| 21:35 Uhr

Ende am Prellbock

Vor 125 Jahren wurden zum Bau der Strecke Gerolstein-Prüm die ersten Bahngleise in der Westeifel verlegt. Zu diesem Anlass und vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die künftige Nutzung beschreibt die Interessengemeinschaft Westeifelbahn in einem Gastbeitrag die geschichtliche Entwicklung.

Gerolstein/Prüm. (red) Ein großes Jubiläum hätte es in diesem Jahr gegeben: Die im Sommer 1907 eröffneten Eisenbahn-Zweigstrecken Pronsfeld-Waxweiler und Pronsfeld-Neuerburg wären 100 Jahre alt geworden. Denn während mit der Eröffnung der Strecke Gerolstein-Prüm 1883 der Bahnbau in der Westeifel begann, wurden diese beiden Zweigstrecken erst als letzte eröffnet.Aus der Bahnstrecke wird ein Radweg

Obgleich sie zunächst wirtschaftlichen Aufschwung brachten, endete dann auch der Personenverkehr von Pronsfeld nach Waxweiler bereits wieder 1965 und von Pronsfeld nach Neuerburg 1969. Beide Strecken blieben aber im Schienengüterverkehr zunächst unverzichtbar und wurden noch bis in die 80er Jahre weiterbetrieben.Die letzte Sonderfahrt von Pronsfeld nach Neuerburg verkehrte 1988. Im Jahr zuvor hatten bereits die "Eisenbahnfreunde Vulkaneifel" die traurige Ehre gehabt, die letzten Zugfahrten von Pronsfeld nach Waxweiler zu unternehmen, als hier die Gesamtstilllegung und der anschließende Gleisabbau bereits nach exakt 90 Jahren im Jahr 1987 erfolgten. Am selben Maitag 1987 fand seinerzeit auch die Abschiedsfahrt von Pronsfeld nach Bleialf statt. Auf den Bahntrassen Pronsfeld-Waxweiler und Pronsfeld-Bleialf-St.Vith wurden bereits Radwege fertiggestellt. Der Radweg auf der jetzt 100 Jahre alten Bahntrasse von Pronsfeld bis Neuerburg wird auch in naher Zukunft in voller Länge befahrbar sein. Zugfahrten wird es auf diesen Strecken allerdings nie mehr geben - die Entwidmung der Bahnflächen als unwiderrufliche Entscheidung ist längst erfolgt. Pronsfeld wird zukünftig zum Knoten von vier Radwegen - wie einst von vier Bahnstrecken.Einst zweigleisige Streckenführung, sind der Eisenbahnknoten Pronsfeld und selbst der Bahnhof Prüm längst "nur" noch Geschichte. 125 Jahre, nachdem die Bahn die Westeifel erreichte, ist derzeit einzig noch die (stillgelegte) Strecke von Gerolstein bis zum Ortsanfang von Prüm geblieben, wo die Strecke am Prellbock endet und ein neuer Bahnsteig entstehen könnte. Über ihr Schicksal müssen die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein demnächst gemeinsam entscheiden. Und dies wieder ähnlich wie bei den Anfängen der Bahn in der Westeifel. Denn während sich ab 1878 der Prümer Landrat von Demitz für den Bau der Bahnstrecke einsetzte und auch im Ministerium in Berlin vorsprach, wurde der Bau dadurch erschwert, dass Teile der Strecke im Kreisgebiet Daun liegen und der Kreis Daun und seine Gemeinden keine Zuschüsse zahlen wollten. Die drohende Stilllegung der Bleigruben in Bleialf schien zudem die Rentabilität des Projekts zu gefährden, so dass der Beginn des Bahnbaus in der Westeifel schließlich vor allem den Zuschüssen von Gewerbetreibenden als Privatpersonen zu verdanken war. Hiermit ist wiederum vergleichbar, dass sich heute private Gesellschaften um den Betrieb der Strecke als Draisinenbahn oder Touristikbahn bewerben und ebenfalls bereit sind hierfür erhebliche Eigenmittel einzubringen. Im Falle der Draisinenbahn sind die vorgesehenen Eigenmittel der "Draisinen Westeifel GmbH" mit 100 000 Euro sogar noch höher als die notwendige Investitionssumme der Kommunen, und es ist wiederum eine private Gesellschaft, die bereit ist, als Pionier für ein neuartiges Projekt hohe Risiken einzugehen. Extra Zur 125-Jahr-Feier der Strecke Gerolstein-Prüm möchte die "IG Westeifelbahn" 2008 mit einer Buchveröffentlichung an die Geschichte der Bahn in der Westeifel erinnern. Hierfür werden noch dringend historische Aufnahmen gesucht: Kontakt: Daniel Gruhnert, westeifelbahn@web.de Weitere Informationen zur "IG Westeifelbahn": www.ig-westeifelbahn.de. Die IG Westeifelbahn ist Mitglied der Arge Eifel - Nebenbahnen: www.eifel-nebenbahnen.de