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Stadtentwicklung
Der Durchbruch für den Beda-Platz in Bitburg

 Verkehrsführung Beda Platz_InterRed
Verkehrsführung Beda Platz_InterRed FOTO: TV / Schramm, Johannes
Bitburg. Der Knoten ist geplatzt, die Lösung gefunden: Einstimmig beschließt Bitburgs Bauausschuss, einen Einbahnring rund um den Beda-Platz anzulegen. Das Verkehrskonzept ist ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung des kompletten Bereichs, wo auch die Bit-Galerie entstehen soll. Von Dagmar Schommer
Dagmar Schommer

Ist das Ei des Kolumbus am Beda-Platz nun gelegt oder wird weiter rumgeeiert? Mitten in Bitburgs Innenstadt treffen an diesem Platz Welten aufeinander: Zwischen Geschäftsgebäuden und Bitburgs Kulturstätte stehen abbruchreife Schrottimmobilien, gesäumt von Brach- und Schotterflächen. Kaum Grün, dafür jede Menge Blech. An manchen Ecken scheint die Zeit nach dem schnellen Wiederaufbau in den 50er und 60er Jahren stehengeblieben zu sein. Der Beda-Platz ist der hässliche Hinterhof der Innenstadt. Dabei hat er großes Potenzial.

 Perspektive mit Verfallsdatum: Das alte Aldi-Gebäude (Mitte) an der Gartenstraße (rechts davon) soll 2019 abgerissen werden. Die neue Verbindung über den Beda-Platz wird über das derzeit eingezäunte Grundstück der Arend GmbH geplant. 
Perspektive mit Verfallsdatum: Das alte Aldi-Gebäude (Mitte) an der Gartenstraße (rechts davon) soll 2019 abgerissen werden. Die neue Verbindung über den Beda-Platz wird über das derzeit eingezäunte Grundstück der Arend GmbH geplant.  FOTO: TV / Dagmar Dettmer

Das fällt beim Blick von außen sofort auf. „Sie haben hier einen fast schon großstädtisch anmutenden Platz“, sagen die Architekten aus dem Büro Hille in Ingelheim. Sie wurden von der Stadt engagiert, weil es mit der Entwicklung des kompletten Bereichs nicht vorangehen wollte. Beim Ringen um ein Verkehrskonzept ließ sich kein gemeinsamer Nenner finden.

Nun endlich der Durchbruch. Bürgermeister Joachim Kandels ist erleichtert. Er musste zuletzt zurückrudern, weil die von ihm im Dezember angekündigte „einvernehmliche Lösung“ anders als geplant auch Ende Januar nicht auf dem Tisch lag (der TV berichtete). „Es hat einige Monate gebraucht“, sagt Kandels, „aber der gordische Knoten ist geplatzt.“

Das Thema beschäftigt auch die Bürger. Mehr als 30 Zuhörer verfolgen die Sitzung des Bauausschusses. Dort wurde am Mittwochabend die Idee für eine neue Verkehrsführung vorgestellt: ein einspuriger Einbahnring rund um den Platz (siehe Grafik) mit einer Spange über den Platz, die die Beda- mit der Gartenstraße verbindet. Diese Verbindung war den Grundstückseigentümern von der Kreissparkasse zunächst ein Dorn im Auge, da sie den Platz zerschneidet und damit die geplanten Investitionen der KSK in eine attraktivere Gestaltung obsolet macht.

KSK-Vorstandsvorsitzender Ingolf Bermes erklärt: „Wir sehen uns in der Verantwortung, sowohl ein Stück Lebensqualität rund um den Platz zu schaffen als auch den Charakter der Fläche als Platz zu bewahren.“ Schließlich sei dieser Platz Bühne vieler öffentlicher Veranstaltungen. Impuls für die Neugestaltung ist die Bit-Galerie. In der soll zum Beda-Platz hin eine Markthalle mit Außen-Gastronomie entstehen. Und auch vor der Sparkasse soll mit Bänken, Bäumen und Brunnen mehr Aufenthaltsqualität entstehen.

Fast ein Dutzend Mal habe man sich mit den Beteiligten getroffen, berichtet Projektmoderator Marcus Hille. 13 verschiedene Varianten für die Verkehrsführung wurden durchgerechnet. Viele kamen mangels Leistungsfähigkeit nicht in Frage, wie die Verkehrsplaner von Vertec erklären. „Es funktioniert nur“, wie Patrick Berens von Vertec erklärt, „mit einer Verbindungsachse über den Platz.“ Also das, was die Sparkasse ablehnt.

Die Lösung: Die Verbindungsstraße wird weiter weg von KSK und Galerie gelegt – und rückt damit näher an Haus Beda. Das geht aber nur, wenn die Straße über das Grundstück der Arend GmbH verläuft, auf dem seit 2016 ein großes Wohnhaus geplant wird. „Der Besitzer ist grundsätzlich bereit. Über Einzelheiten wird noch zu sprechen sein“, sagt der Bürgermeister.

Angedacht ist etwa, dass die Arend GmbH zum Ausgleich eine andere Fläche bekommt. So soll entlang der Gartenstraße vom alten  Aldi über den kleinen Backshop bis einschließlich des Hauses Krein an der Ecke Trierer Straße alles abgerissen werden, wie Bauamtsleiter Berthold Steffes sagt. Termin: Anfang/Mitte kommenden Jahres. Warum nicht schon jetzt, erklärt Steffes auch: „In dem Eckhaus gibt es laufende Mietverträge.“ Die seien nun aber gekündigt. Die ganze Sache steht und fällt damit, ob sich Stadt und Arend GmbH auch darin einigen, zu welchen Konditionen es das spielentscheidende Grundstück oder Teile davon gibt.

Die nun gefundene Lösung ist für Patric Nora (FDP) Anlass für Presseschelte. „Wir mussten uns ja kritisieren lassen, dass wir das Arend-Grundstück nicht aus dem Bebauungsplan herausgelöst haben. Nun zeigt sich: Das war gute Voraussicht.“ Damit erklärt sich rückblickend seine Rede in der Dezembersitzung vom „großen Ganzen“, in das sich das „Einzelteil“ einfügen und der Investor deshalb noch warten müsse.

Das Verkehrskonzept beschließt der Bauausschuss am Ende bei vier Enthaltungen (eine der Grünen und drei von der Liste Streit) einstimmig. Zuvor hatte Michael Dietzsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung, die das Haus Beda betreibt, kritisiert, dass die Verkehrsführung, die damit ja näher an Haus Beda heranrückt, nicht „die Erfordernisse unserer Kulturstätte berücksichtigt“. Zufrieden wiederum ist mit dem Kompromiss die KSK. Für die Liste Streit ist das Konzept eine „Mogelpackung“. Stefan Weimann sagt: „Das wird doch niemals ein schöner Park, wenn genau dort zwischen Galerie und Sparkasse die LKW-Anlieferung sein wird.“

Wie es um die Bit-Galerie steht, ist Thema in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 21. Februar.