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Die erste Mühle kratzt an der 200-Meter-Marke: Bislang größtes Windrad des Eifelkreises geht bei Meckel in Betrieb

Meckel. Im Windpark bei Meckel wird derzeit eine neue Anlage errichtet. Mit einer Gesamthöhe von knapp 200 Metern ist das neue Windrad das bislang größte im Eifelkreis. Entsprechend groß ist deshalb auch der Aufwand, den der Aufbau dieser Anlage erfordert. Uwe Hentschel

Wenn sich die Rotoren drehen, ist das gut fürs Geschäft derjenigen, die mit Wind ihr Geld verdienen. Es sei denn, man hat sich für den Vormittag vorgenommen, auf einer Höhe von 141 Metern etwas zu befestigen, das mehr als 60 Tonnen wiegt, einen Durchmesser von knapp 117 Metern hat und damit ungefähr die Fläche eines Fußballfelds abdeckt.

Dann ist Wind nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich. Weshalb in solchen Fällen die Tagesplanung kurzerhand geändert wird.

Der vergangene Donnerstag war so ein Tag. Eigentlich sollte an diesem Tag der "Stern" hochgezogen werden. Genau genommen hätte man das gerne bereits am Mittwochnachmittag getan.

Doch sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag hat das Wetter nicht mitgespielt. Deshalb hat das Team der Firma Nordex, das derzeit im Windpark bei Meckel eine Windkraftanlage errichtet, bis Freitag gewartet. Da nämlich hat das Wetter gepasst.58 Meter lange Rotorblätter


So konnte der Rotor mit den drei daran befestigten Flügeln endlich am Maschinenhaus angedockt werden. Und das recht zügig. In weniger als einer Stunde hatte der rund 150 Meter hohe und 600 Tonnen schwere Kran das Teil genau dort, wo es hingehört. "Wenn das Wetter passt, geht so etwas recht schnell", sagt der zuständige Nordex-Projektleiter Björn Lietz.

Die meiste Arbeit werde im Vorfeld geleistet. Denn um die Schwerlasttransporte mit den bis zu 35 Meter langen Turmelementen und den fast 58 Meter langen Rotorblättern überhaupt bis zum Standort zu bekommen, müssten zunächst die vorhandenen Wirtschaftswege entsprechend ausgebaut werden, erklärt Lietz.

Nun jedoch steht der rund fünf Millionen Euro teure Riese, der vom Fuß bis zur Spitze des Rotorblatts 199 Meter misst. "Die Anlage ist nicht nur die höchste im Kreis, sondern gehört auch zu den ertragreichsten in der gesamten Region", erklärt der zuständige Nordex-Vertriebsleiter Peter Kirsch. An einem Standort wie Meckel sei bei einer solchen Anlage mit einem jährlichen Windertrag von sechs und sieben Millionen Kilowattstunden zu rechnen, was ungefähr dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von bis zu 2000 Vier-Personen-Haushalten entspreche, so Kirsch. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl der Verbandsgemeinde Bitburger Land könnte man demnach also allein mit dieser Anlage mehr als ein Viertel des Strombedarfs decken.

Für die Planung des Projekts zuständig ist die Eifel Energiegesellschaft (EEG) mit Geschäftssitz in Ferschweiler. "Von der Größe her ist die neue Anlage in Meckel sicher gewöhnungsbedürftig", sagt EEG-Geschäftsführer Rolf Koch. Dafür aber sei das Windrad nicht nur deutlich leistungsstärker als die anderen im Umfeld, sondern gleichzeitig auch leiser, sodass die Emissionswerte geringer seien. Koch rechnet damit, dass die Anlage im November ans Netz geht. Betrieben werden soll sie dann von einer eigens gegründeten Gesellschaft, an der sich auch die Projektplaner beteiligen.Extra

Der Windpark bei Meckel, wo die neue Windkraftanlage errichtet wurde, gehört noch zu den Standorten, die im geltenden Raumordnungsplan als Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen sind. Da die Vorranggebiete des Eifelkreises Bitburg-Prüm weitgehend bebaut sind, gleichzeitig aber der Ausbau der Windenergie vorangetrieben werden soll, arbeiten die Verbandsgemeinden derzeit an der Ausweisung neuer Standorte.

Für Einschränkungen sorgen dabei unter anderem das Drehfunkfeuer bei Nattenheim, das der Flugsicherung dient, sowie das Wetterradar bei Neuheilenbach. Um beide Einrichtungen gibt es Schutzzonen, die laut Flugsicherung und Wetterdienst nicht oder nur höhenbeschränkt bebaut werden dürfen.

Was die neue Anlage bei Meckel betrifft, so liegt diese laut Projektentwickler außerhalb der Wetterradar-Schutzzone. Und die Verträglichkeit mit der Luftfahrt werde in einem solchen Fall, erklärt der Planer, durch ein Gutachten nachgewiesen. uhe