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"Es geht hier um Menschenleben"

Wo ist der Fluchtweg? Nicht nur die Beschilderung der Rettungswege, sondern der Brandschutz insgesamt ist im Verwaltungsgebäude der Neuerburger VG mangelhaft. Foto: Archiv/Waltraud Ewerhardt
Wo ist der Fluchtweg? Nicht nur die Beschilderung der Rettungswege, sondern der Brandschutz insgesamt ist im Verwaltungsgebäude der Neuerburger VG mangelhaft. Foto: Archiv/Waltraud Ewerhardt
Kurzfristig wurde die Tagesordnung der Sitzung des Neuerburger Verbandsgemeinderats noch geändert: Das Thema Brandschutz kam auf den Plan und entpuppte sich am Donnerstag als brisantester Punkt. Von unserer Redakteurin Nina Ebner Von Nina Ebner

Neuerburg. Drastischer hätte es Guido Plischek, seit Ende des vergangenen Jahres neuer feuerwehrtechnischer Bediensteter des Kreises Bitburg-Prüm und damit zuständig für den Brandschutz, am Donnerstagabend bei der Sitzung des Verbandsgemeinde-Rats Neuerburg nicht formulieren können: "Die Mitarbeiter dieses Hauses befinden sich in Gefahr, wenn sie hier arbeiten." Anfang des Jahres war Plischek zu Besuch im Neuerburger Verwaltungsgebäude und war nach eigener Aussage "entsetzt über die Zustände", die er vorgefunden habe. Fluchtwege fehlten, die Fenster waren zugeschraubt. Über das Treppenhaus könnte sich im Brandfall der Qualm wie bei einem Kamin in wenigen Minuten im ganzen Gebäude verteilen.

Problem ist so alt wie das Gebäude selbst



"Wenn es brennt, wären die Mitarbeiter gefangen, die Feuerwehr könnte sie nicht über Fenster retten", betonte der Brandschutz-Beauftragte. Zudem fand er überall in den Fluren leicht entflammbare Materialien - Papierstapel, Schränke, Stühle und Tische. "Ein weiteres Arbeiten in diesem Gebäude ist unter diesen Umständen nicht zulässig", appellierte Plischek an die Ratsmitglieder: "Es geht hier um Menschenleben."

Seinen alarmierenden Worten folgte ein hörbares Raunen im Sitzungssaal. Dabei, so machte VG-Chef Norbert Schneider deutlich, bestünden die Probleme schon, seit das Gebäude existiere. Damals, Anfang der 70er Jahre, sei der Brandschutz vernachlässigt worden. Doch in der Debatte um die fällige Sanierung des Verwaltungs-Gebäudes sei das Thema Brandschutz schon mehrmals auf der Tagesordnung im Rat gewesen. "Niemand von Ihnen kann sagen, dass er schlecht informiert wurde."

In einem ersten Schritt sind bereits sämtliche entflammbaren Materialien aus den Fluren entfernt worden. Auch sind Fenster gekennzeichnet, die sich im Brandfall öffnen lassen, und es gibt seit kurzem Rauchmelder. Doch damit ist es nicht getan. Plischek hat der VG ein Ultimatum gestellt: Bis zum 2. April muss die Verwaltung Aufträge ausgeschrieben und sogar erteilt haben: Das Treppenhaus soll von den Fluren abgetrennt und auf jeder Etage mit Brandschutz-Türen versehen werden. Außerdem bekommen Treppenhaus und Aufzug einen Rauchabzug, Fluchtwege werden ausgeschildert. Ganz billig wird das nicht, auch wenn in der Sitzung kein Wort über die Kosten fiel. Teils zähneknirschend, aber einstimmig gab der Rat seine Zustimmung, die Aufträge auszuschreiben.

Meinung

Was wäre wenn…

Nicht nur Freunde hat sich der neue Kreis-Brandschutz-Beauftragte Guido Plischek - zumindet im Neuerburger Rat - in seiner kurzen Amtszeit gemacht. Einige Ratsmitglieder warfen ihm "Übertreibung" vor, andere pochten auf einem "Das war doch schon immer so", und wieder andere verwiesen mit einem "Bei denen sieht's doch nicht anders aus" auf die Gebäude benachbarter Verbandsgemeinden. Fakt ist: Die VG Neuerburg schwimmt nicht im Geld, muss aber jetzt doch Einiges davon in die Hand nehmen, um den Brandschutz im Gebäude auf Vordermann zu bringen. Und das Traurige daran: Das Problem war seit Jahren bekannt, nur endgültig angegangen wurde es nicht. Gewiss, es gab Anläufe, es zu beheben: Im Rat stand das Thema Brandschutz schon einige Male auf der Tagesordnung. Nur passiert ist nichts, immer waren andere Ausgaben dringlicher. Die Verantwortlichen können froh sein, dass bislang nichts passiert ist. Denn wer hätte den Betroffenen noch unter die Augen treten wollen, wäre im Verwaltungsgebäude ein Feuer ausgebrochen und nicht alle hätten sich rechtzeitig retten können? Eine undenkbare Vorstellung - dank des energischen Auftritts des Brandschutz-Beauftragten bleibt sie zum Glück ein Gedankenspiel. n.ebner@volksfreund.de