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Kleidung und Stoffe
Wenn die Chefin sich zurückhält: Azubis starten Pop-up-Laden in Bitburg

Garne, Stoffe, Kleider: Der Laden von innen.
Garne, Stoffe, Kleider: Der Laden von innen. FOTO: Ulrike Löhnertz / tv
Bitburg. Ein eigener Laden auf Zeit: Dieser Traum ist für die Azubis der Modedesignerin Margret Gasper wahr geworden. Warum das in Bitburg geklappt hat, hat auch mit der Bit-Galerie zu tun. Von Ulrike Löhnertz
Ulrike Löhnertz

  Der Sekt perlt in den Gläsern auf dem Zuschneidetisch, hier und da liegen ein paar Zettel und Stifte, sieben junge Leute lachen und quatschen. Rundherum ist alles top: 200 Garne aufgetürmt, 150 Kleidungsstücke aufgehängt und 500 Stoffe sortiert und aufgeschichtet.

Chefin Margret Gasper strahlt. Das würde sie sicher nicht tun, wenn während der Arbeitszeit gefeiert wird, aber heute ist ein besonderer Tag: die Eröffnung des (wohl ersten Bitburger) Pop-up-Ladens für Stoffe, Garne, Knöpfe und selbst entworfene Kleidung und mehr in der Trierer Staße, den die Azubis in Eigenregie betreiben. Ein Pop-up-Laden ist ein zeitlich begrenztes Einzelhandelsgeschäft in vorübergehend leerstehenden Räumen.

Sechs Wochen lang, bis 12. Mai, läuft das Projekt, mit dem die Designerin und Schneidermeisterin Margret Gasper aus Waxweiler Neuland betritt. „Ich bilde seit zwölf Jahren aus. Aber ein solches Projekt hatten wir noch nie. Ich finde, das ist eine tolle Chance für unsere Azubis, sich auszuprobieren“, sagt sie. Ihr Mann nickt. Schließlich war auch er begeistert, als beide während des Beda-Markts von der Möglichkeit hörten, die drei wegen der geplanten Bit-Galerie leerstehenden Räumen des ehemaligen Modehauses Nickel für sechs Wochen zu mieten.

Die Bit-Galerie GmbH & Co KG, die das Einkaufszentrum plant, macht dieses Angebot in den Läden in der Trierer Straße, die abgerissen werden sollen, wenn die Galerie gebaut wird. Nun stehen sie wegen der Verzögerung des Baubeginns leer, weshalb die Projektentwickler sie mietfrei anbieten.

Bisher ist der Laden von Gaspers der einzige Pop-up-Laden in der Trierer Straße. Doch es gebe, so Faco-Chef Stefan Kutscheid, bereits einige Anfragen. Doch erst wolle man prüfen, ob die Konzepte auch Qualität hätten. Auf keinen Fall wolle man „Billigläden“ haben, die irgendwas abverkaufen. Das Angebot, das voraussichtlich bis Herbst gilt, richte sich an Unternehmen der Region, die vier bis sechs Wochen lang testen wollten, wie ihre Produkte in Bitburg ankommen.

Das will auch das Azubi-Team von Margret Gasper wissen. Aber die jungen Leute haben noch andere Ziele – zum Beispiel  Kunden beraten, Maß nehmen für Kleidungsstücke, Stoffe verkaufen und eventuell nachbestellen, Marketingaktionen planen und, und, und. Alles wichtige Dinge, die man können muss, wenn man Maßschneider werden und sich vielleicht sogar selbstständig machen will.

Wie es weitergeht, ist für die Azubis Wiebke Barbara (21) und Chiara Theis (21) gar nicht mal so ferne Zukunftsmusik. Denn ihre Ausbildung endet bald, die ersten Prüfungen stehen im April an. Dennoch möchten beide – wie auch die Azubis im ersten und zweiten Lehrjahr, Kathi Meehan (19), Katharina Bertram (22), Meike Meermeier (20) und Klara Schuh (18) – möglichst viel aus ihrer Zeit im Pop-up-Laden mitnehmen. Wiebke Barbara sagt: „Hier kann man beweisen, was man kann.“ „Und man hat Freiheiten, etwas auszuprobieren“, findet Chiara und zwinkert Margret Gaspers  zu. Und die reagiert prompt. „Ja, man muss eben loslassen können“, sagt sie. Und tut es auch. Denn sie möchte alles den Azubis überlassen. „Nur wenn es mal Probleme gibt, die die Lehrlinge nicht alleine lösen können, bin ich da.“ Natürlich gibt es regelmäßige Meetings, in denen alles besprochen wird. Aber meist werden die zwei Azubis, die abwechselnd den Laden schmeißen, für alle verantwortlich sein. Also, los geht’s. Der Sekt verschwindet, die erste Kundin steht vor der Tür. Die Arbeit beginnt.

Die Auszubildenden und Praktikant  Henrik vor Bitburgs erstem Pop-up-Laden in der Trierer Straße.
Die Auszubildenden und Praktikant  Henrik vor Bitburgs erstem Pop-up-Laden in der Trierer Straße. FOTO: Ulrike Löhnertz / tv