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Spangdahlem
Die vielen Facetten des Nikolausbergs

Die Rückseite der Nikolauskapelle auf dem Nikolausberg in Spangdahlem.
Die Rückseite der Nikolauskapelle auf dem Nikolausberg in Spangdahlem. FOTO: Christina Bents
Spangdahlem. Reich an Geschichte ist die Erhebung in Spangdahlem mit seiner Kapelle. Sagen, Fakten, Historie und viel Natur prägen sie.

Ein erholsamer Ort ist der Nikolausberg. Lindenbäume, schmale Wege, der Friedhof und die Kapelle tragen gemeinsam zu diesem ersten Eindruck bei. Man könnte meinen, hier ein wenig Geschichte zu atmen, denn historisch haben Berg, Bäume und Bauwerke einiges zu bieten. Da ist beispielsweise der Friedhof, der ganz oben auf dem Berg liegt und der seit mehr als 2000 Jahren, bis heute aktiv genutzt wird. 13 alte sandsteinerne Grabkreuze, die zum Teil noch heidnische Symbole eingemeißelt haben, sind in der Kirchenmauer eingelassen worden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Sie erhalten Schatten von elf Linden, die vor deutlich mehr als 300 Jahren, wahrscheinlich von den Eremiten, gepflanzt wurden. Sie sind im Naturdenkmalbuch von Wittlich eingetragen.

In einen Baum, der gefällt werden musste, weil er morsch war, hat man einen neuen Lindenbaum gesetzt. Zwischen den Bäumen stehen sieben steinerne Stationen, die die sieben Schmerzen Mariens darstellen. In den Stationen sind sogar kleine Rechtecke eingemeißelt, in die man Kerzen stellen kann. Die Kapelle thront mit ihrem Turm darüber. Er ist aus dem 12. Jahrhundert und hat eine einfache, schlichte Form. Er sieht aus, als wäre er in die Landschaft hineingewachsen.

Im Inneren des Turms gibt es bis heute ein Zimmer, in dem Eremiten lebten, doch das ist momentan nicht zugänglich. Günter Leers, Heimatforscher aus Spangdahlem, möchte es im kommenden Jahr, mit einigen anderen, anschauen. Zudem gibt es einen Gewölbekeller, der in der Vergangenheit ebenfalls verschlossen worden ist. Eine Sonnenuhr an der Südostseite des Turms zeigt die Zeit an, und ist für diese Gegend, anders als an der Mosel, eher selten. Zum Turm hat eine Kirche gehört, die in den Jahren 1876/1877 abgerissen worden ist. An verschiedenen Stellen kann man heute noch am Gemäuer die Anschlussstellen sehen. Über die Lage des Turms gibt es die Sage, dass es ein römischer Aussichtsturm gewesen sein soll, genauso wie der Turm der alten Pfarrkirchen in Gransdorf. Günter Leers meint dazu: „Die Türme von Gransdorf und Spangdahlem sowie der Römervilla auf Breitenacker hatten Sichtverbindung zueinander, und 15 Kilometer römische Langmauer konnten so kontrolliert werden.“

Doch das ist nicht alles, was den Turm interessant macht. Im Inneren stehen eine menschengroße Auferstehungsgruppe, die um 1750 entstanden ist, und eine Grablegungsgruppe, die aus dem Kloster in Himmerod stammt.

Als Napoleon das Kloster 1802 auflösen ließ, kaufte die Pfarrgemeinde Spangdahlem dem Kloster sie für 30 Thaler ab. Sie stammt aus dem Jahr 1643. Die Spangdahlemer sind sehr stolz auf ihre Grablegungsgruppe, denn sie ist der bedeutendste Kunstschatz, den Spangdahlem zu bieten hat. Er ist das einzige Kunstwerk des Ortes, der in der wichtigsten Bestandsaufnahme aller Kunstdenkmäler Deutschlands erscheint. Zur Renovierung der Gruppe  vor einigen Jahren  haben viele Menschen beigetragen, indem sie bei Festen und Spendenaktionen Geld sammelten. Es steht zwar nur eine Betbank im Inneren der Kapelle, trotzdem weisen viele Votivtafeln darauf hin, dass Gebete, die hier gesprochen worden sind, erhört wurden. Ein wichtiges Fest, das in Spangdahlem gefeiert wird, ist das Maifest. Es gilt der Verehrung der Heiligen Quirinius, Firminius und Fereolus. Als die Reliquien des Heiligen Quirinius von Neuss nach Luxemburg gebracht wurde, machte die Prozession auch in Spangdahlem halt und ließ ein Reliquienteil dort. Seitdem dies in der Kirche verehrt worden ist, sind der Legende nach die Pest und die große Armut, die damals herrschten, zurückgegangen. Zum Dank gab es eine Prozession und ein anschließendes Fest.

In die Friedhofsmauern sind Sandsteingrabkreuze eingelassen, die teilweise noch heidnische Motive haben.
In die Friedhofsmauern sind Sandsteingrabkreuze eingelassen, die teilweise noch heidnische Motive haben. FOTO: Christina Bents
Votivtafeln zeugen davon, dass Gebete erhört wurden.
Votivtafeln zeugen davon, dass Gebete erhört wurden. FOTO: Christina Bents