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Digitale Revolution: Eifeler Schüler lernen multimedial

Die Idesheimer Drittklässler Luca, Finlay (vorne, von links nach rechts), Tabea und Jasmin (hinten, von links nach rechts) arbeiten ganz selbstverständlich mit den neuen Medien. TV-Fotos (4): Klaus Kimmling (1)/Andrea Weber (3)
Die Idesheimer Drittklässler Luca, Finlay (vorne, von links nach rechts), Tabea und Jasmin (hinten, von links nach rechts) arbeiten ganz selbstverständlich mit den neuen Medien. TV-Fotos (4): Klaus Kimmling (1)/Andrea Weber (3) FOTO: klaus kimmling (e_bit )
Idesheim. An vielen Schulen ist die Digitalisierung noch ein Problem - hier nicht: Die Idesheimer Grundschule baut im Unterricht konsequent auf neue Technik. Andrea Weber

Die achtjährige Tabea füllt ein Arbeitsblatt für die Dinosaurier-Werkstatt aus. Sie sitzt an ihrem Platz in der dritten Klasse der Grundschule Idesheim und schreibt in ihr Heft. Immer wieder schaut sie in das Netbook neben sich, auf dem sie eine Internetseite über die Entstehung von Fossilien geöffnet hat. Weiter vorne sitzen Philipp und Lina und basteln. Auch auf ihrem Pult steht ein aufgeklapptes Netbook - eine ganz normale Schulstunde in der Grundschule Idesheim.

Schiefertafel und Kreide wurden dort vor Jahren in den Keller verbannt. Auch Fernseher oder Overhead-Projektoren werden nicht mehr gebraucht. Stattdessen wurden alle Klassenräume mit einem Smartboard ausgestattet - einer interaktiven Tafel, die an einen Computer angeschlossen werden kann und alle Funktionen dieser Geräte in sich vereint.

"Die Digitalisierung steht und fällt mit dem Kollegium und der Schulleitung", sagt Oliver Pick, der die Schule in Idesheim leitet. Allerdings müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, erklärt er. Landrat Joachim Streit habe sich schon vor Jahren für eine Anbindung der Region ans schnelle Internet stark gemacht, wovon seine Schule nun profitiere. Außerdem sei Rheinland-Pfalz auf dem digitalen Vormarsch, und der Schulträger, die Verbandsgemeinde Bitburger Land, habe die Entwicklung konsequent mitgetragen (siehe Extra).

Und Pick hat sie konsequent umgesetzt."Wir haben bewusst die Kreidetafeln ganz rausgenommen. So mussten sich alle Kollegen mit der neuen Technik auseinandersetzen", erklärt er. Gab das keine Probleme? "Nein. Das funktioniert gut", sagt Pick. "Grundschullehrer sind sehr flexibel." Es würden auch Fortbildungen angeboten, aber das Meiste lernten die Lehrer im kollegialen Austausch. "Die zeigen sich das untereinander - und bei technischen Problemen kommen sie zu mir", sagt der 47-Jährige. Und wenn die Technik mal versagt? "Für den Notfall gibt es in jeder Klasse noch ein Whiteboard, das man wie eine normale Tafel beschreiben kann", erklärt Pick. "Man muss das gut betreuen, das ist das A und O", sagt er. "Bei Neueinstellungen weisen wir aber immer darauf hin: Dran denken, wir haben keine Kreidetafel." Er lacht.

Dafür hat die Schule inzwischen 20 Netbooks, und alle fünf Klassen sind mit Smartboards ausgestattet. Mit Dokumentenkameras kann man in Echtzeit Gegenstände oder Buchseiten auf das Board projizieren und so beispielsweise Erstklässlern, die noch keine großen Zahlen kennen, zeigen, welche Seite sie aufschlagen sollen. "Das ist eine eierlegende Wollmilchsau, wenn es funktioniert", sagt Pick.

