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Ein Bad, das die Stadt was kostet

Das Cascade rechnet für 2015 mit einem Minus von 570 000 Euro. TV-Foto: Archiv/sebastian Klipp
Das Cascade rechnet für 2015 mit einem Minus von 570 000 Euro. TV-Foto: Archiv/sebastian Klipp
Bitburg. Mit einer halben Million Euro muss die Stadt Bitburg das Cascade im kommenden Jahr unterstützen. Das ist der Betrag, der unter dem Strich fehlen wird. Bad-Chefin Elfriede Grewe gerät angesichts des Jahresverlusts aber weder ins Schwimmen noch ins Schwitzen. Ein Blick in den Wirtschaftsplan 2015. Dagmar Schommer

Bitburg. Kein Schwimmbad schafft es, eine schwarze Null zu erwirtschaften. Landauf, landab wird wortwörtlich in Verlusten geschwommen. Das ist in Bitburg nicht anders. Das Cascade kalkuliert für 2015 mit einem Minus von rund 570 000 Euro. Damit steht das städtische Bad besser da als noch im Vorjahr. Da lag der Verlust, den die Stadt ausgleichen musste, 150 000 Euro höher. Branchen-Primus Bitburg

Den Grund hat Geschäftsführerin Elfriede Grewe schnell erklärt: "Es ist ja nicht nur Geld in die Sanierung von Bad und Sauna geflossen, sondern während der Bauzeit hatten wir ja auch wochenlang zu." Da die Eintritte der Besucher die Haupteinnahmequelle sind (siehe Extra), wundert es also nicht, dass im Wirtschaftsplan 2015 mit geringeren Verlusten gerechnet wird. Null auf null rauszukommen, wäre auch für Geschäftsführerin Grewe ein Traum. "Aber das schafft eigentlich kein Bad", sagt die Frau, die auch überregional in Arbeitskreisen von Badbetreibern engagiert ist. Dort sei das Bitburger Cascade, das immerhin 75 Prozent der Betriebskosten erwirtschaftet, Branchen-Primus in der Riege solcher Bäder. "Die Einzigen, die noch besser dastehen, sind Betreiber aus dem Sauerland, die allerdings auch ein Hotel betreiben. Das ist nicht vergleichbar", sagt Grewe. Wollte das Cascade ohne Verluste wirtschaften, müssten entweder 85 000 Besucher im Jahr zusätzlich kommen - oder der Eintritt um 2,40 Euro pro Gast erhöht werden. Doch dann würde ein Schwimmbadbesuch für viele Familien aus finanziellen Gründen "ins Wasser fallen".Auf die große Sanierung in diesem Jahr gab es anfangs auch Kritik (der TV berichtete). Das Bad hat nachgebessert. Die Scheiben der Sauna wurden mit Milchglas blickdicht gestaltet und zusätzliche Sitzplätze geschaffen. "Es kommt inzwischen auch viel Lob", sagt Grewe, die betont, dass der Großteil der 500 000 Euro teuren Sanierung hinter den Wänden versteckt sei: Leitungen und Lüftungen wurden erneuert.Rund 10 500 Besucher zählt die Sauna seit der Wiedereröffnung Ende September. Grewe: "Ich würde mich freuen, wenn wir einige Gäste, die einst nach Trier abgewandert sind, wiedergewinnen." Die Besucher des Cascade kommen aus einem Umkreis von mehr als 50 Kilometern. Meinung

Auch der Kreis gehört mit an BordGäste aus der ganzen Region besuchen das Cascade. Doch auf den Verlusten, die das Bad Jahr für Jahr einfährt, bleibt die Stadt allein sitzen. Eine Beteiligung des Kreises wäre der Bedeutung des Bades angemessen. Immerhin zahlt die Stadt auch eine Umlage von acht Millionen Euro an den Kreis. Um die Finanzierung und damit die Zukunft des Bads langfristig zu sichern, wäre ein Zweckverband hilfreich. Es reicht, wenn Bitburg alle Renovierungs- und Sanierungsarbeiten trägt. Die Jahresverluste sollten auf mehrere Schultern verteilt werden. d.schommer@volksfreund.deExtra

Elfriede Grewe (55, Foto), Geschäftsführerin der Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft Bitburg (BVB), ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt Bitburg und unter anderem auch Betreiber des Cascade Erlebnisbads: Wo sehen Sie Ihr Bad in der Zukunft, Cascade 2025? Grewe: Am liebsten schön saniert und attraktiv gestaltet. Das ist eine Daueraufgabe. Und in Zukunft werden wir uns auch zunehmend mit unseren Angeboten auf eine älter werdende Gesellschaft einstellen. Was sind Ihre drei Wünsche für das Cascade 2025? Grewe: Ein Fitnessbereich wäre ein Traum. Dieser würde uns die Möglichkeit bieten, für verschiedene Zielgruppen - ältere Menschen wie auch Berufstätige - Fitness und Sauna oder Schwimmen in Kombination anzubieten. Das würde zusätzliche Gäste bringen. Ein anderer Traum ist eine Teilüberdachung für das Freibad. Dann könnten Sportschwimmer auch bei Nieselregen ihre Bahnen ziehen. Vielleicht ein Cabrio-Dach, das man bei bestem Sonnenschein auch einfahren kann. Ein anderer Wunsch wäre, dass wir unsere zwei Blockheizkraftwerke mit alternativer Energie befeuern könnten. Das war beim Bau nicht möglich, weil wir nicht genug Platz haben, um so viele Holzpellets zu lagern, wie wir für unseren Betrieb bräuchten. Gehen Sie selbst lieber schwimmen oder in die Sauna? Grewe: Ich mag beides sehr gerne. In der Sauna kann man wunderbar abschalten und es ist gesund. Aber als Ausgleich zum Büro-Alltag bewege ich mich lieber. Wenn ich Zeit habe, gehe ich lieber schwimmen. scho Extra

Den Wirtschaftsplan 2015 für das Cascade hat der Stadtrat einstimmig beschlossen. Gerechnet wird mit rund 235 000 Besuchern (davon 41 000 nur Sauna), die rund 1,5 Millionen Euro bringen. Größter Kostenposten ist das Personal (1,1 Millionen Euro); gefolgt von der Energie (350 000 Euro). 250 000 Euro fließen in die Instandhaltung: neue Fenster und Erneuerung weiterer Teile der Lüftungsanlage. scho