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Dörfer
Einst aus Hisel, jetzt auf Hisel

 Ortsbürgermeister Peter Neyses hat bis Ende 2017 in Hisel gewohnt und lebt jetzt in Brimingen. Umziehen musste er dafür aber nicht.
Ortsbürgermeister Peter Neyses hat bis Ende 2017 in Hisel gewohnt und lebt jetzt in Brimingen. Umziehen musste er dafür aber nicht. FOTO: Uwe Hentschel
BRIMINGEN. Seit einem Jahr gehört die einst kleinste Gemeinde Deutschlands zum Nachbarort Brimingen. Einiges hat sich geändert, einiges noch nicht und manches bleibt einfach wie es war.

Als in der Silvesternacht 2017 die Böller in die Luft gingen, war Hisel Geschichte. Von einer Sekunde auf die nächste war die Eigenständigkeit der Gemeinde aufgehoben. Hisel, das mit seinen zuletzt neun Einwohnern zu den beiden kleinsten Dörfern Deutschlands zählte, wurde mit dem Start ins Jahr 2018 in Brimingen eingemeindet. So schnell kann es gehen. Zumindest auf dem Papier.

In der Praxis hingegen ist die Umstellung durchaus mit einigen Hürden verbunden, wie Peter Neyses aus eigener Erfahrung weiß. Bis zum 31. Dezember wohnte er in Hisel, einen Tag später in Brimingen. Das Haus blieb das gleiche, das Grundstück ebenso. Und trotzdem hat sich die Adresse geändert. Statt in Hisel wohnt er jetzt auf Hisel. So nämlich heißt die ehemalige Hiseler Dorfstraße jetzt. Die Menschen, die dort leben, wissen das. Die Menschen, die dort Pakete abliefern, müssen das erst noch lernen.

„Es kommt immer wieder mal vor, dass Bestellungen wieder zurückgehen“, sagt Neyses, der davon ausgeht, dass das auch noch eine Weile anhalten wird. Denn bis sämtliche Navigationsgeräte in den Zustellerfahrzeugen mit der Information versorgt sein werden, dass es im westlichsten Zipfel des Bitburger Lands eine Veränderung gab, werden wahrscheinlich noch einige Jahre ins Land gehen.

Zumal auch die Umstellung vor Ort auch noch etwas hinterherhinkt. Längst nicht alle Verkehrs- und Straßenschilder wurden bereits angepasst. Wer also über keinerlei Ortskenntnisse verfügt und dem Navi blind vertraut, ist unter Umständen lange „in“ Hisel unterwegs, bis er „auf“ Hisel fündig wird.

Für Neyses hat sich aber nicht nur die Adresse geändert, sondern auch die Zuständigkeit. Bis Silvester 2017 war er Ortsbürgermeister in Hisel, seit Neujahr 2018 ist er Ortsbürgermeister in Brimingen. Verbunden mit der Fusion war auch die Neuwahl von Gemeinderat und Bürgermeister. Und da der bisherige Gemeindechef aus Brimingen altersbedingt nicht mehr zur Wahl antreten wollte, hat Neyses diesen Job übernommen. „Das war natürlich schon eine Umstellung“, sagt er. „Schließlich hat sich die Zahl der Einwohner, für die ich zuständig bin, auf einmal verzehnfacht.“

Das bedeutet auch mehr Fläche und Infrastruktur, aber auch mehr Straßen und Wirtschaftswege. „Früher musste ich mir über den Winterdienst wenig Gedanken machen, weil bei uns alles Kreisstraße war, der Kreis also dafür zuständig war“, sagt Neyses. In (Alt-)Brimingen sei das aber nicht der Fall, weshalb er sich jetzt darum kümmern müsse, dass der Winterdienst überall gewährleistet sei.

Für Neyses ist das also mehr Arbeit,  die Gemeinde hat dafür weniger Kosten. Denn statt zwei Ortsbürgermeistern gibt es jetzt nur noch einen, für den eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden muss. In beiden Dörfern waren das zwar jeweils nur rund 300 Euro pro Monat. Doch hat die Aufwandsentschädigung in Hisel laut Neyses zu den größten Belastungen des Haushalts gehört. Während auf der anderen Seite die Steuereinnahmen bei neun Einwohnern dann doch eher bescheiden waren.

Durch die Fusion wird also Geld eingespart. Ausschlaggebend für den Zusammenschluss war aber letztlich die Fusionsprämie. Das Land hat 20 000 Euro beigesteuert, die VG Bitburger Land weitere 10 000 Euro. Das Geld fließt in den Schuldenabbau. Was unterm Strich bleibt, lässt sich derzeit aber nicht sagen, weil die Abschlüsse der letzten Haushaltsjahre noch nicht vorliegen.

Dass Hisel jetzt nur noch als Straßenname existiert, ist für Neyses selbst nicht weiter tragisch. Was daran liegt, dass er ohnehin ein gebürtiger Briminger ist. „Für die Menschen, die in Hisel geboren wurden und hier seit 70 oder 80 Jahren leben, ist das natürlich nicht so leicht“, fügt er hinzu. „Aber ich denke, das ist eine Frage der Zeit“, meint der Ortsbürgermeister. Irgendwann gewöhne man sich daran.

Ganz verschwunden ist Hisel ja ohnehin nicht. Zum einen bleibt es im Straßennamen erhalten, zum anderen auch im Wappen. Denn wie Neyses erklärt, wird derzeit ein neues Wappen für Brimingen erstellt. Und darin integriert seien auch Elemente des alten Hiseler Wappens. Und auch im Telefonbuch bleibt alles beim Alten. Während das ursprüngliche Brimingen zum Ortsnetz Mettendorf (06522) gehört, bleibt das eingegliederte Hisel weiterhin im Ortsnetz Oberweis (06527).  Den Ortsbürgermeister telefonisch zu erreichen, ist also kein Problem. Wer ihm allerdings einen Brief schreiben möchte, muss sich nicht wundern, wenn der Brief etwas länger unterwegs ist oder unter Umständen auch wieder zurückkommt.