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Der Gaytalpark ist ab heute Geschichte

Körperich. Eine Pilgerstätte für Touristen sollte es werden, doch die Besucher blieben aus, und die Einrichtung entwickelte sich zum finanziellen Flop. Gut 15 Jahre nach seiner Eröffnung stellt der Gaytalpark in Körperich-Obersgegen zum 1. Juli seinen Betrieb ein. Die Immobilie soll nun möglichst schnell verkauft werden. Nina Ebner

Körperich. "Ein Magnet für die Region und darüber hinaus", "ein Besucher- und Informationszentrum mit Modellcharakter für viele andere deutsche Schutzgebiete" und "ein dezentrales Innovationsprojekt". Die Verantwortlichen überschlugen sich förmlich mit ihren Begeisterungsbekundungen, als der Gaytalpark vor 15 Jahren im Juni 1996 in Körperich-Obersgegen seine Pforten öffnete. Jung und Alt sollten hier spielerisch eine Menge über die Landschaft in der Eifel und im deutsch-luxemburgischen Naturpark sowie über das Zusammenspiel von Natur und Technik erfahren.
Euphorisch wurde mit rund 45 000 Besuchern im Jahr gerechnet. Das knapp vier Millionen Euro teure Umweltbildungszentrum sollte in der strukturschwachen Region zum Anziehungspunkt für Touristen, ja sogar zum "Pilgerort für die Freunde regenerativer Energien" werden. Doch die Ernüchterung folgte bereit fünf Monate nach der Eröffnung: Deutlich geringere Einnahmen aufgrund deutlich niedrigerer Besucherzahlen als ursprünglich kalkuliert brachten ein Minus im laufenden Geschäft von 130.000 Mark.
Es sollte nicht das letzte Defizit bleiben in der Geschichte des Gaytalparks - wie auch die Besucherzahlen nie die erhoffte Marke von 45 000 erreichten, sondern sich meist zwischen 10 000 bis 15 000 Gästen bewegten.
Was mit so viel Enthusiasmus startete, wird nun umso leiser abgewickelt: Ab dem heutigen Freitag ist das Umwelterlebniszentrum geschlossen, der Gaytalpark stellt den Saisonbetrieb ein. Lautstarke Proteste gegen das Aus oder Sympathiebekundungen zum Erhalt der Bildungseinrichtung gab es seit Bekanntgabe dieses Schrittes allerdings nicht - ein Umstand, der Jens Bramenkamp nicht weiter verwundert. "Die Leute aus der Umgebung haben das Zentrum nie so richtig angenommen, da war immer ein Misstrauen gegen den Bau an sich und gleichzeitig die Zurückhaltung, was man da oben eigentlich soll", sagt der scheidende Gaytalpark-Geschäftsführer, der mit seiner Kündigung die Einstellung des Betriebs zu diesem Zeitpunkt erst herbeiführt hatte: Da ohne den Leiter der Umweltbildungseinrichtung die Organisation des Jahresprogramms nicht mehr sichergestellt werden kann, hatte der Träger der Einrichtung, der Zweckverband Gaytalpark bestehend aus Vertretern der Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg, dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Ortsgemeinde Körperich, die Einstellung des Saisonbetriebs zum 1. Juli beschlossen (der TV berichtete). Der Kündigung Bramenkamps vorausgegangen war Anfang des Jahres die Ankündigung des Zweckverbands, sich Ende 2011 aus Kostengründen aufzulösen - e Mitglieder mussten zuletzt jährlich mehr als 190 000 Euro an den Zweckverband entrichten. Nun kommt das Aus ein halbes Jahr früher, auch wenn der Träger der Einrichtung - zumindest noch - weiter existiert.
Für die heute Verantwortlichen, allen voran Norbert Schneider, Bürgermeister der VG Neuerburg und damit zugleich Vorsitzender des Zweckverbands, geht es nun vor allen Dingen darum, eine Lösung für das Informationszentrum zu finden. Wenn möglich, soll die Immobilie an einen privaten Investor verkauft werden.
"Wir haben schon einige Gespräche geführt", bestätigt Schneider auf TV-Anfrage. Allerdings werde es wohl mindestens bis zum Herbst dauern, bis man wisse, wo die Reise hingehe. Laut Schneider plant einer der Interessenten, das Haus als Beratungszentrum weiterzuführen. Möglicherweise lässt sich dann auch die Allianz Umweltstiftung erweichen, die den Bau des Info-Zentrums 1996 mit über einer Million Euro gesponsert hatte: Diese hatte bislang lediglich angekündigt, die gezahlten Fördergelder dann nicht zurückzuverlangen, solange das Objekt nicht an einen Privaten verkauft wird.Meinung

Die Devise: Aus den Fehlern lernen!
Ein bekanntes Sprichwort besagt, dass man hinterher immer schlauer ist. Aus heutiger Sicht wundert es schon, dass vor mehr als 15 Jahren, als der Gaytalpark geplant wurde, kaum einer öffentlich Bedenken gegen die Errichtung des Umwelterlebniszentrums äußerte. Und Bedenken, die hätten sich - zumindest im Nachhinein betrachtet - doch eigentlich aufdrängen müssen: Sei es wegen der schlechten Lage und Verkehrsanbindung der Einrichtung, die nicht gerade auf hohe Besucherzahlen schließen lässt. Sei es wegen der Millionen, die in einen futuristischen Bau gesteckt wurden, der so gar nicht in die Landschaft in Körperich-Obersgegen passen mag. Und es hätte gerade auch deswegen Bedenken geben müssen, weil mit dem Eifelkreis, der VG Neuerburg und der Ortsgemeinde Körperich drei nicht gerade finanzstarke Verantwortliche hinter dem Millionen-Projekt standen, die sich ein Fass ohne Boden erst recht nicht leisten konnten. Heute würde keine Kommunalaufsicht mehr ihre Zustimmung zu einem solchen Vorhaben geben. Es bleibt also nur zu hoffen, dass sich noch ein anderes Sprichwort bewahrheitet. Es lautet: Aus Fehlern wird man klug. n.ebner@volksfreund.de