstadtring die Lösung wäre, hielte ich es für absolut angemessen, die Bürger hierüber abstimmen zu lassen. Nur so ließe sich herausfinden, wie die Mehrheit tatsächlich denkt. Ein solches Votum wäre auch für den Stadtrat eine wichtige Entscheidungshilfe.“

Was halten Sie von der Idee eines Bürgerentscheids zu einer möglichen Neuauflage des Innenstadtrings? Mailen Sie uns Ihre Meinung in wenigen Sätzen an eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort bitte nicht vergessen).