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Die Fusion ändert nichts am Problem

Das Wetterradar in Neuheilenbach blockiert die Ausweisung neuer Windkraftflächen im Bitburger Land. TV-Foto: Uwe Hentschel
Das Wetterradar in Neuheilenbach blockiert die Ausweisung neuer Windkraftflächen im Bitburger Land. TV-Foto: Uwe Hentschel
Bitburg/Kyllburg. Durch die im Juli vollzogene Fusion der beiden Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Kyllburg zur neuen VG Bitburger Land ergibt sich an allen Ecken Anpassungsbedarf. Dazu zählen auch die von den Fusionspartnern bereits begonnenen Fortschreibungen der Flächennutzungspläne für den Bereich Windkraft. In seiner jüngsten Sitzung hat der neue Rat einheitliche Kriterien beschlossen. Das größte Problem ist damit aber längst nicht vom Tisch. Uwe Hentschel

Bitburg/Kyllburg. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich irgendjemand schon einmal die Mühe gemacht hat, sämtliche Bauwerke in der Verbandsgemeinde (VG) Bitburger Land zu zählen. In der Summe würde es also kaum auffallen, wenn zwei dieser Bauten einfach so verschwänden.
Es sei denn, es würde sich dabei um das Wetterradar in Neuheilenbach sowie das Drehfunkfeuer bei Nattenheim handeln. Wenn es diese beiden Bauwerke nämlich nicht gäbe, wäre vieles einfacher. Zumindest für die Menschen, denen das Radar des Deutschen Wetterdienstes und das Drehfunkfeuer der Deutschen Flugsicherung ein Dorn im Auge sind. Denn diese Anlagen blockieren in ihren Umkreisen nahezu jedes neue Windkraftvorhaben.
Deutlich wird das am Flächennutzungsplan für den Bereich Windkraft, der aktuell von der VG Bitburger Land fortgeschrieben wird. Damit werden neue Vorrangflächen für Windkraft festgelegt.
Sowohl die damalige VG Bitburg-Land als auch die VG Kyllburg hatten vor ihrer Fusion zur neuen VG Bitburger Land bereits ein Planungsbüro damit beauftragt, geeignete Windkraftstandorte ausfindig zu machen. Und derjenige, der diesen Prozess von Anfang an für die VG Bitburg-Land begleitet hat, ist Reinhold Hierlmeier vom Trierer Fachbüro BGH Plan. Er war kürzlich auch in Malberg bei der Sitzung des VG-Rats Bitburger Land, um zu zeigen, wo nun auf dem Gebiet der neuen VG die geeigneten Flächen liegen. Aber auch, um erneut auf die Einschränkungen durch Drehfunkfeuer und Wetterradar hinzuweisen.Rat klärt Sperrzonen rechtlich ab


Laut Hierlmeier wären im Norden der VG rund 1630 Hektar und im Süden weitere 1120 Hektar als "Verhandlungsmasse" für Windkraft vorhanden. Zusammen wären das etwas mehr als sechs Prozent der VG-Fläche. Weil aber die Flugsicherung im 15-Kilometer-Radius um ihre Anlage keine Windkraftanlage zulassen will und auch der Wetterdienst im Umkreis von fünf Kilometern alles verbietet und bis 15 Kilometer Entfernung eine gestaffelte Höhenbegrenzung für Windkraftanlagen vorgibt, fallen die Flächen im Norden komplett weg. Im südlichen Teil der VG liegt ebenfalls ein Großteil der Fläche in der Verbotszone des Drehfunkfeuers. Des Weiteren sind Schutzabstände zu den geschützten Vogelarten Rotmilan und Schwarzstorch einzuhalten, sodass auch dort nicht mehr viel übrig bleibt. Dennoch sieht Hierlmeier im Süden (Bereich Idenheim) die größten Chancen. "Bei Berücksichtigung aller Restriktionen würden dann immerhin noch zwei Prozent der VG-Fläche zur Verfügung stehen", so der Planer.
Doch auch wenn Flugsicherung und Wetterdienst auf ihre Abstandszonen beharren, heißt das längst nicht, dass diese auch akzeptiert werden. So hat sich der Rat bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplans unter anderem darauf verständigt, die Sperrzone um das Drehfunkfeuer zunächst rechtlich klären zu lassen. Was das Wetterradar betrifft, so will die VG die geforderten Abstandsregelungen und Höhenbeschränkungen berücksichtigen - es sei denn, auch dort ergäben sich aufgrund juristischer Überprüfungen neue Möglichkeiten.
Grundsätzlich hätte die Verbandsgemeinde auch die Möglichkeit, die Sperrzonen einfach zu ignorieren, um es dann den potentiellen Windkraftinvestoren zu überlassen, die Rechtslage im Einzelfall klären zu lassen. Das allerdings würde die Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde nicht ohne weiteres hinnehmen. Denn diese hat bereits angekündigt, den Flächennutzungsplan nicht zu genehmigen, sollten dabei sämtliche Sperrzonen missachtet werden.Extra

Weil in den ehemaligen Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Kyllburg bei der Ausweisung neuer Windkraftstandorte teilweise unterschiedliche Kriterien zugrunde lagen, hat der Rat der neuen VG sich nun einstimmig auf einheitliche Kriterien geeinigt. Neben dem Umgang mit Drehfunkfeuer und Wetterradar gehören dazu auch der Mindestabstand zu Siedlungsflächen (1000 Meter) und Einzelgehöften (500 Meter), die Windgeschwindigkeit (mindestens sechs Meter pro Sekunde in 140 Metern Höhe) oder die Mindestgröße von Konzentrationsflächen, um so eine Verspargelung der Landschaft durch einzelne Anlagen zu verhindern. In Bitburg-Land lag die Mindestgröße bei 40 Hektar, in der VG Kyllburg bei nur 30 Hektar. Man hat sich letztlich auf die 30 Hektar verständigt, da mit Blick auf die geeigneten Potenzialflächen der Größenunterschied so gut wie keine Rolle spielt, man letztlich aber durch die kleinere Fläche etwas mehr Spielraum hat. uhe