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Stadtentwicklung
Flugplatz Bitburg: Umweltgift lähmt Verkauf neuer Gewerbeflächen

Hier geht's nicht weiter, im wörtlichen, wie im übertragenden Sinn. Den Verkauf der Gewerbeflächen hinter dem Zaun hat die Bima gestoppt.
Hier geht's nicht weiter, im wörtlichen, wie im übertragenden Sinn. Den Verkauf der Gewerbeflächen hinter dem Zaun hat die Bima gestoppt. FOTO: Christian Altmayer / TV
Bitburg. Wie stark ist der Bitburger Flugplatz mit krebserregenden Substanzen belastet? Diese Frage stellt sich seit Jahren. Doch die Untersuchungen sind noch nicht beendet. Und solange sie nicht abgeschlossen sind, sollen keine Gewerbeflächen mehr veräußert werden. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Die Straße endet vor einem Eisentor. Ein Schild steht am Fahrbahnrand, roter Kreis auf weißem Grund. Darunter der Hinweis: „Flugplatz. Betreten verboten!“ Hinter der Absperrung beginnt der sogenannte B-Shelter des Bitburger Flugplatzes. Die Bunker, in denen die amerikanischen Jets früher standen, erheben sich aus der Wiese. Sonst ist nicht viel zu sehen.

Dabei sollte das Tor längst offen sein und Firmengelände auf dem rund 27 Hektar messenden Gelände nordwestlich der Startbahn entstehen. Mehr als zwei Millionen Euro hatte die Erschließung der Gewerbeflächen gekostet (der TV berichtete). Seit rund fünf Jahren geht es nicht voran. Denn die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima, will die neuen Gewerbeflächen derzeit nicht verkaufen. Der Grund hat drei Buchstaben: PFT.

Die Abkürzung steht für eine Reihe von Substanzen, die in der Chemie als Perfluorierende Tenside zusammengefasst werden. Diese krebserregenden Stoffe schlummern im Erdreich unter dem Flugplatz. Das Problem: Das wussten Bund, Land und der Zweckverband Flugplatz noch nicht, als sie den B-Shelter 2013 erschlossen. Und erst recht wussten es nicht die Feuerwehrleute der amerikanischen Air-Base, die vor Jahren mit PFT-haltigen Löschschäumen auf dem ehemaligen US-Luftwaffenstützpunkt Brände erstickten.

Was bisher geschah: Im Sommer 2016 hat die Umweltbehörde des Landes, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, das Gelände auf die Chemikalien untersucht. Das Ergebnis: Weiträumige Gebiete östlich und südlich der Landebahn sind stark mit PFT belastet. Auch die Flüsse und Bäche im Umland sind betroffen.

Dass der Ursprung der Tenside auf den Übungsplätzen der US-Feuerwehren liegt, wurde damals gemutmaßt. Ebenso, dass sich die Substanzen über den Regen und das alte Kanalsystem der Amerikaner rund um diese „Hotspots“ verteilen konnten.

Doch Sicherheit über das Ausmaß der Belastung würden erst detaillierte Tests bringen, war man sich 2016 bei der SGD sicher. Also hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der große Teile des Flugplatzes gehören, bei einem Ingenieurbüro neue Untersuchungen in Auftrag gegeben.

Mit einem Abschluss der Untersuchungen rechneten die Behörden Ende 2017. Das sagte jedenfalls Joachim Gerke, Abteilungsleiter der SGD für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Bodenschutz, vor zwei Jahren zu einem TV-Reporter. Heute, vier Monate nach dem angepeilten Termin, muss er einräumen: Ein Ergebnis gibt es noch immer nicht. „Uns wäre es auch lieber, das würde schneller gehen“, sagt Gerke. Wie lange die Untersuchungen noch dauern werden, kann er nicht sagen. Er hoffe aber, dass bis dahin nicht noch Jahre ins Land gehen.

Was jetzt passiert: Solange nicht feststehe, wie hoch die Belastung ist und was man dagegen unternehmen kann, will die Bima die Gewerbeflächen nicht verkaufen. Das teilt ein Sprecher der Bundesanstalt auf Anfrage des TV mit. Dabei kann das PFT die Interessenten offenbar nicht schrecken:

Einige Firmen hätten Kaufanfragen für Grundstücke im B-Shelter gestellt. Dass die nichts von der Belastung wüssten, sei unmöglich, sagt der Sprecher: Die Bima führe die Verhandlungen offen und transparent. Er glaubt offenbar nicht daran, dass die Flächen gar nicht mehr vermarktet werden können, rechne aber „mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung.“

Wie es jetzt weitergeht: So sieht es auch Gerke von der SGD Nord. Denn: Zunächst hätten Gewerbetreibende vom PFT ja nichts zu befürchten. Die Stoffe blieben ja im Boden und träten nicht an die Luft: „Das ist wissenschaftlich belegt.“ Alles, was zu tun sei, um eine Verbreitung der Substanzen zu verhindern, sei demnach, ihnen „einen Deckel aufzusetzen“. Wenn eine Firma also eine Anlage auf ein Grundstück baue, werde der Boden versiegelt, erklärt er. Dadurch  könne der Regen die krebserregenden Stoffe nicht mehr ins Umland waschen. „Früher war es verpönt, die Altlasten zu überbauen. Aber die schlechteste Lösung ist das nicht“, sagt Gerke. Die andere Lösung wäre, den belasteten Boden auszubaggern und auf einer Deponie zu entsorgen. „Aber wir können auch nicht die ganze Welt ausbuddeln“, meint der Abteilungsleiter.

Wer das bezahlen wird: Über mögliche Kosten der Sanierungen will er nicht spekulieren. Dass die amerikanische Luftwaffe als Verursacher der Umweltschäden einen Teil übernimmt, scheint keine Option zu sein. Auf TV-Anfrage antwortet der Sprecher der Bima: „PFT-haltige Löschschäume zu verwenden, entsprach zum damaligen Zeitpunkt dem Stand der technischen Regeln.“ Und kann demnach offenbar auch nicht rückwirkend geahndet werden. Schlecht für die Eigentümer des Konversionsgebietes:

Denn schon jetzt sorgt die PFT-Belastung für Kosten. So ist etwa der Klärschlamm, der in der Anlage auf dem Flugplatz anfällt, erheblich belastet. „Normalerweise könnten wir den als Dünger verwenden“, sagt der Leiter der Bitburger Stadtwerke Bernd Goeblet, „Jetzt müssen wir ihn verbrennen.“ Und das geht ins Geld. Erst kürzlich hat der städtische Werksausschuss einer Firma aus Rittersdorf den Auftrag gegeben, rund 1000 Kubikmeter Schlamm zu entsorgen – für rund 84 000 Euro. Der  Schlamm hatte sich seit 2015 angehäuft. Es sind Kosten, die bislang die Stadt Bitburg trägt. Wenn es nach dem Werksleiter geht, könnte sich die Bundesanstalt ruhig beteiligen. Einen Antrag auf Kostenübernahme habe er gestellt.

Bislang stelle sich die Bundesanstalt aber „bockbeinig“, wie Goeblet im Ausschuss sagt. Man befinde sich zwar im Dialog. Doch der Werksleiter rechnet nach eigenen Angaben nicht „mit einer abschließenden Antwort der Bundesanstalt, solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind.“