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Flugplatz der vielen Visionen: Was auf der Ex-Air Base Bitburg alles nichts wurde

Bitburg. Orientalischer Basar, Airport, Energiepark, Krematorium oder Arena - seit die Amerikaner die Air Base Bitburg 1994 aufgaben, sollte auf diesem Gelände schon vieles entstehen. Ein Blick auf die geplatzten Träume aus 20 Jahren Konversionsgeschichte. Katharina Hammermann

Bitburg. Als der TV am 1. April 2005 berichtete, dass ein Adliger aus Niederweis eine Stiftung zur "Erquickung bedrängter Armer" gegründet habe und dass diese den Flugplatz Bitburg kaufen wolle, um eine für ihre Stehplätze bekannte Fluglinie von den Cayman-Inseln dazu zu verpflichten, zwischen Bitburg und Mallorca zu pendeln - da und wirklich nur da - handelte es sich um einen Aprilscherz.20 Jahre Konversion


All die anderen ungewöhnlichen Pläne, die der Ex-Air Base nach dem Abzug der Amerikaner Flügel verleihen sollten, gab es wirklich. Während die erfolgreiche Vermarktung des Gewerbegebiets als Bitburger Modell glänzte, wurden vor allem für die Rollbahn zahlreiche Visionen ersonnen, die zunächst strahlten, wie Leuchtraketen, die den staunenden Zuschauern Ahs und Ohs entlockten, ehe sie sich dann in Schall und Rauch verwandelten.
Wenn der größte Traum namens Bit-Airport (der in Bitburg Airport umbenannt werden musste, weil das Wörtchen "bite" auf Französisch Penis bedeutet) in Erfüllung gegangen wäre, dann würden schon seit 2011 Frachtmaschinen Ware aus Asien nach Bitburg liefern, seit 2012 Flugzeuge gewartet, seit 2013 Chartermaschinen Pauschalreisende in den Urlaub bringen. 2000 Arbeitsplätze, einen Terminal für 2,5 Millionen Passagiere jährlich und 400 Millionen Euro Investitionen hatte ein völlig unbekannter luxemburgischer Projektentwickler Bitburg im Oktober 2009 versprochen.
Die Mehrheit der Politiker glaubte an das Projekt und ließ den Mann machen. Daher hatte eine Alternatividee, die ein Unternehmer aus Speicher vorstellte, keine Chance: Er wollte mithilfe der Stadtwerke Trier und der Firma Juwi auf dem Flugplatz (der nach wie vor der Sportfliegerei dienen sollte) die größte Fotovoltaikanlage Deutschlands bauen, dazu eine Elektrotankstelle für Solarstrom und ein Dorf für Flugnarren, deren Häuser und Flugzeuggaragen direkt an der Landebahn liegen. Als 2012 immer noch kein Geld für den Bitburg Airport in Sicht war, wurde der Traum vom Fliegen beerdigt.
Doch gab es noch ganz andere Pläne und Ideen. 1995 tauchte plötzlich ein Niederländer im Vermarktungsbüro des Flugplatzes auf und fragte, was er tun müsse, wenn er das gesamte Gelände kaufen wolle. Er bot 30 Millionen DM und hatte eine Bankbestätigung gleich dabei. Seine Idee: Neben einem Orientalischen Basar sollten Kureinrichtungen entstehen sowie Hallen für die Aufzucht von Heilkräutern. Er versprach 4600 neue Arbeitsplätze. Also trat Landrat Roger Graef seine skurrilste Dienstreise an.
Sie führte ihn nach Amsterdam, wo 2600 Händler auf einem Basar des Niederländers lautstark für Gewürze, Teppiche oder Oliven warben - und er entschied, dass dies nicht die richtigen Arbeitsplätze für Bitburg seien. So platzte der Traum des Niederländers.
Eine ähnliche Enttäuschung musste 2002 auch ein Bitburger Architekt erleben, der die Bitburg-Arena bauen wollte - in der bis zu 5000 Zuschauer Sport-, Musik- oder andere Großveranstaltungen erleben und in der übrigen Zeit Skater Spaß haben sollten. Doch es fanden sich keine Investoren.
Auch aus der Idee, eine ehemalige Kirche auf dem Flugplatz in ein Krematorium zu verwandeln, wurde nichts. Das Krematorium steht nun in Hermeskeil, während die Kirche zum Table-Dance-Club wurde. Das heiß ersehnte flugaffine Gewerbe hatte es ebenfalls schwer: Eine luxemburgische Firma baute doch keine Flugzeuglackiererei. Ein Kleinflugzeughersteller meldete 2002 Insolvenz an und auch die Pläne einer deutsch-russischen Firma, die russische Hubschrauber für den westlichen Markt umbauen und 90 Arbeitsplätze schaffen wollte, nahmen ein trauriges Ende. 2009 entwickelte ein Trierer Entsorgungsunternehmen die Idee, in Bitburg ausgediente Flieger zu verschrotten. Die Genehmigung dafür wurde erteilt, doch über den Projektstatus kam das Ganze nie hinaus.
Das jüngste gescheiterte Großprojekt auf der Ex-Airbase ist ein Park für erneuerbare Energien. Eine Studie hat im Oktober gezeigt, dass dieser nicht wirtschaftlich wäre. Noch nicht ganz gestorben ist hingegen die Hoffnung für zwei andere Visionen. Die Pläne liegen allerdings auf Eis, solange das Trierer Landgericht nicht über die Räumungsklage des Bundes entschieden hat, der von der Flugplatz Bitburg GmbH erstmals eine Pacht für das Fluggelände haben will.
Es handelt sich dabei um die Anfrage der Firma John Deere, den Platz zu nutzen, um 1500 internationale Landmaschinenhändler zu schulen. Und es geht um die Idee eines Ernzener Unternehmers: 2013 kaufte er zwei große Flugzeughangars und kündigte an, dass eine davon zur Musicalhalle verwandelt werden soll, die andere in ein Eventcenter für Mallorcapartys oder Weihnachtsmärkte. Davor sollte ein zum Restaurant umfunktionierterJumbojet stehen. Eine der Hallen wäre allerdings auch für John Deere interessant. Die andere dient derzeit als Flugzeugparkplatz.
Was auch immer die Zukunft bringen mag - wenn es weitergeht wie bisher, wird es rund um die Rollbahn noch reichlich Überraschungen geben. Dient sie doch seit 20 Jahren schon als Projektionsfläche für fantastisch farbenfrohe Visionen.
Der TV beleuchtet in einer Reihe das Thema "20 Jahre Konversion".