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Der Müll bleibt - ein Dorf sieht gelb

Der Malberger Müll liegt jetzt am Sportplatz auf Halde. Foto: Privat
Der Malberger Müll liegt jetzt am Sportplatz auf Halde. Foto: Privat
Malberg. Müllposse in Malberg: Da die Firma Remondis seit Wochen die Gelben Säcke nicht abgeholt hat, nahm sich jetzt Bürgermeister Wolfgang Rütz des Problems an und ließ den Abfall von Gemeindemitarbeitern einsammeln. Eileen Blädel

Malberg. Die Malberger (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sehen gelb: Seit Wochen lagern ihre Müllsäcke mit Kunst- und anderen Wertstoffen vor der Haustür. Diese einzusammeln ist eigentlich Aufgabe der Firma Remondis. Doch die beruft sich auf die angeblich schlechte Schneeräumung im Ort: Da komme man mit den Fahrzeugen nicht durch.
Nachdem der Abholtermin Ende Dezember verstrichen war, haben sich die Bürger darauf verlassen, dass der Müll im Januar wegkomme: "Ist uns ja auch nichts anderes übrig geblieben", sagt Anwohner Udo Harig. Am Montag wurden dann zwar die Papiertonnen geleert, doch die Gelben Säcke blieben liegen. Harig ist verärgert: "Andere hatten kein Problem." Und am Montag habe ja auch nur "Schneematsch" auf den Straßen gelegen.
Mit dem Traktor zum Sportplatz


Harig ruft bei den Verwaltungen und bei Remondis an - und ärgert sich noch mehr: über das "unkooperative Verhalten der Firma". Dem Kreis habe er gesagt: "Wir kommen und laden die Säcke bei euch ab - das haben die für keine gute Idee gehalten." Denselben Vorschlag habe er auch Remondis gemacht: Die Firma habe zugestimmt - gegen eine "geringe Gebühr" sei das möglich. "Das geht ja gar nicht", sagt Harig.
In der Zwischenzeit steht Bürgermeister Wolfgang Rütz auf dem Plan: Bei ihm habe alle zehn Minuten ein verärgerter Bürger angerufen, erzählt er. Und dann greift er selbst zum Hörer und wählt die Nummer von Remondis: "Die waren so ,einsichtig\', dass sie doch tatsächlich gemeint haben, die Säcke könnten noch weitere vier Wochen da liegen."
Und sie selbst zu Remondis bringen und noch mal was draufzahlen? "Die Leute bezahlen das doch sowieso schon. Nein, so nicht, hab ich gesagt", sagt Rütz entschieden.
Aber das Problem sei nicht nur, dass der Müll die Bürgersteige blockiert, bei stärkerem Wind mal eben über die Straße gepustet wird, vom Marder angefressen wird und Ungeziefer anlocken könnte. "In zwei Wochen haben wir Karnevalsumzug. Entweder ich sag\' den ab oder ich werd die Säcke los", sagt Rütz. Gesagt, getan: Er beauftragt zwei Gemeindemitarbeiter, die mit Traktor und Hänger die Gelben Säcke einsammeln und zum Sportplatz bringen. Und dort liegen sie jetzt immer noch - etwa 300 Stück.
Das Vorgehen des Gemeindechefs findet Harig klasse: "Der sieht ein Problem und tut etwas dagegen." Auf den Kosten, die Rütz "realistisch gerechnet auf 300 bis 400 Euro" beziffert, will er aber nicht sitzen bleiben: Die stelle er dem Kreis nun in Rechnung, kündigt er an. Auch in Malbergweich und in Mohrweiler seien die Säcke liegen geblieben, sagt Rütz. Für die Gelben Säcke ist der Kreis nicht zuständig, sondern das Duale System Deutschland. Beauftragt mit der Abholung ist Remondis. Auch was die Leerung der Papiertonnen angeht - für die wiederum der Kreis die Verantwortung trägt. Auch da sei eine Abfuhr wetterbedingt teils nicht möglich gewesen, sagt Heike Linden, Sprecherin der Kreisverwaltung. Und weil der Kreis nicht für die Gelben Säcke zuständig sei, sehe er auch keine Möglichkeit, die jetzt enstandenen Kosten zu übernehmen. Remondis Bitburg will zu dem Vorfall keine Stellung beziehen. Stattdessen verweist man auf die zentrale Pressestelle, die ihren Sitz in Lünen in Westfalen hat. Doch bis Redaktionsschluss kommt von dort keine verwertbare Aussage. "Jeder hat Verständnis, wenn mal nicht alles nach Fahrplan läuft, ein Fahrzeug ausfällt oder ein Termin falsch angekündigt wird", sagt Harig. "Aber jetzt hatte man doch das Gefühl, die Firma spielt auf Zeit. Die hätten einen Ersatztermin anbieten sollen."
Und Rütz, der selbst 20 Jahre lang LKW gefahren ist, fügt hinzu: "Die wollen uns weismachen, die Straßen seien nicht geräumt gewesen. Wir hatten schon schlimmere Winter. Das ist eine Ausrede." Zuletzt habe, sagt Rütz, Remondis zumindest angekündigt, dass die Gelben Säcke abgeholt werden sollen. "Ich bin gespannt."