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Ein halbes Jahrhundert Vergnügen

Eifern den „Alten“ nach: Die Kinder der Bitburger Volkstanzgruppe. TV-Foto: Archiv/Rudolf Höser
Eifern den „Alten“ nach: Die Kinder der Bitburger Volkstanzgruppe. TV-Foto: Archiv/Rudolf Höser
50 Jahre Freude, Tatkraft und Idealismus: Die Volkstanzgruppe Bitburg kann am 5. September auf ein bewegtes halbes Jahrhundert zurückblicken. In der Tanzgruppe finden seit jeher Jung und Alt zusammen. Von unserer Mitarbeiterin Schirin Dammjakob

Bitburg. Rein in die Tanzschläppchen, und los geht's: Die vierjährige Merle kennt kein Halten mehr, als das "Mäuselied" von Kinderliedkomponist Detlev Jöcker aus den Lautsprechern ertönt: Es wird ausgelassen geklatscht, gehüpft und gestampft.

Merle ist eins von zehn weiteren Kindern aus der Volkstanz-"Zwergengruppe". Diese ist Teil der Bitburger Volkstanzgruppe, die am 5. September 50 Jahre alt wird.

"Es gibt in unserem Verein im Bereich Volkstanz fünf nach dem Alter eingeteilte Gruppen und im karnevalistischen Bereich vier, ebenfalls nach dem Alter gegliederte Kinder- und Jugendgarden", erklärt der Vereinsvorsitzende Ralf Butterweck, der selbst schon seit über 37 Jahren tanzt und vor allem den Zusammenhalt und das Zusammensein von Jung und Alt schätzt.

"Das Heranführen an den Tanz und die Musik ist unser Ziel", erzählt die Gruppenleiterin der "Zwergengruppe" Steffi Perings, deren Tochter Merle schon seit zwei Jahren in der Gruppe mittanzt. "Schön wäre es, wenn sie nach der ‚Zwergengruppe' auch Lust hätte, in der Gruppe für Jugendliche mitzumachen", sagt ihre Mutter.

"Das sind alles meine Freunde", sagt die kleine Merle verlegen und zeigt auf die anderen Kinder, die im Ballettsaal im Bedahaus regelmäßig zum Tanzen zusammenkommen.

Was schon bei den Kleinen früh anfängt, ist bei den Großen seit langem der Fall: Kontakte knüpfen, sich gemeinsam bewegen und ein Gefühl von Gemeinschaft entwickeln sind wichtige Elemente des Vereins der Volkstanzgruppe, der viele langjährige Freundschaften mit anderen Tanzgruppen wie mit der Loipersdorfer Gruppe aus Österreich oder mit der Gruppe aus Hernig in Dänemark pflegt.

"Früher sind wir auch oft ins Ausland gereist", erzählt Butterweck. Sogar vorm König von Jordanien habe er mit seiner Volkstanzgruppe schon getanzt. "Sicherlich auch ein Höhepunkt war die Papstaudienz in Rom", sagt der Vereinsvorsitzende. "Ein Erlebnis, das ich überdies immer im Gedächtnis behalten werde, ist der Besuch in Odessa, einer ukrainischen Hafenstadt", erzählt Butterweck. Zu zehnt mussten sie sich dort einen Cracker teilen, weil es nicht mehr zu essen gab. "Eigentlich ist es aber dennoch überall schön, denn jeder Ort hat seine ganz eigene Geschichte", sagt Butterweck.

"Leider sind so große Reisen aus finanziellen Gründen heute kaum noch möglich", klagt Heinz-Peter Fuchsen, der mit seinen 54 Jahren das älteste Vereinsmitglied ist und über den Verein vor vielen Jahren sogar seine Frau kennengelernt hat. "Gemeinsam in Bewegung bleiben und viele andere interessante Menschen kennenlernen, das ist einfach toll", sagt Fuchsen.

Der Verein, der offen ist für Jung und Alt, kann im September auf ein erlebnisreiches halbes Jahrhundert zurückblicken. "Wir freuen uns auch immer über Nachwuchs. Davon lebt der Verein schließlich", sagt Steffi Perings, deren Tochter Merle es noch einmal auf den Punkt bringt: "Das Tanzen mit den anderen macht mir riesigen Spaß." Extra Der Verein der Volkstanzgruppe Bitburg wurde 1960 von Jadzia Simon, der Frau des Bitburger Brauereibesitzers Hanns Simon, gegründet. Ziel der Gründung war die Wiederbelebung der Musik- und Tanzkultur in der Nachkriegszeit. Jadzia Simon wollte die Menschen zusammenbringen - in einer Tanzgruppe. Der erste Auftritt der Gruppe fand 1960 in Aachen statt. Seitdem hat sich der Verein immer weiter entwickelt: So gibt es heute fünf Volkstanzgruppen, die auf Heimatfesten und Folklore- Festivals auftreten und so viele Bräuche, Musikstücke und alte Volkstänze vor dem Vergessen bewahren. Vier Kinder- und Jugendgarden treten während der Faschingszeit auf. Es gibt über 150 Mitglieder im Alter von drei bis 54 Jahren. Finanziert wird das Ganze von Beiträgen der Kommune, Sponsoren und öffentlichen Zuschüssen.