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Eine sanfte Form der Erinnerung: Stolpersteine in Kyllburg und Malberg

Der Künstler Gunter Demnig säubert die Steine, die er gerade in der Bahnhofstraße in Kyllburg verlegt hat. TV-Fotos (2): Christina Bents
Der Künstler Gunter Demnig säubert die Steine, die er gerade in der Bahnhofstraße in Kyllburg verlegt hat. TV-Fotos (2): Christina Bents FOTO: (e_eifel )
Kyllburg/Malberg. In Kyllburg und Malberg sind Stolpersteine für jüdische Bürger verlegt worden. Eine Urenkelin liest aus einem Brief vor. Christina Bents

Auf den Treppenstufen des Hauses Bahnhofstraße fünf in Kyllburg stehen vier Portraits von Menschen, die hier einmal gelebt haben. Es sind Fotos von Hermann, Sara, Joseph und Rebecka Nussbaum, die zwischen 1938 und 1942 von hier geflohen sind oder deportiert wurden. Angestoßen hat die Aktion der Arbeitskreis Stolpersteine, der aus der Offensive "Kyllburg Dajeh" hervorgegangen ist. Toni Nemes, Sprecher des Arbeitskreises, erklärt: "Wir haben in Malberg als auch in Kyllburg großen Zuspruch für die Aktion bekommen. Aus Archiven haben wir die Informationen zusammengetragen."

Bevor die Solpersteine gesetzt werden, zeichnet Demnig auf, wo sie genau hinsollen. Dann wird es laut. Mit seinen Werkzeugen schafft er Platz für die Stolpersteine. Zum Schluss wischt er sie sorgsam mit einem weißen Lappen ab.

Jetzt werden weiße Rosen und Teelichte daneben aufgestellt. Die Urenkelin von Sara und Hermann Nussbaum, Lisa Watson aus New Jersey und ihr Lebensgefährte, legen ebenfalls eine Rose nieder. Anschließend gedenken auch die rund 60 Menschen, die zu diesem Ereignis gekommen sind, darunter Umweltministerin Ulrike Höfken, der Juden, die hier einmal gewohnt haben.

Einige Kilometer weiter in Malberg werden in der Schlossstraße drei weitere Stolpersteine verlegt. Auch hier sind etwa 60 Menschen gekommen, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Es gab einen emotionalen Moment, als Inge Solschenbach vorlas, was ihr Vater Hubert Weinand, Jahrgang 1928, aufgeschrieben hat.

Er berichtet, wie er 1938 die Reichspogromnacht in Malberg erlebt hat: "Ich war damals noch keine zehn Jahre alt und spielte mit einem Freund am Fluss, als wir Gepolter und Weinen aus dem Haus Nummer 3, dem Judenhaus, hörten. Wir liefen hin und sahen, wie ein Männertrupp es plünderte. Bilder und Haushaltswaren flogen aus dem Fenster." Weiter erklärt er: "Damals hieß es, die Juden würden in Sammellager gebracht. Erst einmal kamen Nussbaums aber in den Keller des Hopfenhauses, wo Nachbarn sie abends mit Essen und Trinken versorgt haben. Dann waren sie weg." Ich frage mich bis heute: "Wo waren sie bis 1942? Keiner hat je darüber gesprochen."
Tränen in die Augen bekamen einige der Besucher, als Lisa Watson einen Brief ihrer Mutter vorlas. Darin heißt es: "Meine Familie konnte nicht unbefangen über ihre Zeit in Deutschland sprechen. Die Geschichte blieb uns verschlossen. Es gibt so viele nicht-erzählte Erinnerungen."

Weiter sagt sie: "Mit den Stolpersteinen verbinde ich Erleichterung, es ist damit etwas zum Abschluss gekommen. Ich bin dankbar, dass meine Familie so in Erinnerung bleibt." Lisa Watson sprach zum Abschluss das jüdische Kaddisch-Gebet, dass nach dem Tod eines Angehörigen gesprochen wird. Musikalisch umrahmte Catrin Stecker mit ihrer Klarinette die Zusammenkunft nach der Feierstunde. Für den Arbeitskreis Stolpersteine ist das hier erst der Anfang seines Engagements. 1933 lebten rund 50 Juden in Malberg und Kyllburg, 1942 waren es noch fünf.

Toni Nemes sagt: "Wir wollen noch weiter forschen, wobei viele der Juden nach Südamerika geflohen sind, und da wären spanische Sprachkenntnisse wichtig."

Durch die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Stolpersteine wächst der Arbeitskreis. Es sind zu den bisher vier bis fünf Mitgliedern zwei weitere dazu gestoßen. "Für die Angehörigen ist es sehr wichtig, dass hier Menschen sind, die sich der Geschichte annehmen. Das wollen wir so weitermachen", verspricht der Sprecher der Gruppe.

Die Urenkelin Lisa Watson spricht ein Gebet während der Gedenkfeierlichkeit.
Die Urenkelin Lisa Watson spricht ein Gebet während der Gedenkfeierlichkeit. FOTO: (e_eifel )