| 16:25 Uhr

Verkehr
Eine Fahrt unter Strom

 Lohnt es sich, in der Eifel ein E-Auto zu fahren? Der TV hat es ausprobiert und ist mit einem Renault Zoe durch den Kreis gefahren.
Lohnt es sich, in der Eifel ein E-Auto zu fahren? Der TV hat es ausprobiert und ist mit einem Renault Zoe durch den Kreis gefahren. FOTO: TV / Christian Thome
Bitburg/Daun/Gerolstein/Prüm . Lohnt es sich, in der Eifel ein E-Auto zu fahren? Oder sind die Strecken zu weit und die Gefahr liegenzubleiben zu groß? Ein Selbstversuch. Von Christian Thome

Die Leute schauen mich komisch an. So, als säße ich in einem Raumschiff. Dabei ist es doch nur ein Auto, an dem sie vorbeigehen. Lediglich das „E“ auf dem Nummernschild unterscheidet es von anderen Fahrzeugen. Auch für mich ist es komisch, denn ich habe nie zuvor in einem Elektroauto gesessen. Ich und „mein“ Renault Zoe, den ich mir bei der Firma innogy geliehen habe, haben heute Großes vor. Wir wollen schauen, wie tauglich die Elektromobilität für die Eifel ist. Gibt es genügend Ladesäulen? Wie weit kommen wir im weitläufigen Gebiet? Bleiben wir irgendwann liegen?

Unsere Reise beginnt in Bitburg. „Ist der schon an?“, frage ich innogy-Mitarbeiterin Rosita Klein, die mir das Auto erklärt. „Aber natürlich“, sagt sie. „Sie hören ihn nur nicht.“ Tatsächlich ist die Stille beim Losfahren vollkommen ungewohnt. Ich bin eigentlich Diesel-Fahrer, für mich gehört das Motorengeräusch dazu. Der Zoe ist vollgeladen. Wie weit kommt er in diesem Zustand? Auf der Internetseite des französischen Herstellers kann ich das berechnen. Bei einer Temperatur von Null Grad Celsius, einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern und laufender Heizung nennt Renault mir eine Reichweite von 249 Kilometern. Angezeigt werden mir beim Start 160 Kilometer.  „Das liegt an der Kälte, das steigt noch“, sagt Rosita Klein. Ich mache mich auf die Reise gen Daun. Ich bin unterbewusst vorsichtig. Ich traue dem Braten nicht, habe bei jedem Dreh an der Heizung Angst, dass das Auswirkungen auf die Reichweite hat. Und das hat es, deswegen verzichte ich auf den Luxus Sitzheizung. Mein erstes Ziel ist eine Ladesäule in Daun. 43 Kilometer. Um besonders weit zu kommen schalte ich in den Eco-Modus. Dieser erlaubt mit lediglich 90 Stundenkilometer zu fahren und spart dadurch Energie. Die Reichweitenanzeige bleibt konstant. Wie die Blicke der Menschen, an denen ich in den Gemeinden lautlos vorbeihusche. Warum schauen die so? Ist es elektrisches Auto eine solche Rarität?

Klare Antwort: In der Eifel schon. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes waren am 1.1.2018 gerade einmal 58 E-Autos im Eifelkreis Bitburg-Prüm angemeldet. Bei insgesamt 63 582 Autos macht das lediglich 0,09 Prozent aus. 2018 stieg die Zahl immerhin auf 87 Fahrzeuge. Im Kreis Vulkaneifel bestätigen sich diese Zahlen: Dort sind es 23 E-Autos bei 39 930 Fahrzeugen und 0,06 Prozent. Die Tendenz ist steigend.

Ich öffne das Fenster.  Und tatsächlich, ich höre etwas. Das Auto fiepst leicht, es klingt mehr nach Flugzeug als nach Auto. Dieser nicht vorhandene Lärm beginnt mir zu gefallen. Ich vermisse das Motorengeräusch nicht mehr. Dann erreiche ich Daun. „Heilklimatischer Luftkurort – bitte langsam fahren“, steht auf einem Schild. Ich schmunzele. Mit diesem Auto werde ich hier sicherlich niemanden stören. Auch die Ladesäule in der Nähe der Volksbank ist schnell gefunden. Doch ich brauche sie nicht, habe noch 113 Kilometer auf der Uhr. Alles im grünen Bereich, kein exorbitant schnelles Sinken zu erkennen.

