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Ein wunderschönes Stück Natur

Dudeldorf. In diesen Wochen dreht sich im ehemaligen Pfarr- und Obstgarten in Dudeldorf alles um die Ernte. Vögel helfen für den Eigenbedarf mit. Und auch sonst ist das von altem Buchs strukturierte Gelände mit dem herausragenden Gartenhäuschen des niederländischen Ehepaars van Oest naturfreundlich. Kathrin Hofmeister

Dudeldorf. Das Bauernehepaar ist von der Ernte heimgekehrt. Er hat das Obst in einen Korb gestapelt. Sie trägt es in ihrer Schürze. Stolz stehen "Odem un Eve", wie die Dudeldorfer die beiden Steinfiguren im ehemaligen Pfarrgarten nennen, auf den Gesimsecken des Gartenhäuschens. "Die Rokokofiguren gelangten von Burg Kayl hierher", sagt Marc van Oest. "Man ahnte wohl, dass die Burg in Oberkail von Napoleon zerstört werden würde, und deshalb brachte man die Ferdinand Tietz zugeschriebenen Schmuckstücke in Sicherheit."
Vor etwa 20 Jahren hatte der damalige Besitzer des Alten Brauhauses, Rudolf Servatius, die Gelegenheit ergriffen, den Pfarrgarten zum Garten hinter dem Hotel dazuzukaufen. Vor fünf Jahren erwarben van Oest und seine Frau Anita das Areal.
Per Zufall in die Eifel


In das "Dorf mit Zukunft" kamen die beiden Niederländer eher zufällig. "Als ich mit dem Studium fertig war, gab es keine Stellen für Deutschlehrer", erzählt der ehemalige Germanist.
Nach einer Umschulung, zehn Jahren in der Automatisierungsindustrie und als ausgebildeter Kochlehrer wagte er den Schritt in die Gastronomie. Das eigene Hotel in den französischen Pyrenäen verkauften sie, als der Sohn ins Schulalter kam und sich die Örtlichkeit als zu abgeschieden entpuppte. "Für uns ist Dudeldorf direkt eine Metropole", sagt van Oest lachend.
Den Weg nach Dudeldorf, das in seiner Geschichte unter anderem zu den spanischen Niederlanden (1482 bis 1634) gehörte, finden neben Niederländern und Belgiern vor allem Kölner und Dortmunder. "Immer wieder gibt es Gäste, die sich mit dem Zeichenblock in den Garten setzen und den ganzen Nachmittag den klassizistischen Pavillon malen", erzählt der Hotellier.
Motive lassen sich in dem Garten denn auch zuhauf finden. Auf der Schwelle zwischen kultiviertem Grund und von der Natur zurückerobertem Terrain bietet er das, was Künstler mit einem schwärmerischen "pittoresk" und Ökologen mit naturnah bezeichnen. Gerade fliegen zwei Vögel in die Trauben an der alten Mauer, die den Garten schützend umgibt. "Im Frühling hatten wir Ornithologen, Vogelkundler, aus Belgien, zu Besuch", berichtet der Hausherr. "32 Vogelarten haben sie hier gesichtet." Ihr Urteil lautete einmütig, dass die Art und Weise, wie der Garten jetzt eingerichtet ist, ideal für die Tierwelt sei.
Versteckt hinter den Haselnusshecken schichtet van Oest abgeschnittene Äste auf. Totholz ist eines der wichtigsten Elemente im naturfreundlichen Garten. Als der 53-Jährige das Gelände übernahm, hatten Brombeerranken und Unkrautguerilla die einst gepflegte Anlage besetzt. Vier Tage lang befreite eine Gartenbaufirma den überwucherten Garten. Dabei wurden der ehemalige Springbrunnen und die mächtigen Buchse freigelegt. Die zutage getretenen Obstbäume liefern aktuell Äpfel für die Patisserie. Unter dem Blick von "Odem un Eve" kann Marc van Oest nun das tun, was der Bildhauer in Stein gemeißelt hat: ernten.
Rundgang durch das historische Dudeldorf: Durch das Obertor gelangt man in das schmucke, vielerorts noch fast mittelalterlich anmutende Dorf. 666 Jahre ist es mittlerweile her, dass den Dudeldorfer Bürgern das Recht verliehen wurde, ihren Ort mit einer Stadtmauer zu umgeben. Ein Teil dieser historischen Mauer endet am alten Pfarrgarten, wo sie teilweise von Trauben bedeckt ist. kf"Die überbackene Apfeltorte, eine Spezialität aus Südfrankreich, ist einfach, geht schnell und schmeckt lecker", sagt Marc van Oest. Dazu schält und entkernt er drei Äpfel, schneidet sie in Scheiben, brät sie mit ein wenig Butter an und löscht mit Armagnac. Das Ganze mit zwei Esslöffeln Zucker vermischen und auskühlen lassen. Ofen, je nach Gerät, auf 120°-200° C (nicht Umluft) vorheizen. Kuchenform buttern, mit frischem Blätterteig vom Bäcker auslegen und mit einer Gabel einstechen. Apfelscheiben so flach wie möglich darauf legen. Mit Blätterteig abdecken und mit einer Gabel verschließen. Oben mit Eigelb bestreichen. Tipp: Mit einer Nadel drei bis vier kleine Löcher stechen, damit der Dampf entweichen kann. Etwa 20 Minuten goldbraun backen. Nach Wunsch fünf Minuten vor Ende Torte mit Glacierzucker bestreuen. Lauwarm servieren, zum Beispiel mit Vanilleeis. kf