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Ärzte-Genossenschaft
„Da fehlen einem die Worte“

Was tun, wenn es in einigen Jahren keine Allgemeinmediziner mehr auf dem Land gibt? Bleibt dann nur noch das Krankenhaus als Alternative?
Was tun, wenn es in einigen Jahren keine Allgemeinmediziner mehr auf dem Land gibt? Bleibt dann nur noch das Krankenhaus als Alternative? FOTO: Julian Stratenschulte
Bitburg/Prüm. Entsetzt und erschüttert: Das vorläufige Aus für die Ärzte-Genossenschaft Medicus eG kann in der Eifel niemand verstehen. Auf Facebook machen sie ihrem Ärger Luft. Von Dagmar Schommer
Dagmar Schommer

Die Resonanz auf die Berichte des Trierischen Volksfreunds über das vorläufige Aus für die Initiative Eifeler Ärzte, die eine Genossenschaft gegründet haben, ist riesig. Im Internet wird auf der sozialen Plattform Facebook seit dem ersten Bericht „Eifeler Ärzte gehen auf die Barrikaden“ (TV vom 12. Mai) gegen die Entscheidung des Zulassungsausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gewettert. Die Debatte auch der Facebookseite „Volksfreund Bitburg“, aber auch Landrat Joachim Streit, der die Medicus eG unterstützt und Mitinitiator dieser Genossenschaft ist, ist von der Zahl der Reaktionen überrascht.

Das Thema bewegt die Menschen in der Eifel. Schließlich will die Medicus eG etwas gegen den Ärztemangel auf dem Land tun – dafür aber braucht die Genossenschaft eine Zulassung. Und genau daran hängt es noch immer (siehe Bericht auf Seite 9). Ein Blick in die Debatte auf Facebook.

Josefine Richter: „Mal wieder typisch. Und die Patienten dürfen es dann ausbaden! Und das haben ausgerechnet jene zu verantworten, die eigentlich dafür da sind, die ärztliche Versorgung sicherzustellen.“

Andreas Mertesdorf fragt: „Seit wann haben solche Bürokraten etwas für das Wohl des Menschen übrig?“

Manuela Heimann: „Da fehlen einem die Worte.“

Heike Powell fragt: „Gibt es da rechtliche Schritte, die eventuell unternommen werden können?  Oder eine übergeordnete Stelle, die diese Entscheidung aufheben kann?“

Antwort der Redaktion: Die Ärztegenossenschaft kann gegen die schriftliche Begründung des Ablehnungsbescheids Widerspruch einlegen, gegebenenfalls dagegen klagen. Das haben die Ärzte auch vor. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ebenfalls die Möglichkeit, Widerspruch gegen den Bescheid des Zulassungsausschusses einzulegen.

Heike Powell schlägt vor, „möglichst viele Unterschriften einzelner Bürger für eine Sammelbeschwerde zu bekommen“ – eventuell mit Hilfe der Gemeinderäte.

  

Wilhelm Hahn meint: „Klagen wird wenig bringen. Erst wenn die Bürger in Sammelklage mit Ärzten dagegen vorgehen, werden die reagieren.“

Karl-Heinz Drzimalla schlägt vor: „Warum tun sich nicht alle zusammen und jagen die Kassenärztliche Vereinigung, die sowieso nur Geld kostet, zum Teufel?“

Kurt Heinrichs: „Nicht zu fassen. Das ländliche Ärzteproblem ist bekannt. Und dann werden Initiativen wegbürokratisiert.“

Lothar Meyer: „Unglaublich.....das schreit nach erbitterter Gegenwehr!“

Rosi Nieder: „Dann gibt es mal eine gute Idee und dann wird sie so abgeschmettert. Wie wäre es denn mal mit einem konstruktiven Vorschlag von Seiten der KV, dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen?“

Ruth Jung: „Das kann man wirklich nicht verstehen!“

Claudia Thies: „Wie waren die Aussagen zum Bundestagswahlkampf letztes Jahr? ‚Wir müssen aufpassen, dass die ländliche Bevölkerung nicht abgehängt wird.’ So so...!“

Arno Kaminski: „In der heutigen Zeit sind Genossenschaften ein Zukunftsmodell. Hier erst recht. Ob die Kassenärztliche Vereinigung noch Zukunft haben sollte, wird immer fragwürdiger.“

Charlotte Paltzer: „Erstarrung tötet Lebendigkeit und Kreativität.“

Gaby Mosebach: „Es gibt nichts Schlimmeres als diese Verbohrtheit dieser Standespolitik dieser Funktionäre der KV. Sie sollten ja eigentlich die Kollegen vertreten, die Honorare kommen schließlich aus den Praxen, welche bei den Sitzungen kassiert werden.“

