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Bitburgs Altbürgermeister Theo Hallet gestorben

Unser Archivbild zeigt Theo Hallet im Jahr 2005
Unser Archivbild zeigt Theo Hallet im Jahr 2005 FOTO: Klaus Kimmling
Bitburg. Er war ein Herr der alten Schule, einer den die Menschen geschätzt und respektiert haben. Einer, um den ganz Bitburg trauert: Im Alter von 90 Jahren ist Bitburgs Altbürgermeister Theo Hallet am Mittwoch nach schwerer Krankheit gestorben. In seine Amtszeit (1978 bis 1987) fällt der Besuch von Ronald Reagan in Bitburg. Dagmar Schommer

Theo Hallet ist tot. Diese Nachricht verbreitete sich gestern wie ein Lauffeuer in Bitburg. Eine Nachricht, die jeden, der davon hörte, betroffen machte. Theo Hallet war beliebt. Er zählt wohl zu den angesehensten Bürgermeistern, die je an der Spitze der Stadt gestanden haben.

"Er hat mich vor 28 Jahren als Verwaltungmitarbeiter eingestellt", sagt der heutige Bürgermeister Joachim Kandels, dessen Stimme die Trauer um seinen ehemaligen Dienstherrn anzuhören ist. "Er war ein sehr geachteter und angesehener Mann. Einer, dem man mit Respekt begegnet ist. Aber eben auch einer, der viel Humor hatte, eine offenes Ohr für Mitarbeiter wie Bürger. Er war gesellig und gern unter den Leuten", sagt Kandels und ergänzt: "Bitburg verliert mit ihm einen Grandseigneur der alten Schule."

Ob der Bau der Eishalle oder das erste Parkhaus der Stadt, der Annenhof, wie auch der Beginn der erfolgreichen Sanierung der Innenstadt: Theo Hallet hat in seiner Amtszeit (1978 bis 1987) wichtige Projekte auf den Weg gebracht, die Bitburg prägen. Aber das wohl herausragendste Ereignis war der Besuch des damaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan auf dem Ehrenfriedhof Kolmeshöhe.

Ein Besuch, der als Zeichen der Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht war, aber Bitburg weltweit in die Schlagzeilen gebracht hat, weil auf dem Friedhof auch 49 Soldaten der Waffen-SS begraben liegen. Es ist wohl der denkwürdigste Tag in der Geschichte der Stadt Bitburg, der 5. Mai 1985, als Ronald Reagan mit seiner Frau Nancy sowie der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl mit seiner Frau Hannelore in Bitburg zu Gast waren. Theo Hallet hat dieser Tag so beschäftigt, dass er seine Eindrücke 2005 in seinem Buch "Umstrittene Versöhnung" zusammengefasst hat.

"Es hat lange gedauert, bis ich meine Erlebnisse im Vorfeld des Besuchs von US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Kohl festgehalten habe", schreibt Theo Hallet einleitend in seinem Buch. Rückblickend wirft er in diesem Buch die Frage auf, ob "40 Jahre nach Kriegsende und in Anbetracht einer jahrzehntelangen Bündnispartnerschaft in der Nato ein deutsch-amerikanisches Versöhnungzeremoniell auf dem Bitburger Soldatenfriedhof überhaupt notwendig und angebracht war".

Bitburg war in der Presse als "SS-Stadt" verschrieen. "Die Stadt befand sich im Ausnahmezustand", schrieb Hallet in seinem Buch, in dem er zu dem Fazit kommt: "Es dauerte ziemlich lange, bis ich mich von den hektischen Wochen dieses schwierigen Staatsbesuchs und den damit verbundenen Ängsten, Befürchtungen und Zumutungen etwas gelöst und erholt hatte. Abgesehen von der ständigen Angst vor Zwischenfällen, insbesondere einem Anschlag auf Präsident Reagan, begleitete mich auch die permanente Angst vor einem falschen Zungenschlag, der einem in freier Rede unterlaufen konnte - und unserer Stadt einen neuen Schub negativer Schlagzeilen gebracht hätte." Seine Betrachtungen enden mit den Worten: "Dieser Besuch selbst war niemals verwerflich und auch keinesfalls ein Makel. Jedenfalls ist meine Abneigung gegenüber moralischer Überspanntheit und moralischer Überheblichkeit seitdem von Tag zu Tag gewachsen."

Theo Hallet wurde am 7. März 1922 in Köln geboren. Er absolvierte in Trier eine pädagogische Ausbildung und arbeitete anschließend als Volksschullehrer in der Eifel. Nach bestandenem Realschulexamen in Geschichte und Geografie leitete er von 1961 bis 1978 als Direktor die Bitburger Otto-Hahn-Realschule.

Seine kommunalpolitische Laufbahn begann 1956 als Mitglied des Kreistags, von 1964 bis 1974 war Hallet Mitglied der CDU-Stadtratsfraktion, davon zwei Jahre als Fraktionsvorsitzender. Anschließend wurde er zum Ersten Beigeordneten gewählt - ein Amt, das er bis 1978 inne hatte. Dann wählte ihn der Rat zum Bürgermeister der Stadt, in der er bis zu seinem Tod am 1. August 2012 lebte.

Für seine Verdienste um Bitburg wurde Theo Hallet 1997 mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet, die bisher nur fünf Mal verliehen wurde.