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Geschichte
Der neue Fund bewahrt sein Geheimnis

Bitburg . Bei den Bauarbeiten in der Hauptstraße ist nun nach der Entdeckung der Turmreste ein Brunnen freigelegt worden. Eine Datierung ist aber zu schwierig. Die Archäologen gehen von einem neuzeitlichen Bauwerk aus. Von Maria Adrian
Maria Adrian

Möglich schien zunächst alles. Der bei den Bauarbeiten in der Bitburger Fußgängerzone freigelegte Brunnen in sechs Metern Tiefe besteht aus einem Trockenmauerwerk. Die Steine sind also ohne Mörtel aufeinandergeschichtet. Und diese Bauweise gab es schon in der Römerzeit und natürlich auch im Mittelalter, wie Stephanie E. Metz von der Archäologischen Denkmalpflege im Anblick des Fundortes erklärt.

Aber auch in der Neuzeit wurde ohne Mörtel gebaut. „Wir gehen auch davon aus, dass es sich um einen neuzeitlichen Brunnen handelt“, sagt die Archäologin mit hörbarem Bedauern. Dennoch bleibt der Fund interessant. „Die Neuzeit beginnt in der Archäologie ab dem 15. Jahrhundert“, ergänzt Ferdinand Heimerl, der sich in seiner Doktorarbeit mit dem spätrömischen Beda befasst.

Aber um ganz sicher sagen zu können, aus welcher Epoche der Brunnen stammt, müsste er bis zur Sohle ausgegraben werden. „Wenn wir dann Holzkohlereste oder zum Beispiel eine Münze finden würden, könnte wir den Zeitraum eingrenzen“, erklärt Stephanie E. Metz weiter.

Dann hätten die Wissenschaftler ihren „Terminus post quem“, wie sie das nennen. Das ist der Zeitpunkt, nach dem etwas passiert sein kann. Eine Münze kann zum Beispiel natürlich erst nach dem Prägedatum in die Erde gelangt sein. Das ist eine verwertbare Datierungshilfe.

Die gibt es aber im Fall des Brunnens nun gar nicht. Und es kommen noch weitere Schwierigkeiten hinzu. Wie die Gebietsreferentin weiter berichtet, wurden Brunnen in früheren Zeiten häufig dazu benutzt, um Dinge oder auch Leichen zu entsorgen. Das geschah häufig in den Pestjahren. Nach Kriegen wurden auch Waffen in Brunnen entsorgt. Das sind für Archäologen ebenso wie für Bauarbeiter gefährliche Situationen. Das aber nur als Beispiel. Es gibt diesbezüglich keine Verdachtsmomente in der Bitburger Hauptstraße.

Zudem wäre für die Freilegung des Brunnens auch aus Sicherheitsgründen eine Verschalung nötig, damit das Erdreich nicht in Bewegung gerät.

„Und wir können Bitburg schließlich nicht fünf Monate lahmlegen“, sagt Stephanie Metz. Die Bauarbeiten müssten vorangehen, und man habe bislang sehr gut mit der Baufirma zusammengearbeitet, betont die Wissenschaftlerin. Das soll auch so bleiben. Und Ferdinand Heimerl ergänzt: „Wir haben weder das Personal, noch das Equipment noch die finanziellen Mittel dazu“, macht er deutlich. Bei allem Bedauern darüber, dass nun kein römischer oder mittelalterlicher Brunnen gefunden wurde, für die beiden Archäologen ist eins wichtiger: Dass das Denkmal, also der Brunnen, in seinem natürlichen Milieu erhalten bleibt, das stehe für sie an erster Stelle, so Metz.

Ferdinand Heimerl denkt auch schon an die Nachwelt, die eines Tages vielleicht bessere Möglichkeiten habe, den Brunnen zu untersuchen und zu datieren, wie er sagt.

Der Befund ist nun vermessen und wissenschaftlich dokumentiert, und ein Bericht darüber wird in der Trierer Zeitschrift des Landesmuseums veröffentlicht. Mittlerweile ist der Brunen mit einem Schachtring aus Beton geschlossen und mit einem  Kanaldeckel versehen.

Für die Archäologen geht die Arbeit natürlich weiter. Heimerl wirkt mit am Archäologischen Rundweg Römisches Bitburg. So werden demnächst Infotafeln auch auf den Fund der Turmreste in der Hauptstraße in Höhe des kroatischen Restaurants Zagreb hinweisen (der TV berichtete). Der neuzeitliche Brunnen passt da nicht ins Konzept, daher gibt es auch keine Hinweistafel.  „Vielleicht könnte man im Rahmen einer Stadtführung auf den Brunnen hinweisen“, schlägt Ralf Mayeres, vom Tiebauamt vor.

Die beiden Wissenschaftler sind jedenfalls gespannt auf die weiteren  Bauarbeiten am Petersplatz.  „Das wird ein heißes Eisen mit der ehemaligen Peterskirche“, sagt Heimerl hoffnungsfroh. Die Peterskirche wurde nach seinen Kenntnissen 1914 abgerissen. Und es gab eine Vorgängerkirche, die aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammen soll. Und das könnte neue Erkenntnisse über die frühmittelalterliche Geschichte Bitburgs ergeben, ist er sich sicher. Es bleibt also  weiterhin spannnend in der Bitburger Innenstadt. Und gespannt sind  nicht nur die Archäologen, sondern auch die vielen interessierten Bürger. „Wir freuen uns sehr über dieses Interesse der Leute in Bitburg und das positive Feedback für unser  Tun“, sagt  Metz. Und Heimerle ergänzt auch in bezug auf den tourismus: „Dass sich Menschen für Archäologie und Geschichte interressieren, ist der Grund, warum wir überhaupt arbeiten können.“