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Kurioses
Zweimal geblitzt: Von Kenn nach Wolsfeld in 0 Sekunden

Nicht unfehlbar: Auch Blitzer können offenbar irren, oder zumindest die, die sie auswerten.
Nicht unfehlbar: Auch Blitzer können offenbar irren, oder zumindest die, die sie auswerten. FOTO: TV / Friedemann Vetter
Prümzurlay. Ein Blitzer, zwei Bußgeldbescheide: Johann Reuter aus Prümzurlay soll zur selben Zeit in Kenn und in Wolsfeld zu schnell gefahren sein. Er kann beweisen, dass das nicht so war – und vermutet weitere Opfer. Von Christian Thome

Johann Reuter aus Prümzurlay ist auf dem Weg von Bitburg nach Echternach. Entspannt sitzt er am Steuer seines Autos und denkt an nichts Böses. Plötzlich, rotes Licht. Reuter erschrickt. Was war das? Wenige Sekunden später weicht der Schrecken dem Ärger. Er blickt auf das Schild, das ihm zeigt, dass er lediglich 70 Stundenkilometer fahren darf. Doch es waren mehr – und er wurde erwischt. Reuter ist das widerfahren, was wohl alle Autofahrer hassen: Er ist geblitzt worden. Doch das ist erst der Anfang der Geschichte.

Als eine Woche später der Bußgeldbescheid ins Haus flattert, ärgert sich Reuter wieder. 14 Stundenkilometer zu schnell ist er gefahren. 20 Euro will Vater Staat von ihm. Naja, denkt sich der Eifeler und bezahlt artig seine Rechnung. Geschichte beendet. Wirklich? Nein. Einen Tag später bekommt Reuter erneut Post. Wieder von der Polizei, wieder ein Bußgeldbescheid. Wieder ist er 84 Kilometer pro Stunde gefahren. Und das wieder zur gleichen Zeit. Moment, was?

Der zweite Bescheid besagt, dass Johann Reuter bei Kenn in einer 50er-Zone 84 gefahren sei und bestraft dies mit einem Punkt in Flensburg. Für diese Geschwindigkeitsüberschreitung außerhalb einer geschlossenen Ortslage werden zusätzlich 120 Euro fällig.  „Das kann ja nicht sein. Ich war an diesem Tag nicht in Kenn“, sagt er. Auch das Foto auf den beiden Briefen ist identisch, ebenso wie die Fotonummer. Es stimmt alles überein und doch stimmt – zumindest am zweiten Bescheid – rein garnichts. Als  er die Geschichte auf der Arbeit erzählt, glaubt ihm niemand. Zunächst lässt er auch absichtlich die beiden Bescheide außen vor und berichtet nur, was er erlebt hat. Aber das könnte ja jeder sagen. Geblitzt werden ohne an diesem Ort zu sein – das klingt doch sehr verrückt.

„Zum Glück kann ich beweisen, dass ich nicht in Kenn war“, freut sich Johann Reuter. Wie? Ganz einfach, er hat glücklicherweise den ersten Bescheid nicht weggeworfen und kann nun beide nebeneinander legen. „Wenn ich das nicht könnte, dann würde es mir sehr schwer fallen, den Fehler zu beweisen. So ist jedoch jede Verwechslung ausgeschlossen. Mit diesen Beweis wendet er sich umgehend an die Bußgeldstelle, will die teure Verwechslung nicht auf sich sitzen lassen. Er legt Widerspruch ein und wartet seitdem auf das Ergebnis. Zwei Wochen ist das nun her, gehört hat der Eifeler noch nichts.

Gibt die Behörde Reuters Widerspruch nach, kann er die Geschichte als Spaß ansehen: „Es ist eine witzige Geschichte, denn ich bin ja im Recht.“ Interessant werde es jedoch, wenn der Fall von Seiten der Behörde weiter verfolgt werde. Doch der Mitarbeiter des Forstamtes Bitburg denkt nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere Verkehrsteilnehmer. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieser technische Fehler nicht nur mich betrifft.“ Er habe das Glück, dass er den Beweis anführen kann. Doch wenn jemand den ersten Bescheid weggeworfen habe, dann sei das natürlich schwer. Und wenn ein technischer Fehler vorgelegen habe, dann sei durchaus nicht auszuschließen, dass noch mehrere Autofahrer mit diesem Problem zu kämpfen haben. Oder noch haben werden.

Für den Prümzurlayer hat die Geschichte noch einen Nebeneffekt: „Da sieht man mal, dass diese Maschinen auch nicht fehlerfrei sind und man nicht immer darauf vertrauen sollte, was sie anzeigen.“