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Geschichte
Erinnerung an eine schreckliche Zeit

Orden, Postkarten und mehr: Das Kreismuseum sucht Leihgaben für  eine Sonderausstellung zum Ersten Weltkrieg. Eröffnung ist im November.
Orden, Postkarten und mehr: Das Kreismuseum sucht Leihgaben für eine Sonderausstellung zum Ersten Weltkrieg. Eröffnung ist im November. FOTO: tv / Kreismusuem
Bitburg/Prüm . Auf der Spur eines bereits 100 Jahre vergangenen Weltenbrands: Burkhard Kaufmann, Chef des Kreismuseums Bitburg, plant eine Sonderausstellung zum Ersten Weltkrieg im Raum Bitburg-Prüm. Dabei setzt er auf die Hilfe der Eifeler.

„Jeder Tritt ein Britt, jeder Stoß ein Franzos‘, jeder Schuss ein Russ.“ Brutale Parolen und eine regelrechte Kriegseuphorie begleiten die deutschen Soldaten, als sie 1914 in die Schlachten des Ersten Weltkriegs ziehen. Viele Menschen in Deutschland begeisterten sich für den bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte. Das böse Erwachen kommt für viele erst in den letzten Monaten, vor allem im Kriegswinter 1917, als sie merken, dass der Krieg Millionen Todesopfer kostet, die Bevölkerung hungert und friert.

Das galt besonders für das Gebiet des heutigen Eifelkreises, in dem es wenig nennenswerte Kampfhandlungen gab, der „Grande Guerre“ (Große Krieg) aber dennoch sichtbar war, die Folgen aber dennoch spürbar waren: Denn auch hier gab es Hunger,  Not und Leid. Auch hier gab es Familien, die um ihre Söhne trauerten, verletzte Heimkehrer und schockierende Nachrichten von der Front. „Von den Schlachten hat man fast gar nichts mitbekommen“, sagt Burkhard Kaufmann, Leiter des Kreismuseums in Bitburg, der eine Ausstellung zum Thema plant. Arbeitstitel: „14/18 und die Folgen: Der Erste Weltkrieg im Raum Bitburg-Prüm“. Tatsächlich fanden keine direkten Kriegshandlungen in der Region statt, sieht man von der Bombardierung einzelner Städte wie Trier mal  ab.

Aber Kaufmann erinnert daran, dass die Eifel als Aufmarschgebiet von Beginn an besonders betroffen war. „Prüm wurde gleich in den ersten Kriegstagen, Anfang August 1914, Standort des Oberkommandos der dritten Armee. Wochenlang ergossen sich endlose Militärkolonnen von den Bahnhöfen der Eifel ins Land mit Richtung auf Luxemburg und Belgien.

Und als im September die Festung Lüttich beschossen wurde, war der Kanonendonner in Prüm deutlich zu hören.“ Dennoch  wird in der Region an die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (George Frost Kennan) viel weniger  erinnert wird als an den Zweiten Weltkrieg – vielleicht, weil er sichtbar ungleich mehr Zerstörung in den Orten hinterließ.

Das sei sicherlich ein Grund, sagt Kaufmann. Zudem gebe es ja auch keine Zeitzeugen mehr. Für seine Ausstellung, die im November eröffnen soll – also 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs (Waffenstillstand war am 11. November 1918) – hat er bereits zahlreiche noch unveröffentlichte Dokumente, auf die er sich stützen kann: Tagebücher, Briefe, Fotos, Orden, Gemälde.

Dennoch wünschte er sich weitere Exponate, die in Familienbesitz sind und auf Eifeler Dachböden oder in Kellern aufbewahrt werden. Große Hoffnung setzt er dabei auf Feldpostbriefe und Postkarten, denn für die Soldaten, die an die Front mussten, war Bitburg ein wichtiger Umsteigebahnhof. „Damals wurden viele ,Letzte Grüße’ von dort verschickt“, erklärt Kaufmann.

Als Beispiel nennt er eine letzte Ansichtskarte vor dem Überschreiten der Grenze, die ein sächsischer Soldat an seine Eltern schickte. „Sonnabend sind wir dann in der Stadt Neuerburg angekommen, mußten aber auf der Straße bleiben, weil alles voll war (…) und die ganze Nacht Regen“, schrieb er damals.

Solche und weitere Erinnerungsstücke, wie sie sich oft in Privatbesitz finden, werden derzeit noch als Leihgaben für die Ausstellung gesucht. Deshalb ruft Burkhard Kaufmann die Eifeler zur Mithilfe auf.

Er selbst ist derweil auch auf der Suche nach Dokumenten. Neue Erkenntisse erhofft er sich von den Aufzeichnungen des damaligen Landrats des Kreises Bitburg, Graf Adelmann von Adelmannsfelden (1876 bis 1926).

Eine weitere heiße Spur  sind die vielen  Bilder, die die Frau des Landrats gemacht haben soll, die eine begeisterte  Fotografin war. Bis er alles zusammen hat, wird Kaufmann aber zunächst einmal durch zahlreiche Bestände sichten müssen - unter anderem im Bundesarchiv Ludwigsburg und im Staatsarchiv Luxemburg.

Jede  Menge Arbeit für eine Ausstellung, die, wie Kaufmann sagt, keine „Ordensparade“ werden soll, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit einer Zeit, die vielen heute fremd ist, aber ohne die man das gesamte 20. Jahrhundert, besonders den Zweiten Weltkrieg, nur schwer verstehen kann.

Die Besucher des Museumtags am Sonntag, 13. Mai, erhalten von 14 bis 17 Uhr einen ersten Einblick in das Projekt. Museumsleiter Burkhard Kaufmann stellt eine Auswahl von Ausstellungsobjekten vor und berichtet über die Ereignisse vor 100 Jahren. Eintritt: drei Euro, ermäßigt zwei Euro. Wer Dokumente als Leihgaben für die Ausstellung anbieten möchte, kann sich an das Kreismuseum wenden, Telefon 06561/683888; E-Mail: info@kreismuseum-bitburg-pruem.de