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CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner gibt in Bitburg im Gespräch mit Kulturamtsleiter Herbert Fandel private Einblicke

FOTO: Jasmin Wagner
Bitburg/Mainz. Nach Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist nun ihre Herausforderin Julia Klöckner (CDU) zu Gast bei Kulturamtsleiter Herbert Fandel gewesen. Im ausverkauften Saal des Hauses Beda erfuhren 270 Menschen in der Gesprächsreihe „Einblicke“, warum sie die Kanzlerin zum Weißwein bekehren möchte und was sie von Theo Zwanziger hält. Christian Moeris

Julia Klöckner hat über sich selbst einmal gesagt, dass sie geländegängig sei. Für Kulturamtsleiter Herbert Fandel eine Aussage, die er in seiner Gesprächsreihe "Einblicke" überprüfen möchte.
So viel vorweg: Die Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz ist schlagfertig. Um eine Antwort auf Fandels Fragen ist sie nur selten verlegen. Genau genommen muss sie nur einmal länger nachdenken. "Was denken Sie über Tebartz-van Elst?", fragt Fandel. Längeres Schweigen. Dann Klöckners Antwort: "Er hat uns einen interessanten Bau hinterlassen." Bei Theo Zwanziger, der auch schon Gast bei den "Einblicken" war, muss sie nicht lange überlegen: "Er ist CDU-Mitglied und ein streitbarer Mann. Wenn er mich im Fernsehen sieht, schreibt er mir, dass er sich auf die Landtagswahl am 13. März freut."

So groß ist die Freude in der SPD naturgemäß nicht. Roger Lewentz, mittlerweile rheinland-pfälzischer Innenminister, bezeichnete sie einst als "Shitstorm auf Pumps". "Wie sind Sie damit umgegangen?", fragt Fandel. Klöckner: "Wer so was sagt, bei dem muss die Not schon groß sein. Aber mittlerweile gehen wir sportlich damit um." Daraufhin möchte Fandel wissen, wie der Umgang zwischen Regierung und Opposition im Landtag ist. "Ordentlich - es ist ja nicht so, dass nur Grenzdebile in der Politik sind", so Klöckner.

Ihr Verhältnis zu dem ehemaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck sei nicht immer einfach gewesen. Herbert Fandel spricht sie auf ihre zunächst aggressive Rhetorik an. Klöckner entgegnet, dass sie sich gegen Beck durchsetzen musste: "Er meinte, er würde mich wie einen Mann, fair und sachlich, behandeln." Da habe sie nur zu ihm gesagt, dass sie nicht vorhabe, ihn wie eine Frau zu behandeln.

Mit der Kanzlerin hingegen pflegt sie ein freundschaftliches Verhältnis. Fandel ist neugierig: "Erzählen Sie mal - wie ist sie so, die Kanzlerin?" Klöckner: "Sie ist sehr unprätentiös, uneitel und pragmatisch. Eine unglaublich schnelle und kluge Frau!" Außerdem sei die Kanzlerin ein sehr treuer Mensch und verfüge über einen guten trockenen Humor. "Und sie versteht was von Wein", so Klöckner. Allerdings liebe sie Rotwein.
"Was ich ihr schon alles angeschleppt habe, um sie von unserem Weißwein zu überzeugen!"
Mit unserem Weißwein meint Klöckner vor allem Wein aus dem Anbaugebiet der Nahe, das sie 1994/95 als Weinkönigin repräsentierte, bevor sie ein Jahr später zur Deutschen Weinkönigin gekürt wurde. Ihr Lieblingswein sei der Grauburgunder. "Der ist nicht ganz so säurebetont wie der Riesling."

Fandel möchte wissen, wie sie es geschafft habe, Weinkönigin zu werden. Als Winzertochter - Julia Klöckner ist in Guldental (Landkreis Bad Kreuznach) aufgewachsen - sei sie gefragt worden, ob sie sich zur Wahl stellen möchte. "Machste mal", habe sie sich gedacht.
Sie habe dazu Kenntnisse in Weingesetzgebung, -chemie und -politik nachweisen müssen. Aber auch praktische Kenntnisse seien notwendig gewesen: "Ich habe mich öfter mit meinem Vater in den Weinkeller zu Blindverkostungen zurückgezogen. Da wird man belastbar - und trinkfest", sagt die 42-Jährige und lacht.
Was ihre Beziehung mit dem Journalisten Helmut Ortner betrifft, gibt sie sich weniger auskunftsfreudig. "Wie steht's mit der Ehe?", fragt Fandel.
"Wenn wir heiraten, lasse ich es Sie als Erstes wissen", entgegnet Klöckner. "Wir haben eine unterhaltsame Beziehung und diskutieren viel."

Ob sie nun geländegängig ist, bleibt unbeantwortet. Aber jeder, der an diesem Abend im Haus Beda war, weiß nun mehr über den Menschen Julia Klöckner.