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SERIE LANDMARKEN
Ein Berg mit einer Menge Geschichten

Das frühere Stift ist überall ist auf dem Berg präsent.
Das frühere Stift ist überall ist auf dem Berg präsent. FOTO: Christina Bents
Kyllburg. Der Stiftsberg in Kyllburg hat vieles erlebt. Von Burgherren bis hin zum Bildungshaus hat es hier schon einiges gegeben. Von Christina Bents

Als Berg ist der Stiftsberg auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Erst wenn man ein Stück weiter weg geht, von der Wilsecker Linde aus, kann man den Bergkegel, den die Kyll in einem nahezu geschlossenen Kreis umfließt, sehen. Als Standort für eine Burg war der Stiftsberg eine gute Wahl.

Idyllisch mit viel Grün und alten  Mauern hat der Stiftsberg eine besondere Atmosphäre.
Idyllisch mit viel Grün und alten Mauern hat der Stiftsberg eine besondere Atmosphäre. FOTO: Christina Bents

Wann die erste Burg gebaut worden ist, kann nicht genau gesagt werden. Aber im Jahr 800 stand bereits eine. Die war allerdings zu klein. Erzbischof Theoderich II. von Trier baute eine größere, weil es Streit um den Besitz gab. Der Burgturm steht bis heute.

Die Stiftskirche in Kyllburg, hier finden jeden Sonntag um 11 Uhr Gottesdienste statt.
Die Stiftskirche in Kyllburg, hier finden jeden Sonntag um 11 Uhr Gottesdienste statt. FOTO: Christina Bents

Einer der Nachfolger Theoderichs II., Heinrich von Vinstingen, baute, zu Ehren der Mutter Gottes, ein Stift und eine Kirche. Zwölf Plätze hatte es, und jeder der Priester lebte in einem eigenen Haus. Dechant Klaus Bender berichtet: „neun der zwölf Standorte sind heute noch bekannt, und drei Gebäude gibt es heute noch.“

Der Burgturm ist ein Zeugnis der älteren Geschichte des Stiftsbergs.
Der Burgturm ist ein Zeugnis der älteren Geschichte des Stiftsbergs. FOTO: Christina Bents

Das Stift bestand bis 1803. Es hatte sogar eine eigene Rechtsstruktur, die sogenannte „Stiftsfreiheit“. Manch einer der Stiftsherren hatte eine eigene Vorstellung von Freiheit. Während einer Visitation, wurde festgestellt und niedergeschrieben: „Dass einer der Stiftsherren schändlichst mit einer Magd im Garten gelegen habe.“

Rund 50 Personen haben damals auf dem Stiftsberg gelebt. Napoleon hat die Stiftskirche der Gemeinde Kyllburg geschenkt, die dann Pfarrkirche geworden ist. Eine weitere wichtige Epoche war die private Stiftung der Familie Hesse, mit der ein Krankenhaus der Schwestern von Waldbreitbach finanziert werden konnte. Bis 1968 wurden hier kranke Menschen behandelt. Schließlich wurde es geschlossen.

Es gab anschließend Überlegungen, ein Altenheim aus dem Gebäude zu machen. Doch die Planungen kamen nicht zur Umsetzung. Leben kam wieder mit der Landvolkhochschule auf den Stiftsberg. Dechant Klaus Bender erklärt: „Die Kurse dauerten zwei Monate, meist waren es 40 bis 50 junge Leute, die ihr Wissen rund um die Landwirtschaft und in kulturellen Bereichen vertieft haben.“ In der Landvolkhochschule hätten sich zudem einige Paare gefunden, die später geheiratet hätten.

In den 70er Jahren sollte der Stiftsberg Standort für eine Rehaklinik werden. Ein Schweizer Investor hatte damals Interesse, die Planungen waren weit fortgeschritten. Es gab sogar schon eine Straße dorthin. Gescheitert ist das Projekt dann aber am Denkmalschutz der Kirche und der Kommune. Der Chef des kirchlichen Denkmalschutzes sagte damals: „Wir müssen die Kyllburger vor sich selbst schützen.“

Inzwischen ist aus der Einrichtung ein Bildungshaus der Pfarrei Kyllburg geworden. Klaus Bender sagt: „Das Haus ist gut ausgebucht und die Mieteinnahmen sind so, dass es sich trägt. Aber wir haben keine Rücklage um größere Renovierungsarbeiten zu stemmen.“

Die Kyllburger haben eine unterschiedlich starke Bindung zum Stiftsberg, meint Klaus Bender. „Es gibt einige, die hier im Krankenhaus geboren sind oder bis in die 60er Jahre die Schule, die es hier auch gab, besucht haben.

Natürlich hätten sich auch einige in der Stiftskirche das „Ja-Wort“ gegeben, oder in der Gärtnerei und im Gasthaus Rütt Zeit verbracht. Aber Bender habe den Eindruck, dass gerade den Menschen von außerhalb, der Stiftsberg mit der Kirche, sehr viel bedeutet.