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Experten suchen Gift auf dem Bitburger Flugplatz

FOTO: (e_bit )
Bitburg. Die US-Flugplätze Spangdahlem, Ramstein und auch Bitburg sind mit Perfluorierten Tensiden (PFT) belastet. Nun untersucht die Landesbehörde SGD Nord in Bitburg das neu erschlossene Gewerbegebiet im Shelterbereich B des Bitburger Flugplatzes. Diese Grundstücke werden bereits verkauft. Christian Moeris

Bitburg. Seit Jahren ist bekannt, dass US-Flugplätze wie Spangdahlem, Ramstein und auch der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt Bitburg mit Perfluorierten Tensiden (siehe Extra) belastet sind. "Doch nach neueren Untersuchungen auf dem Flugplatz Bitburg ist nicht nur der Bereich um die Landebahn betroffen", sagt Peter Berger, Grünen-Fraktionssprecher im Stadtrat. Berger: "Denn die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord hat nun bei sporadischen Bodenproben auch im Shelterbereich B Spuren des Umweltgiftes entdeckt." Er sei als Mitglied des Werksausschusses über erste Untersuchungsergebnisse der SGD informiert worden.
Fachmann berichtet im Stadtrat


B-Shelter-Bereich heißt: das Gewerbegebiet, das die Bundesanstalt für Immobilien (Bima), das Land und der Zweckverband Flugplatz Bitburg gemeinsam für 2,27 Millionen Euro erschlossen haben und das sich jetzt in der Vermarktung befindet. Das 27 Hektar große Areal zwischen dem Tower und der Hans-Bongers-Straße kann man nun auf einer frisch asphaltierten Ringstraße durchfahren. Sie ist noch nicht für den Verkehr freigegeben.
23 der 26 Flugzeughangars, in denen früher Jets der Air-Force untergestellt waren, wurden abgerissen, um Platz für Gewerbebetriebe zu schaffen. "Die Feuerwehr des US-Militärs hat den PFT-haltigen Löschschaum wohl im B-Shelter-Bereich vorsorglich um diese Hangars gespritzt, da dort bei der Betankung der Flugzeuge oftmals Kraftstoff ausgelaufen ist", vermutet Berger. Demnach sei die Theorie falsch, die Flugplatzwehr habe den giftigen Schaum nur bei Übungen im östlichen Bereich eingesetzt.
Doch die Landesbehörde SGD bestreitet, bereits Bodenproben im B-Shelter-Bereich entnommen zu haben.
"Der SGD Nord liegen keine konkreten Hinweise auf PFT-Belastungen in diesem Bereich vor", antwortet Pressesprecherin Sandra Hansen-Spurzem auf TV-Anfrage. Hansen-Spurzem gibt aber bekannt, "dass dort wegen der Vermarktung der Gewerbeflächen Untersuchungen vorgenommen werden." Genauere Informationen dazu, werde die Behörde erst nach der Untersuchung herausgeben. Wann das sein wird? Das kann die SGD nicht beantworten.
Vielleicht weiß der Zweckverband Flugplatz Bitburg Genaueres zum PFT-Gerücht? Im Zweckverband sind die Kommunen zusammengeschlossen, die den Flugplatz mit Hilfe von Land und Bund zu einem erfolgreichen Gewerbe- und Industriegebiet entwickeln wollen. Von konkreten Messergebnissen im B-Shelter-Bereich habe er noch nichts gehört, sagt Zweckverbandsleiter Helmut Berscheid. "Wenn sich allerdings PFT als großes Problem erweisen würde, könnte das die Vermarktung des Gewerbegebiets verzögern. Bislang haben wir erst ein Grundstück verkauft." Berscheid sagt, dass der B-Shelter-Bereich eigentlich bereits vor Jahren auf Altlasten wie ausgelaufene Betriebsstoffe untersucht worden sei. "Damals hatte aber noch niemand die PFT-Problematik auf dem Schirm, die rund um die US-Militärflugplätze erst ab 2013 bekannt geworden ist."
Doch welche Folgen könnte eine Belastung der Böden mit dem Umweltgift PFT für Bauherren im neuen Gewerbegebiet haben? Berger: "Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen, aber schlimmstenfalls könnte die Kontamination von Flächen ein Bauverbot in die Tiefe bedeuten. Dann wäre nach dem Guss einer Bodenplatte nach untenhin Schluss. Zunächst haben aber Ratsmitglieder und Bürger Anspruch auf ausführliche Information." Deshalb hat Berger bei Bürgermeister Joachim Kandels beantragt, die PFT-Untersuchung im Stadtrat zu thematisieren. Werner Krämer, Pressesprecher der Stadt, erklärt: "In der Mai-Sitzung wird das Thema von einem Experten der SGD Nord erläutert." Berger zieht aus dieser Ankündigung folgenden Schluss: "Wenn nichts mit PFT wäre, müsste auch niemand von der SGD Nord kommen."Meinung

Gute Gründe
Da mit der Vermarktung des neuen Gewerbegebiets einiges auf dem Spiel steht, ist es kaum verwunderlich, dass die Behörden nicht mit vorläufigen Ergebnissen hausieren gehen. Deshalb wird die SGD erst nach der Auswertung einer Vielzahl an Messpunkten und mit einem fundierten Ergebnis an die Öffentlichkeit gehen. Mit ihren bisherigen Veröffentlichungen in dieser PFT-Angelegenheit, die hauptsächlich das Gebiet rund um den Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem betrafen, hat die Behörde aber bewiesen, dass sie den Umweltskandal lückenlos aufklären will. Im Fall Bitburg wird das noch ein paar Tage dauern. c.moeris@volksfreund.deExtra

Die Flughafenfeuerwehren auf dem US-Flugplatz Spangdahlem sowie der ehemaligen Airbase Bitburg (bis 1994) mischten das Umweltgift PFT jahrzehntelang ihren Löschmitteln bei. Auf der Airbase Spangdahlem enthält der Schaum heute noch eine geringe Konzentration. Die Air Force hat angekündigt, ab 2017 nur noch PFT-freie Schäume zu verwenden. 2010 wurden die alten Schäume, die hohe PFT-Konzentrationen enthielten, ausgetauscht. Gespritzt wurde und wird mit dem giftigen Schaum nicht nur im Ernstfall, sondern auch bei zahlreichen Übungen der militärischen Wehren. Perfluorierte Tenside sind biologisch nicht abbaubar und belasten Boden, Grundwasser und Gewässer dauerhaft. Die Substanz hat in Tierversuchen krebserregende Eigenschaften gezeigt. Sie reichert sich im Fisch und im menschlichen Organismus an. Angler sollten daher wissen, ob ihre Gewässer betroffen sind. cmo