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BETTINGEN/EISENACH
Der Besuch läuft und die Zeit rennt

Besichtigt wird in Eisenach auch der Buchsbaum-Garten des ehemaligen Pfarrhauses.
Besichtigt wird in Eisenach auch der Buchsbaum-Garten des ehemaligen Pfarrhauses. FOTO: Uwe Hentschel
BETTINGEN/EISENACH. Für die Gebietskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ haben sich die Dörfer Nasingen, Bettingen und Eisenach von ihrer besten Seite gezeigt. Ergebnisse erfahren die Gemeinden am 9. Juli.

Wenn die Jury kommt, muss alles bis ins kleinste Detail geplant sein. Denn der Zeitplan ist eng gestrickt. Drei Dörfer hat die Bewertungskommission des Gebietsentscheids „Unser Dorf hat Zukunft“ an diesem Tag im Programm: Nasingen, Bettingen und Eisenach. Und jedes Dorf hat laut Terminplan der Kommission 135 Minuten, um die Jury zu überzeugen.

Für ein Dorf wie Nasingen, das gerade einmal 43 Einwohner hat, ist das machbar. In Bettingen, wo 30 Mal so viele Menschen leben wie in Nasingen, wird es mit dieser Zeitvorgabe hingegen eng. Gegen 11 Uhr kommt die Kommission in Bettingen an, eine Stunde später ist absehbar, dass das mit den 135 Minuten nicht hinhauen kann. Als die Jury nach der Präsentation im Jugendheim, dem Besuch der Kita und dem Rundgang durch die Dorfmitte den Planwagen besteigt, um den Rest der Gemeinde zu erkunden, ist es bereits Viertel nach Zwölf. Und es stehen noch einige Sachen auf dem Programm: Erst führt die Fahrt zur Tennisanlage, dann von dort hoch zum Neubaugebiet Auf dem Liesenberg und von dort dann in die Tränkstraße, wo ein Haus besichtigt wird, das Anfang des Jahres mit dem Baukulturpreis des Eifelkreises ausgezeichnet wurde. Und weil es in der Tennisanlage belegte Schnittchen und Getränke gibt, in der Tränkstraße Schnaps verteilt wird und die Bettinger nun mal viel zu zeigen haben, zieht sich die Planwagentour in die Länge.

Zudem gibt es in Bettingen eine Baustelle, weshalb eine Umleitung genommen werden muss. Kurz um: Die sechsköpfige Kommission und die Bettinger Bürger, die bei der Tour durch den Ort dabei sind, kommen fast eine halbe Stunde später als geplant am Ziel an. Viel Zeit zum Mittagessen bleibt der Jury also nicht mehr. Denn um 15 Uhr wird die Kommission in Eisenach erwartet.

Die meisten Eisenacher sitzen bereits im Gemeindehaus als der kleine schwarze Jury-Bus mit ein paar Minuten Verspätung ankommt. Eisenach ist die letzte der insgesamt zwölf Gemeinden, die von der Kommission im Raum Trier besucht, begutachtet und bewertet werden. „Es in der Eifel bis in den Gebietsentscheid zu schaffen ist nicht so einfach“, sagt Kommissionsleiter Dirk Görgen von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier bei der Begrüßung in Eisenach. Schließlich gebe es im Eifelkreis sehr viele gute Dörfer, sodass die Konkurrenz recht groß sei. Eisenach hat sich dieser Herausforderung gestellt und war dabei bislang recht erfolgreich: Beim Kreisentscheid in der Hauptklasse hat das 370-Einwohner Dorf den ersten Platz belegt und sich dadurch gemeinsam mit den Zweit- und Drittplatzierten (Bettingen und Nasingen) für den Gebietswettbewerb qualifiziert. Nun wollen die Eisenacher in den Landesentscheid.

Für Moritz Petry, Bürgermeister der VG Südeifel, ist das die zweite Dorfbegehung, an der er an diesem Tag teilnimmt.

Am Morgen war er bereits in Nasingen, wo mehr als die Hälfte der Einwohner die Jury durch das Dorf begleitet hätten, wie Moritz erzählt. Das sei schon beeindruckend gewesen, sagt er. In Eisenach wird diese Quote zwar nicht erreicht, hoch ist die Beteiligung aber dennoch. Knapp 30 Bürger sind beim Rundgang dabei.

Vom Dorfgemeinschaftshaus geht es zur Kirche und von dort zum Feuerwehrgerätehaus. Dort wartet schon das neue Einsatzfahrzeug, das die Eisenacher Wehr komplett in Eigenleistung umgebaut hat. Die Kommission ist beeindruckt und marschiert dann weiter in Richtung Ortsausgang, um einen Blick auf das Neubaugebiet zu werfen.

Zuvor aber erst noch ein Kurzbesuch im privaten Heimatmuseum von Werner Weber. Das war so nicht geplant, interessiert die Jury aber. Webers Museum liegt im Dach­geschoss seines Wohnhauses. Es sind nicht die ersten Privaträume, durch die die Kommission an diesem Tag schreitet. Webers Ehefrau nimmt es gelassen. Freundlich begrüßt sie die Kommission, die an ihr vorbeizieht, im Dachgeschoss verschwindet und wenige Minuten später wieder herunterkommt.

„Ich hoffe, Sie schimpfen jetzt nicht mit ihrem Mann“, sagt ein Mitglied der Jury beim Herausgehen. Und dann ist der Besuch auch schon wieder weg. Die Kommission muss weiter. Unbedingt. Sie hinkt der Zeit schon wieder hinterher.

Während die anderen durchs Dorf marschieren wird ein Jury-Mitglied, das für den Bereich Landschaft zuständig ist, von einigen Eisenachern rund ums Dorf gefahren. Zuvor aber muss erst noch der Traktor angekurbelt werden.
Während die anderen durchs Dorf marschieren wird ein Jury-Mitglied, das für den Bereich Landschaft zuständig ist, von einigen Eisenachern rund ums Dorf gefahren. Zuvor aber muss erst noch der Traktor angekurbelt werden. FOTO: Uwe Hentschel
Mit dem Planwagen fahren die Jury-Mitglieder und die Vertreter von Gemeinde, VG und Kreis durch Bettingen.
Mit dem Planwagen fahren die Jury-Mitglieder und die Vertreter von Gemeinde, VG und Kreis durch Bettingen. FOTO: Uwe Hentschel