Nathalie Garbay: „Es ist doch jetzt schon schwer genug, überhaupt einen guten Arzt zu finden.“

Hilde Leick: „Wenn sich die KV schon so querstellt, motiviert das keine jungen Ärzte, aufs Land zu kommen. Armes Deutschland.“

Petra Ferner: „Ich hoffe, dass jedem der KV klar ist, was das bedeutet. Dass niemand von ihnen im Alter auf einen Arzt angewiesen ist, der Hausbesuche macht, den der alte Mensch persönlich kennt, der dem alten Patienten die Zeit gibt, seine Krankheiten zu schildern, der im vertrauten Umfeld zu finden ist.“

Irene Heinz: „Da hängt so viel dran....in einigen Jahren werden viele keinen neuen Hausarzt mehr finden – das ist heute schon schwierig.“

Ingrid Ixefeld: „Nicht zu fassen!!!“

Susanne Weiland: „Da finden sich Leute, die Verantwortung übernehmen möchten. Da gibt es (ältere) Ärzte, die nicht sagen ‚nach uns die Sintflut’. Da gibt es Menschen, die die medizinische Versorgung der ländlichen Bevölkerung sicherstellen möchten. Und was ist? Anstatt sie nach allen Kräften zu unterstützen, bekommen sie Steine in den Weg gelegt. Vermutlich wohnen diejenigen, die die Zulassung nicht erteilen, irgendwo in einer Stadt, in der die meisten Ärzte, die in Rente gehen, direkt einen Nachfolger haben und wo man innerhalb weniger Kilometer zwischen mehreren Ärzten wählen kann. Die haben doch ehrlich gesagt absolut keine Ahnung, wie es schon jetzt um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum steht. Einfach nur traurig.“

Christina Martin: „Unfassbar! Man wird ja jetzt schon überall abgewiesen, wenn man auf der Suche ist nach einem Hausarzt! Das ist doch nicht tragbar, ich kann nicht jedes Mal nach Trier fahren – vor allem nicht, wenn ich wirklich akut krank bin!“

Manfred Schuler: „Vielleicht sollte man mal über die Daseinsberechtigung der Kassenärztlichen Vereinigung nachdenken!“

Marita Eichten: „Die Situation im Eifelkreis ist doch schon jetzt nicht mehr tragbar. Hausärzte sind am Limit. Fachärzte, die da sind, haben zu lange Wartezeiten. Viele Behandlungen können ja zum Beispiel im Krankenhaus in Prüm gar nicht durchgeführt werden. Es wird Zeit, dass die KVs abgeschafft werden. Für die Zulassung der Ärzte sollten alleine die örtlichen Behörden wie etwa die Kreisverwaltungen zuständig sein. Leider wird das nicht passieren, das müssen Menschen wie meine Eltern mit zu langen Wartezeiten ausbaden.“

Marita Ortloff: „Es ist nicht zu glauben!“

Barbara Rodermann: „Unfassbar! Bitte nicht aufgeben, Dr .Jager!“

Nicole Weiß: „Es ist unglaublich! Da wird nach Lösungen gesucht, um dem Ärztemangel vorzubeugen, und dann wird das blockiert. Da stellt sich wirklich die Frage, ob die KV weiterhin bestehen bleiben sollte. Denn dort wird dem Anschein nach nicht zum Wohl der Bevölkerung entschieden.“

Johannes Heinzkill: „Es ist der Hohn! Da gibt es Ärzte, die sich Gedanken über die ärztliche Versorgung einer ganzen Region machen, und wo werden sie gestoppt, nicht von der Politik, nein, von ihrer eigenen Vereinigung. Ich bin für eine Petition! Dr. Jager, Kopf hoch und durch!“

Linda Gillessen: „Unverständlich und nicht akzeptabel für die Betroffenen. Offensichtlich sind innovative Ideen nicht gefragt. Das fängt beim Medizinstudium an und endet mit unterversorgten ländlichen Regionen. Hauptsache, die bürokratischen Regeln finden Beachtung. Wenn eine Einrichtung wie die KV ihren Aufgaben nicht nachkommt, ist sie überflüssig oder zumindest nicht mehr zeitgemäß. Gleiche Chancen für Stadt und Land?  Dass ich nicht lache.“

Ernst Gilles: „Da kann man nur sagen, dass die Bürokraten von der KV den Knall immer noch nicht gehört haben.“