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Der Mann mit den vielen Talenten

Friedel Mommer wie er leibt und lebt: Mit dem Starten seines Lanz-Bulldogs zeigt er nur einen Teil seiner Fähigkeiten, die ihn an der Oberen Kyll auszeichnen.Foto: Gabi Vogelsberg
Friedel Mommer wie er leibt und lebt: Mit dem Starten seines Lanz-Bulldogs zeigt er nur einen Teil seiner Fähigkeiten, die ihn an der Oberen Kyll auszeichnen.Foto: Gabi Vogelsberg
JÜNKERATH. Ratespiel: Auffälliger Bart, loses Mundwerk und unverwechselbare Tenorstimme. Wer ist das? Die Antwort kann an der Oberen Kyll nur Friedel Mommer heißen. Der Frisör, der seinen Arbeitsplatz als Nachrichten-Schaltzentrale bezeichnet, tanzt auf vielen Hochzeiten. ARRAY(0x1eed82f30)

Auch der Titel "bunter Hund" lässt der 59-Jährige gelten. Bezeichnet der Eifeler damit ja gemeinhin einen Menschen mit vielen Gesichtern und mit mehreren Talenten. Und diese Liste kann sich bei Friedel Mommer sehen lassen: Frisör mit Leidenschaft seit 45 Jahren, Entertainer, Erster Tenor seit 35 Jahren beim bekannten Trio "De Mösche" und seit der Gründung vor zehn Jahren beim renommierten Collegium vocale. Daneben noch Bastler an alten Bulldogs und neuen Motorrädern. "Im Salon bin ich nicht nur Frisör, sondern auch Entertainer, um die Wartezeiten für die Kunden so amüsant wie möglich zu gestalten", meint Mommer. Klar sei, dass dabei auch viel geredet und Neuigkeiten ausgetauscht würden. "Das meiste darf man nicht glauben, und das Allerneueste ist fast immer gelogen", weiß er aus Erfahrung. Mommer hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen, und das zieht jedes Jahr Tausende von Kunden in den Salon an der Kölner Straße. Mommer bedient Junge wie Alte gleichermaßen. Er beschreibt die Devise seines Traumjobs: "Niemals Nein sagen, egal wie verrückt der Auftrag ist. Alles, was rasierbar ist, wird gemacht und möglichst noch mit eigenen Ideen ergänzt." Spontan fällt dem kreativen Figaro ein Junggeselle aus Glaadt ein, der zur Maikirmes das Vereinsemblem am Hinterkopf tragen wollte. Gesagt, getan. Weder im Salon, noch auf der Bühne oder im Privaten nimmt Mommer ein Blatt vor den Mund. Dafür ist er bekannt, manchmal recht mutig. "Ich rede keinem nach dem Mund, aber an die Gurgel ist mir noch niemand gegangen", zieht der Mann ohne Parteibuch Bilanz. "Sehr viel Herzblut" investiert er für "De 3 Mösche". Das Trio sei eine Rarität, da es fast nur Parodie bieten würde, die viel Zeit koste und wenig Geld bringe. Am liebsten persiflieren die "Mösche" über Frauen, Ausflüge von Kegelclubs oder Schönheitsoperationen."Ich singe einfach alles"

Mommer kommt bei den Auftritten immer mit der großen Papier-Sonnenblume daher, in deren Blütenmitte der Spickzettel klebt. Mit Witzen peppt das Multitalent Mommer als Conférencier die Darbietungen auf. Damit ist das Eifeler Trio weit über die Grenzen hinaus bekannt. Die 1800 Gäste auf den Rheinterrassen in Düsseldorf lachen über den gleichen Witz wie die Jünkerather. Die Pflege des deutschen Liedguts liegt ihm am Herzen. Beispiele sind seine Lieblingslieder: "Soldat am Wolgastrand" oder "In einem kühlen Grunde". Das Repertoire des Vokalensembles umfasst allerdings auch englische, spanische, französische oder schwedische Titel. "Ich singe alles, weiß nur nicht immer, was es heißt", verrät Mommer lachend. Lange, bevor sein Lachen zu hören ist, beginnt der Schalk in seinen Augen zu blitzen. Und die bekommen einen besonderen Glanz, wenn er vor seinem Bulldog steht. Eine Scheune wurde zur Werkstatt umfunktioniert, und darin werkelt er stundenlang. Zum 50. Geburtstag hat er sich den Kindheitstraum erfüllt und einen Lanz, Baujahr 1940, gekauft. "Nur ein Lanz ist ein Bulldog, alles andere sind Trecker", erklärt der Kenner. Mit einem Eicher, Baujahr 1951, besitzt er aber auch einen Trecker. "Da ist mir kein Sonntag zu schade, um im Ölschlamm zu wühlen", erzählt der Bastler und greift zum Feuerzeug, um den alten Lanz zu starten.