| 21:07 Uhr

Deponie bisher kein Thema

Idylle am künstlichen See: Der Stausee Bitburg in Biersdorf muss entschlammt werden. Ungeklärt ist, wo der Schlamm hin soll.Foto: TV -Archiv/Patrick Lux
Idylle am künstlichen See: Der Stausee Bitburg in Biersdorf muss entschlammt werden. Ungeklärt ist, wo der Schlamm hin soll.Foto: TV -Archiv/Patrick Lux
BIERSDORF. Noch nicht entschieden ist, wie stark der Schlamm im Stausee Bitburg belastet ist. Die Fachbehörde schließt derweil aus, dass die Belastung mit Schwermetallen von der Deponie in Plütscheid herrührt. ARRAY(0x1c99b8860)

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Blei, Zink, Nickel wurden in Proben gefunden, die im Schlamm des Stausees Bitburg gezogen worden waren. Für die Verantwortlichen stand schnell fest, dass deshalb die rund 60 000 Kubikmeter Schlamm nicht auf Felder und Gärten ausgebracht, sondern 5000 Kubikmeter auf die Erdaushubdeponie Rittersdorf und 45 000 Kubikmeter auf die Hausmülldeponie in Plütscheid gebracht werden sollen. Und dies alles, weil Grenzwerte überschritten wurden und die Regionalstelle für Wasser-, Abfall- und Bodenwirtschaft (Rewab) in Trier nach Aussagen von Bürgermeister Jürgen Backes das Ausbringen des Schlamms nur unter zu strengen Auflagen zulassen. Deshalb sei ein Ablassen des Stausees im Jahr 2005 und der Abtransport der Schlamm-Massen mit LKW die einzige Möglichkeit, etwas gegen das Verlanden des Sees zu tun. Für die Experten der Rewab ist es aber alles andere als eine ausgemachte Sache, dass der Schlamm auf Deponien endgelagert werden muss. "Uns haben drei Proben vorgelegen, von denen bei einer der Wert für Blei überschritten war", sagt Joachim Gehrke, Leiter der Rewab. Bei Zink sei nur ein Zehntel bis ein Zwanzigstel des zulässigen Werts erreicht worden. Ehe man eine Entscheidung darüber treffen könne, was mit dem Schlamm passieren soll, müsste erst weitere Proben gezogen und analysiert werden. Drei Proben seien eine viel zu geringe Zahl, um aus deren Analyseergebnisse irgend welche Schlüsse zu ziehen. Für Gehrke sind die gemessenen Belastungen so gering, "dass es sich nicht lohnt, nach den Ursachen zu suchen". Er erinnert daran, dass es nur deshalb überhaupt Probleme gibt, weil eine neue Verordnung äußerst geringe Grenzwerte vorschreibt. Was beispielsweise bei Bioabfällen als Grenzwert gilt, wird bei der für den Prüm-Schlamm geltenden Bundesbodenschutzverordnung bei weitem unterschritten. Bei der bisher letzten Entschlammung des Stausees vor einigen Jahren seien auch Schwermetalle gefunden worden, sagt Gehrke. Damals galten jedoch eine andere Verordnung für den Schlamm und damit auch andere Grenzwerte. Gesundheitsgefahren gehen nach Aussage von Experten weder von dem in vielen privaten Gärten lagernden Schlamm der bisher letzten Entschlammung aus. Ebenso gelte dies für den Schlamm, der bei der kommenden Entschlammung zutage gefördert wird. Auf keinen Fall komme die Hausmülldeponie Plütscheid dafür in Frage. Diese These war nach Bekanntwerden der Belastung mehrfach geäußert worden. Theoretisch könnten Schwermetalle über den Tautenbach in die Prüm gelangen. Zudem gibt es keinerlei Basisabdichtung der Deponie, dafür aber einige Quellen. Das in der Deponie anfallende Wasser wird zwar in einer Kläranlage gereinigt. Die verfügt aber über eine so genannte Abschlagleitung, durch die bei zu großem Wasseranfall ankommendes Wasser ungeklärt an der Kläranlage vorbeigeführt wird. Der Rewab-Chef ist sich sicher, dass die Quellen für die Belastungen der Prüm-Sedimente eher durch den Straßenverkehr und über Einträge aus der Luft verunreinigt wurden und auch in Zukunft werden. "Wenn die Belastung gravierend wäre, würden wir der Sache nachgehen", sagt Gehrke. Im Grunde genommen ist der Schlamm im Stausee Bitburg genauso viel oder wenig belastet wie vergleichbare Anlagen, sagt der Rewab-Chef, der auch noch eine gute Nachricht hat. In den bisher analysierten Proben wurde keine Spuren des Insektizids Dimethoat gefunden. Dies war im Jahr 2003 nach einem Unfall bei Olzheim über den Reutherbach in die Prüm gelangt.