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Echternacher legen der Sauer einen Bypass

Braune Brühe überall: So wie im Januar 2003 soll es in Echternach künftig nicht mehr aussehen. Stadt und Staat wollen in den Hochwserschutz investieren.Foto: Ingo Zwank
Braune Brühe überall: So wie im Januar 2003 soll es in Echternach künftig nicht mehr aussehen. Stadt und Staat wollen in den Hochwserschutz investieren.Foto: Ingo Zwank
ECHTERNACH. (iz) Hochwasser betrifft immer beide Seiten: Damit eine Katastrophe wie im Januar 2003 nicht mehr passiert, wollen die Echternacher in punkto Hochwasserschutz mit ihren deutschen Nachbarn zusammen arbeiten.

"Es muss etwas gemacht werden, noch mehr", sagt Jos Scheuer. Der Echternacher Bürgermeister hatte den Punkt "Hochwasserschutz und Krisenplanung" ganz nach oben auf die Tagesordnung der Stadtratssitzung gesetzt. Kein Wunder: Die Januar-Katastrophe steckt nicht nur den Sauer-Anwohnern auf deutscher Seite, sondern auch denen auf Luxemburger Seite noch in den Knochen. Immerhin hatte die überlaufende Sauer auch in Echternach Schäden bei mehr als 100 Privat- und Geschäftsleuten angerichtet. In der Abteistadt überschritt der Fluss den bis dahin höchsten Pegelstand aus dem Jahr 1993 um elf Zentimeter. Hochwasser ein Thema, das den Menschen auf den Nägeln brennt: Mehr als 40 Zuhörer verfolgten die Stadtratssitzung im "Denzelt". Sie erfuhren nicht nur, dass Bürgermeister Scheuer der Feuerwehr, der Protection Civile, der Polizei und allen Helfern für ihren Einsatz während der Krisenzeit dankte, sondern auch, dass nun ein etwa elf Millionen Euro teurer Projekt-Katalog für den Hochwasserschutz anlaufen soll.Und dass die Stadt für den Hochwasserschutz schon einiges getan hat. So wurde der Lauterborner Bach komplett in den Echternacher See umgeleitet. Das entlastet den Sauer-Pegel stark, denn "der abgesenkte See ist ein gutes Wasserrückhalte-Becken", sagt der Bürgermeister. Auch die Schutzmauer und der Schutzdamm an der Sauerpromenade (Tennisplätze) und die mobilen Wände, unter anderem beim Bahnhof-Parkplatz, zeigten Wirkung. 1993 hatte die Stadt Probleme mit der Stromversorgung, das war 2003 nicht mehr der Fall.Auch die Sanierungsarbeiten im Bereich "Val de Rose" und der Bahnhofsstraße sorgten für Entlastung. "Doch es war immer noch nicht genug", stellte der Gemeinderat einstimmig fest. Das Absenken des Flussbettes würde der Stadt nach Gemeinderatsangaben weitere 20 Zentimeter Hochwasser ersparen. Bei der Januar-Katastrophe wurde dieses Mittel allerdings nicht eingesetzt.Nun stehen "weitere Monsterprojekte" wie Scheuer sie nennt an. Die Luxemburger haben seit 1993 bereits 30,4 Millionen Euro in Präventions-Projekte gesteckt. Das ist nicht genug. Weitere 33,5 Millionen Euro geben sie dafür in den kommenden Jahren aus. 18,5 Millionen Euro davon übernimmt der Staat. Einiges von dem Geld fließt auch nach Echternach so sollen im Bereich des Osweilerbachs Regenüberlauf-Becken, ein Pumpensystem sowie ein "Bypass" die Regulierung des Wassers ermöglichen. Da erst am 6. Januar 2003 die Genehmigung des Ministeriums eintraf, kann erst im Frühjahr die Ausschreibung des Projekts erfolgen. Der Sommer 2003 wurde als Baubeginn ins Auge gefasst.Ebenfalls ist geplant, Wasserrückhalte-Fläche in der Nähe der Stadt zu schaffen. Darüber hinaus ist den Echternachern eines wichtig: die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. "Die Zusammenarbeit mit Rheinland-Pfalz beziehungsweise der Verbandsgemeinde Irrel ist unbedingt notwenig, nicht nur im Bereich der Schaffung von Rückhalteflächen, sondern auch bei der Krisenbewältigung", erklärte Scheuer. Deshalb ist am 3. Februar ein bilateraler Hochwassergipfel geplant.Unmut gab es bei der Opposition im Rat. Sie warf dem Schöffenrat vor, aus finanziellen Gründen nicht genug für den Hochwasserschutz getan zu haben. "Das Hochwasser wurde doch aus den Augen verloren. Es wurde gepokert, und das ging gewaltig in die Hose", sagte Jos Massard. "Daher bringt es nichts, wenn die Bürger den Gemeinderat ertränken wollen. Es muss etwas geschehen. Und dies muss koordiniert werden, grenzüberschreitend."Am 24. Februar findet in Echternach eine Bürgerversammlung statt. Darin sollen die Bürger über den derzeitigen Stand der Projekte informiert werden und sich in einem Hochwasserkomitee, auf luxemburgisch "Hèichwaasser-Comité" zusammen schließen. Aber auch Verhaltensregeln sollen ausgegeben werden. Sie betreffen unter anderem das Absichern von Öltanks, das Einsetzen von Schutzwänden und das Abschotten von Türen und Fenstern.