| 17:01 Uhr

Kolumne Pitter
Ein heilloses Durcheinander

FOTO: TV / Werhan, Michael
Diese Bitburger, jetzt schießen sie aber wirklich den Vogel ab! Von wegen Tradition verpflichtet. Nö! Was schert mich mein Fest von gestern. In unserer kreiseligen Kreis­stadt ist man ja voller Sorge, dass ein Innenstadtring den ganzen Verkehr durcheinanderbringt, weil dann alle nur noch linksrum fahren (was ist daran durcheinander?

), sich keiner mehr zurechtfindet (immer den anderen hinterher, bis man da ist, wo man hin will) und der ganze Einzelhandel in der Fußgängerzone zum Erliegen kommt, weil keiner mehr kaufen kommt (das Ring-Ding ging genau rund um die Fußgängerzone – wenn die nicht erreichbar war, weiß ich es auch nicht). Aber egal. Ich finde mich in meinem Bitburg so oder so zurecht. Dachte ich. Tja, aber das wird jetzt zu meinem Leib- und Magenfest, dem Grenzlandtreffen, anders. Kein Umzug mehr, den man einfach entspannt an sich vorbeiziehen lassen kann mit diesen philosophisch-reizvollen Löchern zwischen den Gruppen, die Raum für eigene Gedanken geschaffen haben. Jetzt muss man zwischen den einzelnen Bühnen hin- und herrennen und sich seinen eigenen Zug zusammenstellen. Wäre es da nicht wirklich wichtig, dass wir zumindest am Abend, wenn die Sonne langsam untergeht und der Bit-Spiegel langsam steigt, wissen, wo wir hingehören? Da lob’ ich mir den guten alten Festplatz. Da war der Pizzastand seit Jahren und Jahrzehnten immer an der gleichen Ecke, das Festzelt auch, die Sekt-, Cocktail- und Bierstände natürlich auch. Jeder kannte sich auf diesem Platz aus, wusste, wie die Wege gehen und hatte sein persönliches Trampelpfädchen, auf dem er von Jahr zu Jahr an den gleichen markanten Punkten die gleichen markanten Leute traf. Und jetzt? Es werden Heerscharen auf der Suche nach Speis und Trank und unterwegs zum Do-it-your-self-Zug ziel- und planlos durch die Stadt irren. Wir brauchen Verkehrs-Scouts wie bei Erstklässlern, „Nächste Pizza 500 Meter“-Schilder und haben keine Ahnung, wo wir unsere Leute finden. Ich fordere: Lasst uns endlich unseren Kyllhafen bauen, dann treten die Folklore-Gruppen am Ufer auf, wir tuckern von einem Tanz- oder Musikverein zum nächsten und trinken „One-for-the-Road“-Bierchen an Deck, ohne uns um Wege und Verkehr Gedanken machen zu müssen. Das wär’s! Prost, euer

FOTO: TV / Werhan, Michael