| 18:11 Uhr

Hochwasser
Das Wasser ist weg, die Arbeit bleibt

In der Biersdorfer Ortslage hat der Kannenbach viel Schaden angerichtet. Infolgedessen wurden bereits ein weiterer Abschnitt renaturiert und so gestaltet, dass der Bach mehr Platz hat.
In der Biersdorfer Ortslage hat der Kannenbach viel Schaden angerichtet. Infolgedessen wurden bereits ein weiterer Abschnitt renaturiert und so gestaltet, dass der Bach mehr Platz hat. FOTO: Uwe Hentschel
BIERSDORF. Die starken Regenfälle Anfang Juni haben auch im Umfeld des Bitburger Stausees Spuren hinterlassen. Dafür aber blieb dem Gewässer in diesem Jahr wenigstens ein Problem erspart.

Vor gut einem Jahr war der Stausee Bitburg leuchtend grün. Grund dafür war die hohe Blaualgenkonzentration in dem Gewässer. Wenn es warm und über einen längeren Zeitraum trocken ist, bildet sich auf dem See eine grüne Schicht. Zumindest war das, in den vergangenen Jahren vermehrt der Fall. In diesem Jahr jedoch nicht. Und das obwohl es über Wochen, ja Monate hinweg sehr warm und äußert trocken war. Im Grunde also beste Voraussetzungen für die Blaualgenblüte.

Dass sich auf dem See dennoch in diesem Jahr kein Algenteppich gebildet hat, dafür gibt es womöglich einen recht einfachen Grund: „Anscheinend wurde der Stausee bei dem Hochwasser ordentlich durchgespült“, sagt Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburger Land. Demnach hätte das Extremereignis Anfang Juni ja auch etwas Gutes. Wenngleich das aber auch die einzige positive Begleiterscheinung sein dürfte.

Denn das, was an algenverursachenden Nährstoffen und Boden mit der Flut aus dem Becken in die untere Prüm verschwand, wurde durch neuen Schlamm aus dem oberen Prümverlauf ersetzt. Und so wie es aussieht, kam auf der einen Seite deutlich mehr Schlamm rein als auf der anderen Seite wieder hinausgespült wurde. Das wiederum bedeutet, dass die Speicherkapazität des Stausees nach dem Hochwasser geringer ist als davor. Was insofern bedenklich ist, weil sie schon vorher nicht ausreichend war.

Als das Hochwasser kam, hatte der Stausee-Zweckverband zunächst noch versucht, so viel wie möglich im Becken zu puffern.  Welche Wassermassen jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg Richtung Stausee waren, wurde erst viel zu spät realisiert. Mehr als 13 Millionen Liter pro Minute flossen laut Zweckverband zu Spitzenzeiten in den See. Sowohl das Stauseebecken als auch die Verantwortlichen waren mit dieser Situation überfordert.

Die Flutwelle hat im nahezu gesamten Prümverlauf viel Schaden angerichtet. Inwieweit im unteren Flussabschnitt die Stauseeregulierung eine Rolle spielt, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. Nach dem Hochwasser wurde der Vorwurf laut, der Zweckverband habe zu spät reagiert.

Dagegen jedoch wehren sich sowohl Junk als auch dessen erster Beigeordneter Rainer Wirtz. „Wenn wir das Wasser nicht so lange zurückgehalten hätten, wäre den Leuten noch weniger Zeit zum Reagieren geblieben“, sagt Junk. Was aber natürlich nicht bedeute, dass alles perfekt gelaufen sei, wie beide einräumen. „Dass der Informationsfluss optimiert werden kann, ich denke, darüber müssen wir nicht diskutieren“, so Wirtz.

In der Stauseegemeinde Biersdorf selbst hat das Hochwasser selbst kaum Schaden angerichtet. Dafür aber die Wassermassen, die sich einige Tage später infolge von Starkregen durch den Ort in Richtung Stausee bewegten. Diesmal kam die Flut nicht mit der Prüm, sondern mit dem kleinen, ansonsten unauffälligen Kannenbach. Dieser hat seine Quelle im benachbarten Niederweiler und fließt durch Biersdorf, wo er in den Stausee mündet. Im Ort verläuft der Bach in mehreren Abschnitten durch einen unterirdischen Kanalschacht. Die letzten 100 Meter wurden im vergangenen Jahr freigelegt, renaturiert und um einen Wasserspielplatz erweitert. Und eigentlich war zum Abschluss dieser Aktion Anfang Juni ein Fest geplant. Aufgrund des Stausee-Hochwassers wurde die Veranstaltung aber kurzfristig abgesagt. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. Was aber auch nicht weiter tragisch ist, weil der Wasserspielplatz derzeit ohnehin nur eingeschränkt nutzbar ist. Nach dem Hochwasser wurden die beiden Handpumpen entfernt. Zum einen, weil sie nicht mehr richtig funktioniert hätten, wie Junk erklärt, und zum anderen aufgrund der Wasserqualität. „Wir hatten durch das Hochwasser Probleme damit und mussten deshalb reagieren“, sagt der Bürgermeister.

Reagieren musste die VG auch gut 300 Meter bachaufwärts, im Bereich der Bäckerei Theis-Mühle, wo das Kannenbachhochwasser den größten Schaden angerichtet hatte (der TV berichtet). Dort wurden die Hänge durch große Natursteine gesichert.

Insgesamt wirkt dieser Bereich jetzt ähnlich naturiert wie der Mündungsbereich am Stausee. Weshalb die VG hofft, auch bei diesem Projekt von der Aktion Blau plus des Landes  zu profitieren. In diesem Fall nämlich würden die Kosten mit 90 Prozent gefördert.

Was die Beseitigung aller Schäden und die damit verbundenen Folgemaßnahmen betrifft, so lässt sich derzeit laut Bürgermeister und Beigeordnetem noch gar nicht abschätzen, was am Ende alles kosten wird. Zumal Biersdorf ja nur eine von vielen Baustellen im Bitburger Land ist. Alle betroffenen Bereiche seien bereits von Ingenieurbüros begutachtet worden, sagt Junk. „Die Folgen werden uns noch Jahre beschäftigen.“