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Stadtentwicklung
Galerie hin oder her: Sie machen weiter

Brigitte Krein betreibt nach wie vor in dem Haus an der Ecke von Trierer Straße und Gartenstraße ihr Büro- und Schreibwarengeschäft.
Brigitte Krein betreibt nach wie vor in dem Haus an der Ecke von Trierer Straße und Gartenstraße ihr Büro- und Schreibwarengeschäft. FOTO: Uwe Hentschel
BITBURG. Damit die Stadt die Gartenstraße im Zuge der Bit-Galerie-Pläne ausbauen kann, soll das grüne Haus an der Ecke zur Trierer Straße abgerissen werden. Doch die Inhaberin des Schreibwarengeschäfts ist noch immer da. Ähnlich wie Apotheker Robert Queckenberg, der sowieso nicht vorhat, zu weichen. Von Uwe Hentschel

Brigitte Krein nimmt es inzwischen recht gelassen. Geärgert hat sie sich darüber in der Vergangenheit schon genug. Das grüne Haus, in dem sie seit vielen Jahren ihr Schreibwarengeschäft betreibt, war schon des Öfteren in der Zeitung zu sehen – und zwar fast ausschließlich immer dann, wenn darüber berichtet wurde, was mit diesem Gebäude geplant ist. Vor fünf Jahren hat die Stadt das Haus für mehr als 400 000 Euro gekauft. Allerdings nicht, um das stadtbildprägende Gebäude zu sanieren, sondern um es abzureißen.

Die Stadt würde gerne den Knotenpunkt von Trierer Straße und Gartenstraße anders gestalten. Überhaupt gibt es Überlegungen, die gesamte Verkehrsführung im Bereich zwischen Gartenstraße, Bedaplatz, Bedastraße Karenweg und Trierer Straße zu ändern – vor allem mit Blick auf den geplanten Bau der Bit-Galerie.

Einen konkreten Ansatz zur Verkehrsänderung gibt es derzeit aber noch nicht. Das ist auch der Grund, warum das Haus Krein auch fünf Jahre nach dem Kauf immer noch steht und warum Brigitte Krein nach wie vor in dem Gebäude ihr Geschäft betreibt. Zwar hat sie bereits Ende 2013 das erste Kündigungsschreiben der Stadt erhalten. Doch in Folge wurde der Vertrag immer verlängert.

Entsprechend verwundert ist deshalb auch die Kundschaft. „Ich bekomme jeden Tag zu hören: Ach, Sie sind ja noch immer da!“, sagt Krein. Seit der geplante Abriss des Geschäftshauses ein öffentliches Thema sei, habe sie starke Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Immerhin: Die Stammkunden blieben ihr treu, sagt sie. Auch wenn sie auf dem Weg zu ihrem Geschäft an vielen leeren Schaufenstern vorbeikommen – zumindest, wenn sie sich aus Richtung Fußgängerzone dem Laden nähern. Dann nämlich führt der Weg vorbei an Gebäuden, die ebenfalls abgerissen werden sollen, um Platz für die Bit-Galerie zu schaffen.

Die ganze Ecke zwischen dem Kreissparkassengebäude in der Trierer Straße und der Einfahrt vom Karenweg in die Bedastraße soll für das neue Einkaufszentrum weichen. Einzige Ausnahme ist das Gebäude der Petrus-Apotheke ganz am Rand des Galerie-Gebiets. „Wir bleiben bestehen!“ steht in roten Großbuchstaben auf einer Tür. Die Tür selbst ist verschlossen und das Ladenlokal dahinter auch leer. Das aber nur, weil die Apotheke zwischenzeitlich umgebaut wurde.

1963 war die Apotheke in einem abgetrennten Bereich im Gebäude des Hotels Plein eröffnet worden. Einige Jahre später ergab sich für den Betreiber der Apotheke dann die Möglichkeit, das unmittelbar daran angrenzende Wohn- und Geschäftshaus zu kaufen. Mit einem Durchbruch in der Zwischenwand wurde das Geschäft erweitert. Weil aber das Hotel Plein und damit auch ein Teil des bisherigen Ladenlokals weg soll, Apotheker Robert Queckenberg sein Nachbarhaus aber nicht verkaufen will, wurde das Geschäft kürzlich umgebaut. „Wir haben den Durchgang wieder zugemauert, geben die Räume im Hotel Plein Ende des Monats wieder her und nutzen dafür jetzt zusätzlich die beiden Obergeschosse unseres Hauses“, sagt Queckenberg, der sich entschieden hat, nicht für die Bit-Galerie zu weichen.

„Für uns steht eindeutig fest, dass wir an dieser Stelle bleiben“, betont der Apotheker. „Wir haben das Gebäude mittlerweile saniert und modernisiert und werden dann irgendwann auch noch die Fassade neu streichen.“ Ein Verkauf seines Hauses an die Investoren des Einkaufszentrums komme für ihn nicht in Frage. Genauso wenig wie eine Beteiligung an dem Projekt. Er sei froh, dass seine Kunden direkt neben seinem Haus parken könnten und dafür nicht erst in eine Tiefgarage müssten, sagt Queckenberg.

So wie die Betreiberin des Schreibwarenladens in der Trierer Straße ihre Kundschaft immer wieder aufs Neue mit ihrer nach wie vor vorhandenen Geschäftsexistenz überrascht, muss auch der Apotheker regelmäßig Fragen seiner Kundschaft beantworten. Fragen, die in eine ähnliche Richtung gehen. Nur mit dem Unterschied, dass das eine Haus tatsächlich irgendwann mal abgerissen werden soll, das andere aber definitiv nicht. Solange jedoch nicht klar ist, wie es sowohl verkehrs- als auch bautechnisch zwischen diesen beiden Gebäuden weitergeht, spielt dieser Unterschied aber ohnehin keine Rolle.

Egal, ob die Bit-Galerie kommt oder auch nicht: Die Petrus-Apotheke, die im Karenweg am Rand des überlangen Areals liegt, wird auf jeden Fall bleiben.
Egal, ob die Bit-Galerie kommt oder auch nicht: Die Petrus-Apotheke, die im Karenweg am Rand des überlangen Areals liegt, wird auf jeden Fall bleiben. FOTO: Uwe Hentschel