| 13:34 Uhr

Natur
Der Kormoran: Symbolvogel und Plage

 Der Kormoran-Krieg, Rainer Nahrendorf, 120 Seiten, 9,99 Euro, Verlag Tredition, E-Mail: s.nahrendorf@t-online.de
Der Kormoran-Krieg, Rainer Nahrendorf, 120 Seiten, 9,99 Euro, Verlag Tredition, E-Mail: s.nahrendorf@t-online.de FOTO: Frank Schulenburg
Bitburg-Prüm. Rainer Nahrendorf, ehemaliger Chefredakteur des Handelsblattes und Wahleifeler, wagt sich mit seinem Naturbuch „Der Kormoran-Krieg“ zwischen die Fronten von Naturschützern und Anglern.

Kein Vogel erregt Angler, Teichwirte und Berufsfischer auf der einen Seite und Natur- und Artenschützer auf der anderen so sehr wie der Kormoran. Für die einen ist er ein Hasstier, die schwarze Pest, eine Plage, für die anderen der Vogel des Jahre 2010, ein Sündenbock und Symbolvogel für einen erfolgreichen  Artenschutz. Der Autor Rainer Nahrendorf ist ein naturbegeisterter Fliegenfischer und Vogelfreund. Er begibt sich zwischen die Fronten von Naturschützern und Berufs- und Hobbyfischern, wagt einen Vermittlungsversuch. Die hohen Zahlen und der Fraßdruck des Kormorans führen zu schweren wirtschaftlichen Schäden in Teichwirtschaften und gefährden Fischarten wie die Äsche in Fließgewässern. Um die Schäden zu begrenzen, wird in fast allen Bundesländern ausnahmsweise die tödliche Vergrämung der Vögel erlaubt. Die Folge: 19 000 in der Jagdsaison 2016/2017 geschossene Kormorane allein in Deutschland und 80 000 in Kerneuropa – zu viele nach Meinung des ehemaligen Chefredakteurs des Handelsblatts.

Abschüsse sollten die Ultima Ratio sein und auf Fälle begrenzt werden, in denen ein großer wirtschaftlicher Schaden zweifelsfrei nachgewiesen wird oder der Bestand einer Art in einem Gewässer bedroht ist. Sie entlasten die Gewässer nur für kurze Zeit, bis zugeflogene Kormorane die Lücken wieder füllen.

Ein gesamteuropäisches Kormoranmanagement mit einer Reduzierung der Kormoran-Bestandszahlen hält der Autor für eine Illusion, politisch und gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Die Brutdynamik der Kormorane würde zur Wiederholung von Verfolgungsaktionen führen, die in weiten Teilen der Bevölkerung Empörung auslösen würden.

Der Autor plädiert für eine verstärkte Entwicklung und Förderung nichttödlicher Schutzmaßnahmen sowie Runde Tische zur Schaffung lokaler Friedensschlüsse. Er macht Vorschläge, wie sich das hohe Naturbewusstsein in Deutschland für den Artenschutz über und unter Wasser nutzen ließe.

Das Buch ist multimedial angelegt. QR-Codes und Weblinks führen zu Videos und Webcams. Sie veranschaulichen den Konflikt.

Rheinland-Pfalz ist im bundesweiten Vergleich zwar eher ein Nebenschauplatz des Kormoran-Krieges.

Aber auch in Rheinland-Pfalz schweigen die Waffen nicht. In der Jagdsaison 2016/17 wurden landesweit 901 Kormorane getötet.