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Gedanken an den Himmel und die Hölle

An Allerheiligen und Allerseelen gedenken viele Christen ihrer verstorbenen Angehörigen und suchen ihre Grabstätten auf. Foto: Katharina Hammermann
An Allerheiligen und Allerseelen gedenken viele Christen ihrer verstorbenen Angehörigen und suchen ihre Grabstätten auf. Foto: Katharina Hammermann
BITBURG. Zu Allerheiligen und Allerseelen denken Menschen an ihre Verstorbenen. Für eine kurze Zeit füllen sich die Orte der letzten Ruhe mit Leben – ein Friedhofsspaziergang. ARRAY(0xb46dbbf8)

Ewige Ruhe. Wie aus einer anderen Welt klingt das stetige Rauschen der vorbeifahrenden Autos herüber. Vögel zwitschern. Die Sonne auf dem herbstlich verfärbten Laub taucht den Friedhof an der Bitburger Kolmeshöhe in ein warmes, goldenes Licht. Namenlose in ihrer letzten Ruhestätte

Dicht an dicht liegen sie nebeneinander. Gefreite, Unteroffiziere, Feldwebel, Pioniere. Jeder von ihnen hat eine kleine Namenstafel, die in den kurz geschnittenen Rasen eingelassen ist. Die Todesjahre sind 1944 und 1945. Zwischen diesen Soldaten liegen aber auch Namenlose. "Ein deutscher Soldat", steht auf ihren Tafeln. Soldaten, Namenlose und SS-Männer. Alle zusammen 2000 Tote. Ihrer gedenken wenige, scheint es. Nur ein Blumenstrauß und drei kleine Pflanzschalen durchbrechen die Nüchternheit des fast Fußballfeld-großen Gräberfelds. Kein Lebender ist auf dem Ehrenfriedhof anzutreffen. Die katholischen Hochfeste Allerheiligen und Allerseelen könnten dies jedoch an den ersten Novembertagen kurzzeitig ändern. Dann wird der Verstorbenen gedacht - insbesondere jener, deren Weg zu Gott noch weit ist. Denn nichts anderes umschreibe das Bild des "Fegefeuers", sagt Pfarrer Hermann Meiser. "Durch unser Beten finden die Verstorbenen näher zu Gott", erläutert er den katholischen Glauben. Ursprünglich gedachte die katholische Kirche an Allerheiligen nur der Heiligen und erst am 2. November, an Allerseelen, der Verstorbenen. Durch die staatliche Feiertagsregelung hat sich nun beides auf den 1. November verlagert. Ein ganz anderes Bild als auf dem ausgestorbenen Ehrenfriedhof präsentiert sich gleich nebenan. Auf dem Parkplatz an der Kolmeshöhe herrscht reges Kommen und Gehen. Ein Mann balanciert einen flachen Karton voller Erika-Pflanzen. Eine alte Dame kehrt mit Plastikeimerchen und Grabwerkzeug zu ihrem Auto zurück. In Schubkarren wird Grünzeug über den einzigen Waldfriedhof Bitburgs gefahren. Mit seinen etwa 1800 Gräbern ist er der größte der sieben städtischen Friedhöfe. Der Friedhofswärter hat sie gezählt. Kummerkasten für Trauernde

Er mäht das Gras, repariert Gehwege und ist Ansprechpartner für die Besucher. "Viele Leute kommen hier her, setzen sich, lesen ein Buch", sagt er. Andere spazieren - gleich hinter dem Friedhof beginnt der städtische Grüngürtel. "Hier", sagt der Friedhofswärter und klopft zufrieden auf die Holzbank, auf der er sitzt, "sind auch Bekanntschaften entstanden. Alte Leutchen", schiebt er erklärend hinterher. So Manchem hilft er bei der Grabsuche. Andere schütten dem Friedhofswärter ihr Herz aus, Trauernde. "Ich bin Gärtner", sagt der Mann im klassischen grünen Arbeitsdress, der eben noch unter lautem Getöse welke Blätter weggepustet hat. Ihm fehle die Ausbildung, sagt er, der so manches Mal zum Kummerkasten wird. Er könne den Trauernden, die zu ihm kommen, jedoch nur seine Lebenserfahrung bieten."Für mich sind die Toten lebendig"

Gleich hinter dem Eingang ist rechts eine Wiese mit zwei sich verfärbenden Lärchen und einer kleinen Kastanie. Nichts lässt erahnen, dass auch hier Menschen begraben sind - anonym. Weil sie keine Angehörigen hatten, vielleicht. Vielleicht auch, weil Sterben teuer ist. Eine einfache Reihengrabstätte kostet in Bitburg 320 Euro, das selbst gewählte Doppelgrab 1240. Totengedenken. Das sei keine Sache von maßloser Trauer, sagt Pfarrer Meiser. "Für mich sind die Toten lebendig", erklärt er und denkt dabei keineswegs an Zombies. Das sei ja gerade das Zentrale des christlichen Glaubens: "Wir sind zum Leben unterwegs und nicht zum Tod", sagt er. Die Todesmauer, an der wir alle scheitern, habe Christus für uns durchbrochen. In der Liebfrauenkirche gibt es zu Allerheiligen um 8.45 Uhr und um 11.15 Uhr eine Heilige Messe. Die Gräber am Friedhof an der Erdorfer Straße werden um 14.30 Uhr, an der Kolmeshöhe um 15.30 Uhr, in Matzen und Stahl um 16.30 Uhr gesegnet.