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| 21:12 Uhr

Ein gefährliches Pflaster für Radfahrer

Ruhe bewahren: Wer in der Trierer Straße mit dem Rad unterwegs ist, braucht Nerven, die ebenso stark sind wie der Verkehr. TV-Foto: Archiv/Uwe Hentschel
Ruhe bewahren: Wer in der Trierer Straße mit dem Rad unterwegs ist, braucht Nerven, die ebenso stark sind wie der Verkehr. TV-Foto: Archiv/Uwe Hentschel FOTO: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"
Bitburg. Bitburg ist eine Autostadt. Mit dem Rad sind nur wenige unterwegs, sicher auch, weil es in der Innenstadt einige Höhenmeter zu überbrücken gilt - etwa von der Saarstraße zur Kölner Straße. Der TV hat die Autostadt mal auf dem Fahrrad getestet. Das Ergebnis: Zwischen Trierer Straße und Königswäldchen rollt es sich wegen der Verkehrsdichte alles andere als entspannt. Radwege fehlen. Oliver Drautzburg

Bitburg. Nirgendwo in der Region ist die Dichte an Fahrzeughändlern so hoch wie in Bitburg. Wer also ein Auto sucht, sollte hier- herkommen - allerdings nicht mit dem Fahrrad. Denn Radfahrer haben es nicht leicht. Der TV-Test:

Dichter Verkehr: Ist man mit dem Fahrrad auf der Strecke des ehemaligen Innenstadtrings unterwegs, so wird es - wenn man es positiv ausdrücken will - nicht langweilig. Ohne Helm sollte man dieses Wagnis nicht eingehen. Gerade in der Trierer Straße ist wegen der vielen am Rand parkenden Autos kaum Platz für Fahrradfahrer. So kommt es, wie es kommen muss. Der Autofahrer weiß nicht so recht, ob er das Zweirad vor ihm überholen soll, schließlich ist der Platz knapp, die vorhandene Zeit jedoch auch. Ergebnis: Der Mann mit dem Ford entschließt sich zu einem gewagten Überholmanöver, bei dem er beinahe mit dem Rückspiegel seines Wagens ein entgegenkommendes Auto rammt. Und weil es so unsportlich läuft, erklingt auch noch eine quengelige Hupe, obwohl der Fahrradfahrer, der mit guten 30 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, bereits sein Bestes getan hat. Das ist nicht nur ein Beispiel für die Ungeduld mancher Autofahrer, sondern macht auch deutlich, dass es für Fahrradfahrer in Bitburg oft einfach zu eng ist.

Jede Menge Gefälle: Bitburg ist eher was für sportliche Radfahrer. Quer durch die Stadt müssen einige Höhenmeter überwunden werden - beispielsweise geht es von der Saarstraße zur Kölner Straße stramm bergauf und auch von Wohngebieten wie beispielsweise Schleifmühle in die Innenstadt hat man Anstiege zu erklimmen.

Fehlende Radwege: Echte Radwege, die abgegrenzt sind vom Auto-verkehr und den Bürgersteigen, gibt es in der Innenstadt nicht. Nirgendwo. Dabei ist die Eifel doch Fahrradland und freut sich Jahr für Jahr auch über viele Radtouristen. Es gibt sie, die Radwege - vom Kylltal bis zum Nimstal.

Schlechte Beschilderung: Aber auch die muss man erstmal finden. Ein Hinweis darauf kommt gleich hinter der Stadthalle. Dort steht ein Wegweiser mit einem Fahrrad drauf. Hier ist offenkundig ein Radweg ausgewiesen, doch wohin er führt, bleibt ein Geheimnis. Es gibt auf dem Schild keine Ortsangabe. Klar, Einheimische ahnen, in welche Richtung es geht, um zum Kylltal zu gelangen.
Für Touristen aber ist es ohne Karte unmöglich. Auch die Strecke, die dann bis zum nächsten Radweg ausgeschildert ist, hat es in sich. Folgt man dem Wegweiser, führt die Route durch den viel befahrenen Görenweg, dann durch die Wohnstraße Eschenpesch, quer über die stark befahrene Theobald-Simon Straße, hinein in den Burgweg und schließlich auch auf einen abgezweigten Feldweg.
Hier wird die geteerte Strecke allerdings immer wieder von Geröllabschnitten unterbrochen, was Rennradfahrer zur sofortigen Umkehr zwingen würde - und das ohne Vorankündigung.
Mit dem Mountainbike aber hat man eine Chance.

Schöne Aussichten außerhalb: Sind diese Hürden überwunden, eröffnet sich einem außerhalb der Innenstadt der entspannte Teil vom Radfahren in Bitburg. Vom Königswäldchen an sind die Orte ausgeschildert - ob es nun Richtung Rittersdorf oder Echternach gehen soll.
Auch finden sich Hinweise auf Nimstal- und Kylltalradweg. Und auf einmal klappt es auch. In der Innenstadt stehen zwar hier und da einige Schilder zu diesen Radwegen, aber es sind keine genauen Routen konsequent dorthin ausgewiesen sind. Verfahren gehört also, so lange man sich als Orts-unkundiger in Bitburg bewegt, dazu. Damit ist außerhalb des Stadtgebiets Schluss. Fährt man weiter in Richtung Matzen, so ist die Landschaft geprägt von kleinen Wäldern, Feldern und Wiesen. Nur wenige Fahrminuten abseits des Innenstadt-Rummels kann man hier entspannt radeln. Auch die Beschilderung ist jetzt gut - ohne Orientierungs-Probleme geht es so nach Matzen. Ob man nun weiter Richtung Erdorf auf den Kylltalradweg fährt oder doch lieber woanders hin: Nun rollt's.

Kritik von Radfahrern: Karin Blesius aus Bitburg ist oft mit dem Rad unterwegs und lobt die Fahrradwege außerhalb der Stadt rund ums Königswäldchen. Doch auch sie kritisiert: "Die Bedingungen für Radfahrer in der Innenstadt sind sehr schlecht." Hinzu kommt: "Die Autofahrer haben kaum Verständnis für Radler." In Trier sei die Beziehung zwischen Auto- und Fahrradfahrer sehr viel besser, was aber auch an dem besseren Verkehrsnetz für Zweiradfahrer liegen würde. Hierin sieht sie auch den Grund, warum keine Mütter mit Fahrrad-Anhängern für Kinder auf den Bitburger Straßen zu sehen sind, es sei schlicht zu gefährlich. Diesen Standpunkt teilt auch der in Bitburg stationierte Amerikaner Argus Mandat. Er versuche manchmal sogar, auf den Bürgersteig auszuweichen, da das Fahren auf den Straßen sehr gefährlich sei.
Beide Befragten wünschen sich, dass die Innenstadt fahrradfreundlicher gestaltet wird - zum Beispiel durch Fahrradwege und eine detailliertere Beschilderung.
Leser-Echo:
Radfahren in Bitburg - was ist Ihre Meinung dazu ? Läuft es eigentlich ganz gut oder besteht Handlungsbedarf? Was ist Ihr größtes Ärgernis, Ihr schlimmstes Erlebnis? Was könnte besser sein? Oder wird Bitburg einfach nie eine Fahrradstadt?
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