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Das Platt wird platt gemacht

Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen vom Amt für rheinische Landeskunde sieht für das "Platt" keine Zukunft. Foto: Elmar Kanz
Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen vom Amt für rheinische Landeskunde sieht für das "Platt" keine Zukunft. Foto: Elmar Kanz
BITBURG. "Mieh Moot, opp Platt schwätzt ett sich dach richtich joot!" Wer Mühe hat, das zu verstehen, sollte etwas für sein "Moselfränkisch" tun. Zum Beginn einer Großoffensive zur Förderung heimischer Mundart hatte der Geschichtliche Arbeitskreis Bitburger Land (GAK) den renommierten Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen vom Amt für rheinische Landeskunde in Bonn eingeladen. Weitere Veranstaltungen werden folgen. ARRAY(0xb69ce240)

Was Georg Cornelissen ("ich betrachte mich als Nord-Rheinländer") in seinem viel beachteten Buch "Rheinisches Deutsch" schwerpunktmäßig über den zu Nordrhein-Westfalen gehörenden Teil des Rheinlandes einschließlich der Nordeifel schreibt, gilt weitgehend auch für das Bitburger Land. Dabei geht es weniger um Platt oder Dialekt, sondern um das sogenannte "Regiolekt", eine zwischen Dialekt und Hochdeutsch angesiedelte, immer stärker werdende Umgangssprache. Kostproben nördliches Rheinland: "Lass mich das Buch mal gucken" oder "die sind sich am Kloppen". Cornelissen zufolge vollzieht sich die rasante Zunahme des Regiolektes vor allem auf Kosten des Dialektes. Das gelte deutschlandweit. Als relativ resistent hätten sich bisher lediglich Bayrisch und Kölsch erwiesen. In der Umgangssprache könne man sich über weit größere Distanzen verständigen. Wer sie gebrauche, wolle meist gar nicht Hochdeutsch sprechen. "Mit wem unterhalte ich mich über was, wo, wann und warum", seien wesentliche, für die Wahl des Regiolektes entscheidende Kriterien. Derweil gilt Georg Cornelissens Hauptinteresse nach wie vor den Dialekten, insbesondere den rheinischen. Seine detaillierten Kenntnisse über ihre Art und Verbreitung werden durch ständige, umfangreiche Fragebogenaktionen ergänzt. Beim Referat im Haus Beda erwies sich Cornelissen als subtiler Kenner der im Bitburger Land gesprochenen Mundart. Gleichwohl konnte er seinen Zuhörern einen bitteren Wermutstropfen nicht ersparen. "Ich sehe für das Platt keine Zukunft", lautete sein Resümee. Um einiges optimistischer dagegen sind der GAK-Geschäftsführer Ralph Schmitz und Werner Pies, Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Bitburg. Sie geben dem Platt zumindest noch einige Jahrzehnte. Zwar räumt Ralph Schmitz ein: "Unser Dialekt ist heute überall auf dem Rückzug." Wesentliche Gründe dafür seien das Aufkommen des Schriftdeutsch im 16. Jahrhundert sowie in unserer Zeit Bevölkerungszuzug, erhöhte Mobilität, Massenmedien, Schulunterricht und Tourismus. Die Mundart als unschätzbares Kulturgut gelte es aus vielerlei Gründen zu schützen. Im Vergleich zum Hochdeutsch sei sie farbiger, ausdrucksstärker und gehaltvoller, als vertrauter Teil der Heimat verbinde sie die Menschen und erzeuge Geborgenheit. Als "ganz besonders wichtig für die klangliche Wiedergabe der Mundart" erachtet es Schmitz, sie in gedruckte Sprache zu übertragen, damit jeder so schreiben kann, wie er denkt und empfindet. "Dies und vieles mehr wollen wir erreichen. Die Mundart soll leben. GAK und das Volksbildungswerk Bitburger Land (VBW) werden alles tun, um möglichst viele Menschen für diese Thematik zu sensibilisieren und sie zur Mitarbeit zu bewegen", sagte Ralph Schmitz. Dabei mitmachen will auch Georg Cornelissen. Ungeachtet seiner nicht ganz so optimistischen Prognose in Sachen Platt will der Sprachwissenschaftler aus Bonn die Bitburger Bemühungen nach Kräften unterstützen.