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Das war's mit der Post am Postplatz

Alt und Neu im Blick: Die Post packt um und zieht von der Container-Filiale an der Römermauer in das neue Geschäftshaus Belwo (links). TV-Foto: Dagmar Schommer
Alt und Neu im Blick: Die Post packt um und zieht von der Container-Filiale an der Römermauer in das neue Geschäftshaus Belwo (links). TV-Foto: Dagmar Schommer
Bitburg. Postplatz ohne Post: Das Unternehmen eröffnet Mitte November eine Filiale im neuen Geschäftshaus Belwo an der Römermauer - gleich gegenüber vom Container-Standort, der als Ausweichquartier geschaffen wurde, als klar war, dass das alte Postgebäude am Postplatz für eine Neugestaltung des Platzes abgerissen wird. Dagmar Schommer

Bitburg. Eigentlich heißt der Postplatz ja gar nicht Postplatz, sondern Am Spittel. Aber in Bitburg sagt fast jeder Postplatz, weil die Post jahrzehntelang den Platz geprägt hat. Doch damit ist nun endgültig Schluss. War die Container-Filiale an der Römermauer zunächst nur als Übergangsquartier gedacht, steht nun fest, dass die Post an der Römermauer bleibt. Nicht in den Containern, die das Unternehmen im September 2011 bezogen hat, sondern gleich gegenüber im neuen Geschäftshaus.
"Wir haben für den neuen Standort an der Römermauer einen langfristigen Mietvertrag unterzeichnet", bestätigt Ralf Palm, Pressesprecher der Postbank Zentrale in Bonn auf TV-Anfrage. Stefanie Krämer von der Immobiliengesellschaft Faco freut sich über die Zusage. "Die Post hat immerhin rund 3000 Kunden am Tag. Das macht natürlich auch die verbleibende Fläche im Erdgeschoss von knapp 300 Quadratmetern interessant." Ergänzend würde Krämer sich im Erdgeschoss Gastronomie wünschen: "Ein Café oder einen Imbiss."
Das gesamte Geschäftshaus mit seinen 2300 Quadratmetern auf dreieinhalb Geschossen ist fast komplett vermarktet. In das Gebäude, das von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen mit der Höchstbewertung in Gold ausgezeichnet wurde, ziehen eine Anwaltskanzlei, ein Notariat, ein Steuerberatungsbüro, eine Werbeagentur, ein Architekturbüro sowie die Faco selbst. "Lediglich 240 Quadratmeter im zweiten Stock sind noch frei", sagt Krämer, die vermutet, dass eben auch das Energiekonzept - geheizt und gekühlt wird mit Brauwasser - zur guten Nachfrage beigetragen habe. "Und dann", sagt sie, "zählt halt Lage, Lage, Lage".
1400 Quadratmeter Fläche


Die Lage, keine Frage, stimmt. Aber die Lage ist auch am Postplatz als 1A zu bewerten. Dort baut die Trierer GBT ein Wohn- und Geschäftshaus mit dreieinhalb Geschossen. Neben 33 Wohnungen entstehen im Erdgeschoss auch 1400 Quadratmeter Gewerbefläche. Hinzu kommt das zweite, kleinere Gebäude, das den winkelförmigen Komplex Richtung Borenweg ergänzt. Das Gebäude, das in Bitburg wegen seiner Form, inzwischen "das Ei" genannt wird. Und in dieses Ei, wenn nicht ins Hauptgebäude, sollte die Post einziehen. Das hatte die Post auch vor, als sie im Herbst 2011 ihr Übergangsquartier in der Container-Filiale eröffnet hat. Doch nun kommt es anders. Pressesprecher Palm sagt: "Der neue Standort ist gut erreichbar und entspricht unseren Anforderungen."
Ein Jahr Zeitverzug


GBT-Vorstand Stefan Ahrling vermutet, dass auch der Zeitverzug am Postplatz zu der Entscheidung der Post, ins Belwo zu ziehen, beigetragen habe. Während das Belwo im November bezugsfertig ist, wird der Neubau am Postplatz erst Ende 2014 stehen. "Da waren die aufwendigen Grabungen des Landesmuseums, der Bombenfund, und es mussten Kabel und Versorgungsleitungen verlegt werden. Wir sind etwa ein Jahr in Verzug", sagt Ahrling, der die Post ebenfalls gerne als Mieter gesehen hätte: "Natürlich hätten wir uns darüber gefreut, klar. Dass es nun anders kommt, ist ärgerlich, aber kein Drama", sagt er und verweist auf "genug andere Interessenten". Wer diese sind, will er nicht verraten. Auch mit Gastronomen stünde die GBT in Gesprächen. Für mehr sei es noch zu früh.
Wer auch immer am Ende die Geschäftsflächen am Postplatz füllt - die Post ist es nicht. Von der Post bleibt am Postplatz nur der Briefkasten in der Poststraße.Extra

Am Spittel ist der offizielle Name des Postplatzes. Dort stand einst das St. Johannishospital, das 1295 erstmals urkundlich erwähnt ist. Von den Franzosen wurde 1794 das Krankenhaus als Gefängnis genutzt. 1803 befand sich erstmals eine Briefsammelstelle im ehemaligen Hospitalgebäude, das 1865/66 abgerissen wurde. 1880 wurde die Post in die Erdorfer Straße verlegt, bis 1899 das neue Postgebäude auf dem Hospitalplatz stand, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. In der Nazi-Zeit hieß der Platz Horst-Wessel-Platz. Nach dem Krieg zog die Post in die Erdorfer Straße, bis 1957 das neue Postgebäude stand. 2011 zog die Post in ihr Übergangsquartier; Anfang 2013 wurde das Postgebäude abgerissen. scho