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Der Ofen ist aus

Die Abrissarbeiten an der alten Töpferei in Speicher haben begonnen. TV-Foto: Lydia Vasiliou
Die Abrissarbeiten an der alten Töpferei in Speicher haben begonnen. TV-Foto: Lydia Vasiliou
Nun qualmt es nie mehr. Die historische Töpferei in Speicher fällt dem Abrissbagger zum Opfer. Vor zwei Tagen haben die Vorarbeiten zum endgültigen Aus des denkmalgeschützten Brennofens begonnen. Von unserer Mitarbeiterin Lydia Vasiliou

Speicher. Empörte Anrufer in der Redaktion des Trierischen Volksfreunds: Man sei gerade dabei, die alte Töpferei in Speicher abzureißen. "Den letzten Ofen abzureißen ist schon hart", sagt Rudolf Mayer aus Speicher. Ein Zeugnis jahrzehntelanger Tradition werde vernichtet. Über ein Gebäude, das den Namen "Töpferort" prägte, "hätte man sich im Vorfeld mehr Gedanken machen und versuchen müssen, das zu verhindern", fordert Mayer.Haus sollte nicht in falsche Hände geraten

Noch vor sechs Jahren sah die Zukunft des alten Töpferofens in der Katzstraße in Speicher anders aus: Die Gemeinde ersteigerte das Gebäude mit den angrenzenden Häusern, damit das Haus nicht in falsche Hände gerate, sagte damals VG-Bürgermeister Rudolf Becker. Noch vor der Versteigerung hatte die Gemeinde den zweistöckigen Ofen mit dem oberhalb angegliederten Schutzbau unter Denkmalschutz stellen lassen. Ziel: der Ofen, in dem nach alter Technik gebrannt wurde, bleibt erhalten, und andere Investoren, die das Gebäude abreißen wollten, werden abgeschreckt.Aber ein Betreiber, der den Ofen regelmäßig feuert, um ihn instand zu halten, konnte nicht gefunden werden. "Der Ofen wurde seit Jahren nicht mehr bebrannt", erklärt Edmund Weimann, Bauamtsleiter bei der Verbandsgemeindeverwaltung Speicher. Außerdem habe nicht das Gebäude, sondern nur das Verfahren unter Denkmalschutz gestanden. "Ein Erhalt oder eine Sanierung hätten rund 130 000 Euro gekostet", sagt Weimann. "Förderungen oder Zuschüsse gibt es in diesem Fall nicht", erklärt der Bauamtsleiter. Eine küzlich anberaumte Ortsbesichtigung mit Denkmalpfleger und Statiker der Unteren Bauaufsichtsbehörde bei der Kreisverwaltung Bitburg habe ergeben, dass Verfall und statische Probleme auffallend zugenommen hätten. Am 4. Januar hat dann die Kreisverwaltung angeordnet, die baufällige Anlage aufgrund des desolaten Zustands abzureißen. Zudem sei festgestellt worden, dass der Ofen nicht mehr betriebsfähig ist. In einer beschränkten Ausschreibung, die schneller funktioniert als eine normale Ausschreibung, habe man der günstigsten Firma den Auftrag zum Abriss erteilt. "Es war Gefahr im Verzug", betont Weimann, "Dachpfannen und Teile des Gebäudes haben sich bereits gelöst". Und aufgrund der Sturmwarnung fürs Wochenende haben die Beigeordneten und Ortsbürgermeister Erhard Hirschberg eine Eilentscheidung zum sofortigen Abriss erlassen.Zum Leidwesen auch des Heimatliebhabers Werner Streit: "Mit dem Abriss geht ein Stück Speicher verloren". Aber er weiß auch, dass die Landesregierung kein Geld gibt. "Es ist bedauerlich, aber man muss das realistisch sehen", sagt Raimund Biwer, Vorsitzender der SPD Speicher, "die Sanierung ist zu kostenintensiv, und es gab auch keine Firma, die dort hätte brennen wollen."