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Geschichte
Ein lebendiges Stück Geschichte

Anita Consdorf, Werner-Peter Streit und Rudolf Haus (von links) haben fürs Foto wieder auf der Schulbank Platz genommen. Wenn Gruppen kommen, hält Werner-Peter Streit mit ihnen auf Wusch sogar Unterricht.
Anita Consdorf, Werner-Peter Streit und Rudolf Haus (von links) haben fürs Foto wieder auf der Schulbank Platz genommen. Wenn Gruppen kommen, hält Werner-Peter Streit mit ihnen auf Wusch sogar Unterricht. FOTO: Christina Bents
Speicher. Das Museum der Verbandsgemeinde Speicher in der Eifel besteht seit 30 Jahren. Dazu wird es einige Ausstellungen und Aktionen geben. Bisher haben rund 35 000 Besucher die etwa 25 000 gezeigten Stücke betrachtet.

„Der Schüler Schmitz hat zum wiederholten Mal seine Bibeltexte nicht gelernt und erhält dafür zwei Schläge auf die Hand“, so steht es in einem Klassenbuch, das im Museum in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ausliegt.

Einen kompletten Schulraum hat Werner-Peter Streit, ehrenamtlicher Museumsleiter, mit seinem Team und Unterstützung der Verbandsgemeinde eingerichtet. Hier stehen fünf originale Schulbänke aus den 40er Jahren aus der Schule in Beilingen, dazu alte Schulkarten, Ranzen, ein Lehrerpult  und eine Tafel. Rudolf Haus, seit zehn Jahren im Arbeitskreis Museum, berichtet: „Der Schulraum ist für viele eine Erinnerung, wenn sie sich mit ehemaligen Schulkameraden treffen. Kinder finden es sehr spannend zu sehen, wie Schule früher war.“

Doch das ist nicht das Einzige, was man auf fast 900 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Etagen entdecken kann. Es gibt beispielsweise eine Küche, eine Druckerei, ein Friseursalon, einen Zahnarzt, einen Tante- Emma-Laden, verschiedene Handwerke, wie Schuster, Sattler, Bürstenmacher oder Anstreicher zu sehen.

Eine Spinnstube und Webkammer werden bei verschiedenen Veranstaltungen genutzt, um diese Handarbeiten vorzuführen. Religiöse Gegenstände, ein Schlaf- und ein Brautzimmer haben hier ebenso eine neue Heimat gefunden, wie Kinderspielzeug, eine Brennerei, eine Waschküche und landwirtschaftliche Geräte.

Besonders sind die alten Straßenschilder von Speicher, das ehemalige Amtsgefängnis, in dem man in einer Zelle die Enge dieses Raums hautnah spüren kann. Im Luftschutzkeller zeigen Fotos die Zerstörung in Speicher im Zweiten Weltkrieg.

Eine besondere Ecke für Werner-Peter Streit ist der Bereich „Not macht erfinderisch“, in der Unikate stehen, die aus Kriegsmaterial hergestellt wurden, beispielsweise eine Bluse aus Ballonseide oder ein Pullover aus Fäden von Leinensäcken. Direkt daran angrenzend sind Zeugnisse, mit der Überschrift „Nie wieder Krieg“ versehen. Zeitungsartikel, Orden, Fotos und Dokumente aus der Zeit zwischen 1933 und 1948 sind hier ausgestellt.

Der 93-jährige Museumsleiter erklärt: „Ich habe diese Zeit selbst erlebt, und heute ist es kaum noch vorstellbar, wie es damals gewesen ist. Diese Stücke sollen zum Nachdenken anregen.“

Doch der Museumsleiter lebt nicht in der Vergangenheit. Er engagiert sich für sein Ehrenamt und es ist ihm wichtig, dass das Museum lebendig ist. Deshalb nutzt er seine Kontakte in Sammlerkreise und findet immer wieder neue Themen, denen er sich im Museum widmet.

Ob das die gerade zu Ende gegangene Hutausstellung ist, oder eine, bei der sich alles um „Kunst am Finger“ gedreht hat. „Sehr erfolgreich waren auch die Ausstellungen „Sandstein prägt unsere Dörfer“ und die römische Meile, die wir im Zusammenhang mit dem rheinischen Landesmuseum gemacht haben“, sagt Werner-Peter Streit. Weiter erklärt er: „Selbst die römischen Lampen, die wir einmal hier hatten, kamen an.“

Insgesamt gab es in den vergangenen 30 Jahren 50 wechselnde Ausstellungen, die neben den festen Bereichen zu sehen sind. Oft sind es Sammler oder Künstler, die hier ausstellen. „Es muss aber schon eine gewisse Qualität und am besten mit der Region zu tun haben“, betont der Museumschef.

Anita Consdorf, Mitglied des Arbeitskreises, sagt: „Wir nehmen hier keinen Schrott, um die Ausstellung nicht überladen. Durch die Beschriftung ist es sehr übersichtlich.“

Im Jahr werden rund zehn Lesungen, Vorträge, Mundartabende und die Adventsausstellung veranstaltet, um das Gebäude lebendig zu halten. Neben Bundestags- und Landtagsabgeordneten, war schon der Kommandeur der Bundeswehr Gerolstein mit einer Gruppe da. Einmalig ist neben den liebevoll und aussagekräftig gestalteten Ausstellungsflächen vor allem der Museumsbau.

Schon im Eingangsbereich sieht man kunstvoll gestaltete Bleiverglasungen, die die Orte der Verbandsgemeinde zeigen. Auch alte Eichentreppen und einen originalen Panzerschrank haben nicht alle Museen vorzuweisen. Manfred Rodens, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, erklärt stolz: „Es ist toll, dass es das Museum gibt, in dem Tradition und Kulturgüter einen Platz haben. Sonst würde vieles verloren gehen.“

Das Museum hat dienstags bis freitags und an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Geräte aus der Landwirtschaft und der Viehhaltung haben in Speicher einen eigenen Raum.
Geräte aus der Landwirtschaft und der Viehhaltung haben in Speicher einen eigenen Raum. FOTO: Christina Bents
Auch Barbie-Puppen sind in Speicher ausgestellt.
Auch Barbie-Puppen sind in Speicher ausgestellt. FOTO: Christina Bents
Werner-Peter Streit in der Werkstatt des Museums, wo schon ein Laufrad für die nächste Ausstellung steht und ein Keramiktopf hergerichtet wird.
Werner-Peter Streit in der Werkstatt des Museums, wo schon ein Laufrad für die nächste Ausstellung steht und ein Keramiktopf hergerichtet wird. FOTO: Christina Bents
Die ersten Stücke für die Keramikausstellung sind schon fertig.
Die ersten Stücke für die Keramikausstellung sind schon fertig. FOTO: Christina Bents
Alte Tornister hängen im Klassenraum.
Alte Tornister hängen im Klassenraum. FOTO: Christina Bents
Im Sparkassenschild aus vergangenen Tagen hängt im original Panzerschrank des Museums.
Im Sparkassenschild aus vergangenen Tagen hängt im original Panzerschrank des Museums. FOTO: Christina Bents
Straßenschilder aus Speicher haben hier einen Platz gefunden.
Straßenschilder aus Speicher haben hier einen Platz gefunden. FOTO: Christina Bents
Eine Gefängniszelle ist im Museum zu sehen.
Eine Gefängniszelle ist im Museum zu sehen. FOTO: Christina Bents