Doch dann wird es gefährlich. Auf dem Parkplatz eines Lebensmittelgeschäftes weichen mir die Menschen nicht aus. Der Grund ist einfach: Sie bemerken mich nicht. Das E-Auto fährt beinahe lautlos. Es ist besondere Obacht gefragt. Die elektrische Eifel-Reise führt mich nun weiter in Richtung Prüm. In Gerolstein sinkt die Reichweitenanzeige in den zweistelligen Bereich. Ich bleibe dem Eco-Modus treu, denn auf den meisten Straßen kann man sowieso nicht schneller als 90 fahren. Ich halte in Pelm, es interessiert mich, wo sich die nächste Ladesäule befindet. Dies sagt mir der Bordcomputer, er zeigt mir alle Säulen in der Umgebung an. Die nächste befindet sich in Hillesheim, knapp fünf Kilometer entfernt. Auf dem Weg nach Prüm fahre ich an zwei Autos vorbei, die auf einem Parkplatz halten. Es scheint, als habe einer dem anderen einen kleinen Kanister Benzin gebracht. „Das kann mir nicht passieren“, denke ich. Doch ist das eigentlich gut? Denn wenn ich liegenbleiben würde, dann  könnte mir niemand einfach so einen Kanister Strom bringen. Das wäre zwar peinlich, doch kein Problem. Denn Renault garantiert: „Falls Ihnen doch mal die Energie ausgeht, kommen wir und bringen Sie zu einer Ladestation Ihrer Wahl innerhalb eines bestimmten Radius’.“ Dies sei über den Batteriemietvertrag abgesichert und dementsprechend kostenlos. Dennoch drehe ich die Heizung herunter, die Angst vor dem Liegenbleiben überwiegt.

Auch in Gerolstein muss ich ob des Luftkurort-Schildes wieder schmunzeln. In Prüm angekommen suche ich eine Ladesäule. Diese ist schnell gefunden, wird von mir jedoch nicht benötigt. 83 Kilometer habe ich noch auf der Anzeige, lediglich 35 sind es bis zurück nach Bitburg. An mir braust ein tiefergelegter BMW vorbei, sein Motor heult laut auf. Kurz vermisse ich das Geräusch meines Motors, doch dann denke ich an meinen positiven Beitrag für die Umwelt. Wieder schaue ich interessehalber, wo sich Ladesäulen befinden.

In Arzfeld gibt es eine, doch ich möchte nicht aufladen. Deswegen suche ich den direkten Weg nach Bitburg, den mein Akku auf jeden Fall schaffen sollte. Was kostet das Aufladen eines E-Autos eigentlich? Hier unterscheidet innogy. Will man sein Auto „spontan laden“, dann kostet das 39 Cent pro Kilowattstunde. Der Zoe verbraucht grob gesagt zwischen 13 und 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, das macht also zwischen fünf und sieben Euro, je nach Verbrauch. Im Vergleich mit dem Diesel ist das günstiger. Geht man exemplarisch von einem Preis von 1,25 Euro pro Liter und einem Verbrauch von sieben Litern für 100 Kilometer aus, dann macht das 8,75 Euro. Nicht viel günstiger, aber günstiger. Erst als ich auf die Autobahn auffahre, wird mir der 90er-Eco-Modus zu langweilig. Ich schalte ihn aus und schaue, was die 88 PS eines E-Autos leisten können. Und siehe da: Ich sitze in einer kleinen Rakete. Was die Beschleunigung angeht, kann das Auto locker mit Artgenossen anderer Antriebssysteme mithalten. Doch Tempo 122 inklusive Radio, Navigationssystem und Heizung geht auf die Reichweite. Aber ich habe noch ein Polster von einigen Kilometern. Deswegen gebe ich noch mehr Gas. Bei 140 riegelt der Motor ab, mehr geht nicht. Jetzt kann ich sehen, wie schnell die Reichweite sinkt. 71,70,69 Kilometer. Doch es reicht – ich komme mit einer Restreichweite von 20 Kilometern in Bitburg an. Ich schließe das Auto wieder an, dieses braucht bei der schnellen Ladesäule mit 25 Kilowattstunden nun etwa zwei Stunden, bis es vollgeladen ist. Dann kann die nächste Reise starten. Der Zoe und ich sind einmal quer durch die Eifel gekommen, ohne liegenzubleiben.