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Fünf mal neun Meter voller Glaube

Das Altarbild in der Orlenbacher Dorfkapelle zeigt den Heiligen Peregrinus, dessen Beinwunde vom Gekreuzigten geheilt wird. Foto: Joachim Schröder
Das Altarbild in der Orlenbacher Dorfkapelle zeigt den Heiligen Peregrinus, dessen Beinwunde vom Gekreuzigten geheilt wird. Foto: Joachim Schröder
ORLENBACH. Es liegt etwas abseits im stillen Seitental der Prüm – das Dorf Orlenbach. Der 50 Einwohner zählende Ort im Lünebach-Tal kann mit einer kleinen Kostbarkeit aufwarten: Nirgendwo sonst im Trierer Land findet man einen Hinweis auf den Heiligen Peregrinus. ARRAY(0x3639c2a8)

Römerzeitliche Besiedlung ist im dritten nachchristlichen Jahrhundert nachgewiesen, die Toten wurden im Distrikt "Kastenrode" bestattet. Von einem ersten Bauerngehöft am linken Bachrand ist im 15. Jahrhundert die Rede, von hier ging die weitere Besiedlung aus. Im Mittelalter gehörte der Flecken "Orelbach" zum Kondominium Pronsfeld: Das "Junkerhaus" war trierisch, das "Brechelshaus" luxemburgisch. Die Kirche hielt Einzug ins Dorf, als im 18. Jahrhundert ein Mann aus Clerveaux in das Brechelshaus einheiratete. Aus diesem "Haus Hinterscheid" gingen einige Geistliche hervor, so Sohn Nikolaus, der 1747 Kaplan von Pronsfeld genannt wird. Er erbaute bereits vier Jahre zuvor die Kapelle in Orlenbach, die der Heiligen Walburga geweiht ist, und in Teilen noch dem heutigen Gotteshaus entspricht.Zwei Kostbarkeiten in kleiner Kapelle

Bei der Dorfkirche handelt es sich um einen einfachen Bau von etwa fünf mal neun Metern. Der Schlussstein der Tür verrät das Erbauerjahr 1743. Als im Zuge der Französischen Revolution das Kapellchen enteignet und versteigert wurde, kauften die Familien Brechels und Junker von dem Ansteigerer Begon aus Lünebach das Gotteshaus kurzerhand zurück. Auch eine Glocke hielt wieder Einzug im beschieferten Glockentürmchen. Zwei kostbare Kleinode schmücken die Kapelle: Das Votivbild mit der Kirchenpatronin Walburga und das Altarbild mit dem Heiligen Peregrinus. Das erstere, aus der Zeit um 1750 stammend, ist kulturgeschichtlich interessant, lässt es doch Einblicke zu in die Eifeler Volkskunde. Dieses Bild wurde als Gelöbnis am Wallfahrtsort angebracht. Die Trachten der Betenden verweisen auf die Bekleidung der Menschen vor rund 250 Jahren. Die Walburgis-Statue ist die Stiftung einer Familie für die glückliche Heimkehr eines Dorfsoldaten.Der Heilige Peregrinus als "Schwerrenmännchen"

Der Altar von 1743 zeigt im Mittelstück ein Wandbild mit der Darstellung des Heiligen Peregrinus, dessen Verehrung im Trierer Land nicht weiter bekannt ist. Der Orlenbacher Säulenaltar zeigt die Heilung einer Beinwunde durch den Gekreuzigten. Christus hat seinen rechten Arm vom Kreuzbalken gelöst und reicht dem Bittenden seine Hand. Über zwei Jahrhunderte lang reisten Wallfahrer und Pilger zu diesem von einem Geschwür geplagten Leidensgenossen. Im Volksmund hieß der Heilige daher "Schwerrenmännchen" (mundartlich abgeleitet von "Geschwür"). Peregrinus stammt aus Frankreich, war Mönch und ein frommer Pilger. Wie gerade dieser Heilige in Orlenbach Einzug hielt, ist nicht bekannt, hat aber wohl etwas mit den Kirchenstiftern zu tun. Am 7. Mai 1960 wurde nach der General-Renovierung die Dorfkirche eingeweiht. Im Dorf selbst wird am Namensfest der Heiligen Walburga (25. Februar) eine Messe als Pilgeramt zelebriert. Auch ist Orlenbach bis heute das Ziel einer Bittprozession aus dem Hauptort Pronsfeld geblieben. Wer mehr über Orlenbach wissen möchte, hat am 8. Februar um 19.25 Uhr die Gelegenheit. Dann zeigt der Südwestrundfunk in der Sendung "Hierzuland" Bilder aus dem kleinen Eifeldorf und seiner Kapelle.