Sarah K. unterrichtet seit zwei Jahren an der Schule in Idesheim. An ihrer vorherigen Schule hat sie noch an einer Kreidetafel gearbeitet. "Am Anfang dachte ich ‚Hilfe!', das war ja alles neu für mich. Aber man findet sich schnell ein", sagt die 28-Jährige. Sie müsse sich im Unterricht keinen Beamer suchen oder einen Fernseher, sondern könne ganz einfach mit dem Computer Musikbeispiele oder Filmausschnitte abspielen oder etwas nachgucken. "Der Nachteil ist, dass sie manchmal abstürzen." Aber sie bekämen sie immer wieder ans Laufen.

Für die Kinder sei die Technik motivierend. Für manche sei sie neu und deshalb spannend, sagt Sarah K., andere hälfen mit. "Wenn was nicht klappt, kommt von manchen Schülern: ‚Bei meinem Computer ist das so und so. Probieren Sie das mal‘", erzählt sie. Inzwischen würde es ihr wohl schwer fallen, ins alte System zurückzukehren. Die Technik mache vieles einfacher.

Das sieht auch ihre Kollegin Elisabeth S. so. "Für mich ist das eine große Erleichterung, weil ich zu Hause viel vorbereiten kann, was ich nicht in der Schule machen muss." So könne sie Tafelbilder mit den Kindern erarbeiten und dann abspeichern. "Oder im Unterricht kommt ein Auerhahn vor und die Kinder wissen nicht, wie das Tier aussieht, dann kann man schnell ein Bild dazu zeigen."

Probleme gebe es manchmal, wenn die Kinder schreiben lernten, da die Schrift versetze. "Das Schriftbild ist unsauberer. Und wenn sich's aufhängt, steht man da." Außerdem passe auf eine Schiefertafel mehr."Auf den Seitenflügeln konnte man mal die Hausaufgaben stehen lassen und parallel auf dem Mittelteil weiterarbeiten", sagt Elisabeth S.. Beim Smartboard müsse man die Seiten immer wegklicken. "Ideal wäre eine Kombination aus Smartboard und Schiefertafel." Aber auch für sie überwiegen die Vorteile des Smartboards. "Ich möchte nicht mehr wechseln", sagt die 36-Jährige. Die Idesheimer Schüler müssen das zurzeit noch. Denn es sind noch lange nicht alle Schulen so weit wie ihre. "Die müssen manchmal bei der weiterführenden Schule nochmal lernen, wie man auf eine Schiefertafel schreibt", sagt Pick. Aber da die Kinder auch in Idesheim noch ganz klassisch in ihren Heften schreiben lernen, dürfte das kein Problem sein. "Die neue Technik verdrängt nichts, sondern ergänzt den Unterricht."WIE WEIT SIND DIE GRUNDSCHULEN?

Die Verbandsgemeinde Bitburger Land stellt seit 2012 jeder Schule jedes Jahr ein neues Smartboard zur Verfügung. "Wir legen Wert darauf, dass alle Schulen die Entwicklung der Digitalisierung gehen können", sagt Wirtz. Rund 55 000 Euro pro Jahr kosten die digitalen Tafeln die Verbandsgemeinde. Der Preis von 5500 Euro pro Smartboard umfasst ein Paket mit hochauflösendem Beamer, Dokumentenkamera und PC. "Mit der Grundausstattung der Schulen müssten wir in zwei Jahren durch sein", sagt Ralph Schmitz, Abteilungsleiter für den Bereich Schulen. In den vergangenen drei Jahren hat die Verbandsgemeinde rund 150 000 Euro in die Digitalisierung von Grundschulen investiert. Die Stadt Bitburg hat nach Aussage von Pressesprecher Werner Krämer seit 2011 rund 75 000 Euro in die EDV-Ausstattung ihrer Grundschulen investiert. Zurzeit spiele die Kreidetafel in den städtischen Grundschulen noch eine wichtige Rolle, erklärt Krämer, aber selbstverständlich kämen auch Beamer und PCs zum Einsatz. Digitale Tafeln stehen für 2019 auf dem Plan. Dann will die Stadt laut Krämer 100 000 Euro investieren, um Smartboards oder ein ähnliches System anzuschaffen.