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Stadtentwicklung
Aus der Traum von Bollywood

"Perfekte Bedingungen": An der Ausstattung der Bitburger Sportschule liegt es nicht, dass das Projekt nicht zustande kommt.
"Perfekte Bedingungen": An der Ausstattung der Bitburger Sportschule liegt es nicht, dass das Projekt nicht zustande kommt. FOTO: Christian Altmayer / TV
Bitburg. Das Märchen von der indischen Fußballschule wird auf dem Bitburger Flugplatz nicht Wirklichkeit. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Es klang fast zu schön, um wahr zu sein. Und nun wird es auch nicht wahr: Die Firma „U Sports“ hatte geplant auf dem Bitburger Flugplatz ein Internat für junge indische Fußballer zu eröffnen. Ausgerechnet in der Bitburger Sportschule sollten die Asiaten von den Deutschen lernen, wie man auf internationalem Niveau kickt.

In dieses Projekt wollte das Unternehmen, das zum Weltkonzern „Tata Trust“ gehört, Millionen investieren (der TV berichtete). Es war eine Kampagne, die Indien langfristig zu einer Fußballnation machen, und Bitburg ein bisschen internationaler, vielleicht ein bisschen wohlhabender. Vergangenes Jahr, als dem TV die Pläne bekannt wurden, träumte Landrat Joachim Streit noch von Handelsbeziehungen zwischen Indern und Eifelern.

Nun ist nicht nur sein Traum zerplatzt – sondern auch der von Sportschulen-Leiter Fabian Ewertz. Und womöglich auch der Traum von 50 indischen Nachwuchskickern in Bitburg. Denn: „Aus der Fußballschule wird nichts“, wie Helmut Berscheid, der Vorsitzende des Zweckverbandes Flugplatz, sagt. Die asiatischen Investoren haben sich zurückgezogen, das Projekt abgeblasen. Dabei wirkten sie Ende November so euphorisch. Sen Supratik, Chef von „U-Sports“ sagte damals: Die Sportschule biete perfekte Bedingungen, ein Gesamtpaket, „alles auf einmal“. Was also kam dazwischen?

Dazwischen kam offenbar das Integrationsministerium, sagt Berscheid. Die Ausländerbehörde hatte zu prüfen, ob die indischen Jung-Fußballer eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen oder nicht. Denn Minderjährige, die in Deutschland leben und zur Schule gehen wollen, brauchen ein Visum. Um zu entscheiden, ob sie bleiben dürfen, ließen sich die Mainzer jede Menge Zeit. Zu viel Zeit für die Inder, meint Ewertz: „Das Warten auf die Entscheidung hat bei ihnen Unsicherheit ausgelöst.“ Deshalb seien sie abgesprungen.

Doch warum hat das alles denn so lange gedauert?  Auf Anfrage des TV teilt eine Sprecherin des Ministeriums mit: Das Projekt habe die „gesetzlichen Voraussetzungen“ nicht erfüllt. Und es sei nicht abschätzbar gewesen, ob die Bitburger das jemals geschafft hätten. Und das sind die Voraussetzungen: Ausländer unter 18 Jahren, die ohne ihre Eltern in Deutschland leben wollen, müssen in einem Internat wohnen und dort betreut werden. Zudem müssen sie eine internationale Schule besuchen, die auch Mädchen und Jungs aus anderen Nationen offensteht.

All das war auf dem Flugplatz in Planung. Ein Ableger der renommierten internationalen Schule in Düsseldorf wollte sich in einem eigens dafür errichteten Gebäude niederlassen und 200 Schüler aufnehmen. Das wären neben den Indern noch 150 Schüler aus anderen Ländern. Ein Hotelblock sollte zum Internat umgerüstet werden. Nur gab es dafür vom Landesjugendamt noch keine Betriebserlaubnis.

Ob es daran gelegen hat? Dazu gibt es keine Auskunft vom Ministerium. Nur so viel: In Mainz habe man sich mit der Entscheidung schwer getan, weil es ein solches Projekt in Rheinland-Pfalz bislang nicht gab. Das Vorhaben sollte daher dem Innenministerium vorgelegt werden. Und das hätte weitere Monate des Wartens bedeutet. Die Geduld der Inder war aber am Ende. Für die Beteiligten sei dies „bedauerlich“, räumt die Sprecherin des Integrationsministeriums ein. Immerhin habe man erhebliche Anstrengungen unternommen.

Davon kann Ewertz ein Lied singen. Der Bitburger hat für rund eine Million Euro eine Schule gebaut, die nun leer steht. Noch weiß er nicht, was er damit machen soll. Die internationale Schule aus Düsseldorf werde sich jedenfalls nicht dort niederlassen. Landrat Streit sieht die Schuld dafür  beim Ministerium und beim Landesjugendamt. Die Behörden hätten sich „sehr viel Zeit gelassen“, sagt er: „Da ist bei mir schon der Eindruck entstanden, dass das Projekt nicht wirklich gewollt war.“ Auch DRK-Chef Rainer Hoffmann ärgert sich. Das Rote Kreuz sollte den Betrieb des Internats übernehmen und hatte dafür eigens ein Konzept erarbeitet. „Wir haben da Herzblut rein gesteckt“, sagt er.

Die Mühe war umsonst. Aber ist das Projekt jetzt wirklich gestorben? Nicht ganz. Ewertz schließt nicht aus, weiter mit „U Sports“ zusammenzuarbeiten. „Die Dauerlösung“ sei zwar vom Tisch, sagt er. Die indischen Nachwuchskicker könnten aber weiter in Bitburg trainieren – sie dürfen nur nicht lange bleiben. Ein Touristenvisum reicht nur für drei Monate. Das erschwert das Kicken in Deutschland. Macht es aber nicht unmöglich.