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Entscheidung im zweiten Wahlgang

Bürgermeister Norbert Schneider (rechts) nimmt Berthold Majerus den Amtseid ab. TV-Foto: Manfred Reuter
Bürgermeister Norbert Schneider (rechts) nimmt Berthold Majerus den Amtseid ab. TV-Foto: Manfred Reuter
Neuer Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg ist Berthold Majerus (CDU). Der 49-Jährige setzte sich am Donnerstagabend gegen Paul Lentes (Liste Lentes) durch. Von unserem Redakteur Manfred Reuter Von Manfred Reuter

Neuerburg. Die Entscheidung war denkbar knapp. Mit 13 Stimmen von CDU und FDP wählte der Neuerburger VG-Rat am Donnerstag Berthold Majerus im zweiten Wahlgang zum Ersten Beigeordneten. Die elf Mandatsträger von SPD, Liste Lentes und UBV gaben Paul Lentes ihre Stimme.Für betretene Mienen im Lager der Union hatte indes das Ergebnis des ersten Wahlgangs gesorgt. Dort war es zu einem Patt von zwölf zu zwölf gekommen, nachdem offenbar ein Ratsmitlied der CDU für Lentes gestimmt hatte. Bis zum Schluss war zudem offen, ob der zu Beginn der Kandidatenkür als haushoher Favorit gehandelte und von der CDU zunächst vorgeschlagene Günter Scheidung doch noch antreten würde oder nicht. Offenbar war es der SPD aber nicht gelungen, für ihn auf den letzten Drücker doch noch eine verlässliche Mehrheit zu organisieren. Wie berichtet, hatte die CDU Scheiding vor einigen Wochen abgesagt, nachdem sich herausgestellt hatte, mit ihm einen SPD-Kandidaten nominiert zu haben. Sowohl CDU-Fraktionschef Matthias Lorig als auch Bürgermeister Norbert Schneider (parteilos) hatten eingangs dem früheren Ersten Beigeordneten für seine Arbeit gedankt. Er war Ende vergangenen Jahres von seinen politischen Ämtern zurückgetreten, weil gegen ihn wegen Betrugsverdachts ermittelt wird. Heftige Kritik an der CDU übte nach der Majerus-Wahl SPD-Fraktionschef Günter Colling. Es sei über die Fraktionsgrenzen hinweg abgesprochen gewesen, einen gemeinsamen Kandidaten benennen zu wollen. Dazu sei es nicht gekommen. Günter Scheiding wäre ein sehr guter, gemeinsamer Kandidat gewesen. Colling sagte in dem Kontext in Richtung CDU: "Das Kasperle-Theater mit Scheiding war blamabel." Und: "Man muss CDU-Mitglied sein. Ob man gut oder schlecht ist, spielt keine Rolle."UBV-Chef Peter Trauden schloss sich inhaltlich dem Vortrag Collings an. Er knöpfte sich die FDP vor: "Wenn die FDP Scheiding gerne gehabt hätte, dann hätte sie es in der Hand gehabt." FDP-Sprecher Günther Eichertz sagte, es sei bedauerlich, dass man nun über einen Kandidaten diskutiere, der nicht kandidiert habe. Die FDP habe von einer möglichen Bewerbung Scheidings nur über Umwege erfahren. Berthold Majerus dankte zum Schluss besonders CDU und FDP. Er bot allen Fraktionen eine gute Zusammenarbeit an. Meinung Schatten-Wahl Intensiver und kurioser könnte eine Wahl zum Ersten Beigeordneten einer Verbandsgemeinde kaum vonstatten gehen. Seit Monaten wird gesucht, gemunkelt und gestritten - und dann braucht die Union in Allianz mit der FDP auch noch zwei Wahlgänge, um ihren Kandidaten durchzusetzen. Damit fällt ein Schatten auf die dünne Mehrheit für Berthold Majerus, an dessen Kompetenz und Seriosität es ja überhaupt keinen Zweifel gibt. Paul Lentes hat mit dem Patt im ersten Wahlgang immerhin einen Achtungserfolg erzielt und mit seiner Kandidatur gezeigt, wie lebendig Demokratie sein kann. Unterdessen hat das ganze Prozedere gezeigt, wie unglücklich und ungeschickt die CDU im Verlauf der Kandidatenkür agiert hat. Dabei wirken nicht nur die Merkwürdigkeiten mit Blick auf das anfängliche Buhlen um Top-Kandidat Günter Scheiding befremdlich. Denn offenbar waren die "Indianer" in der Fraktion, deren Führung von der Kreisparteispitze zurückgepfiffen wurde, als man merkte, dass Scheiding SPD-Mann ist, nicht so informiert, wie man sich es gewünscht hätte. Verständlich also, wenn sich einer im ersten Wahlgang querstellt. Wer hat denn auch schon Lust, zum reinen Stimmvieh degradiert zu werden? m.reuter@volksfreund.deEXTRA VG-Rat in KürzeNeues Ratsmitglied: Bürgermeister Norbert Schneider begrüßte als neues Ratsmitglied für die UBV Arnold Theis aus Rodershausen. Er ist Nachfolger von Rudolf Spoden, der sein Mandat Ende 2007 niedergelegt hatte. Radwegebau: Mit einer Gegenstimme hat der Rat der Ausschreibung und dem Ausbau des Radwegs von Sinspelt über Mettendorf bis Enzen zugestimmt. Schul-Perspektiven: Auf Antrag der FDP beriet das Gremium im nichtöffentlichen Teil das Thema Schul-Perspektivplanung. Dies sei notwendig, sagte FDP-Sprecher Günther Eichertz, weil sich die Verbandsgemeinden mit Blick auf die bevorstehende Entwicklung allmählich positionieren müssten.