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Die Rückkehr der Rübe

Stolz zeigen die Kinder, die in Wißmannsdorf ihre Ferien verbringen, ihre selbst geschnitzten Troulichter. TV-Foto: Uwe Hentschel
Stolz zeigen die Kinder, die in Wißmannsdorf ihre Ferien verbringen, ihre selbst geschnitzten Troulichter. TV-Foto: Uwe Hentschel
Wißmannsdorf. Lange bevor die Halloween-Kürbisse das europäische Festland eroberten, sind hierzulande ausgehöhlten Rummeln vor den Häusern platziert worden, um böse Geister zu vertreiben. Mittlerweile werden in der Eifel kaum noch Rüben angebaut. Doch es gibt sie noch. Genau wie den Brauch, der den Kürbis zwar stark, aber eben noch nicht ganz verdrängt hat. Uwe Hentschel

Wißmannsdorf. Ob es ein alter Brauch war, die Rübe auf einem Stock zu befestigen, oder aber einfach nur die Idee seiner Mutter, kann Carsten Lenz nicht sagen. Doch erinnert sich der 41-Jährige noch gut daran, wie er als kleiner Junge mit seiner Rübe durchs Dorf gezogen ist, zum St.-Martins-Umzug. Wobei die ersten Rüben schon viel früher bearbeitet wurden. "Sobald die Rummeln im Oktober geerntet wurden, haben wir losgelegt", sagt der Wißmannsdorfer, dessen Eltern früher selbst welche angebaut haben. So wie damals fast alle Landwirte der Eifel. Damit wurde das Vieh gefüttert, bis die Frucht aus wirtschaftlichen Gründen nach und nach von den Feldern verschwand.
Dorf geschichten


Auch auf dem Nengshof, den Lenz mit seinem jüngsten Bruder betreibt, werden längst keine Rüben mehr angebaut. Allerdings hat der Wißmannsdorfer eine Quelle. Ein Landwirt aus Metterich baut die Rummeln nämlich noch immer an und versorgt damit neben größeren Abnehmern auch Menschen wie Carsten Lenz, der auf seinem Hof sozusagen für die Renaissance der Trouliechter sorgt: ausgehöhlte Rummeln mit geschnitzter Fratze, in die dann ein Teelicht oder eine Kerze kommt. Im Grunde das gleiche wie der Halloween-Kürbis. Nur, dass hinter der Rummel im keine ausgefeilte Marketingstrategie steht. Dafür aber ein lokaler Bezug. Der landwirtschaftlich geprägte Sozialpädagoge, der auf seinem Hof auch Ferienwohnungen hat, arbeitet daran, diesen Bezug wieder herzustellen. Seine Feriengäste, die dort ihre Herbstferien verbringen, helfen ihm dabei. Wie beispielsweise Familie Weber aus dem saarländischen Hasborn. Auch dort kenne man den Brauch mit den Rübenfratzen, erklärt Mutter Silvia Weber, während die Kinder die unförmigen Rüben bearbeiten. Zuerst müsse unten ein Stück abgeschnitten werden, damit die Rübe geradestehe, erklärt Lenz. Und das gleiche noch einmal am oberen Ende der Rummel, damit man eine Öffnung zum Auslöffeln habe, fügt er hinzu.
Und dann legen die Kinder los und, löffeln erst das süßlich schmeckende Fruchtfleisch aus der Rübe und schnitzen dann Augen, Nase und Mund in die Rummel. Ein wenig mühsam ist das schon. "Deswegen ist der Brauch wahrscheinlich auch ausgestorben", scherzt ein Vater aus Düsseldorf, der seiner Tochter beim Löffeln hilft. Den Brauch mit den Trouliechtern kennt er aus seiner Heimat nicht. Halloween-Kürbisse natürlich schon. Doch das ist ein anderes Thema.
Extra

Früher haben die Menschen noch an böse Geister geglaubt. Und um sich diese vom Leib zu halten, sind sie auf die Idee gekommen, sie einfach auszutricksen, in dem sie Irrlichter aufstellten. "Trouliechter" bedeutet nämlich übersetzt so etwas wie Irrlichter. So wurden hässliche Fratzen in Rüben geschnitten und diese dann nachts mit einer Kerze beleuchtet vors Haus gestellt. Die Menschen dachten damals, dass man Böses auch nur mit Bösem vertreiben kann und haben sich deshalb ihre eigenen bösen Geister gebastelt, um so die anderen Geister zu vertreiben. Dass dafür mittlerweile Kürbisse verwendet werden, liegt daran, dass die Amerikaner diesen Brauch aus Europa übernommen haben. Und weil es in Amerika immer mehr Kürbisse als Rüben gab, wurden dort Kürbisse verwendet. uhe