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| 17:22 Uhr

Geschnitzte Rummeln halten Geister fern: 60 Kinder basteln aus Futterrüben Trouliechter

FOTO: Christina Bents
Speicher. Es ist eine alte Eifeler Tradition, welche die Mitglieder des Eifelvereins Speicher an Kinder weitergeben: das Basteln von Trouliechtern. Diese sollen helfen, böse Geister fernzuhalten. Christina Bents

Durch die eigenwillige Form sehen die Rübengesichter oft viel gruseliger aus als ihre amerikanischen Kürbis-Nachfolger. So eine "Rummel" ist schon ziemlich hart und oft sieht sie ein bisschen unförmig aus, was daran liegt, dass sie im Boden gewachsen ist. Doch trotz ihrer wenig eleganten Formen hatte sie in früheren Jahren wichtige Funktionen: Außer als Viehfutter half sie kurz vor Allerheiligen, böse Geister fernzuhalten, denn dann wurden aus ihr Trouliechter geschnitzt. Diese hatten fürchterliche Fratzen, die mit einer Kerze zum Leuchten gebracht wurden. Doch dieser Brauch ist fast vergessen, denn Rüben werden kaum noch angebaut, und der Kürbis hat die Futterrübe als Geistervertreiber abgelöst. In Speicher kennt man die Tradition der Trouliechter aber noch und versucht, sie an die Kinder weiterzugeben, damit sie erhalten bleibt. "Wir wollen den Kindern zeigen, dass es auch mit Rummeln geht und wie man das früher gemacht hat", erklärt Harald Thiel, erster Vorsitzender des Eifelvereins Speicher. "Das kommt sehr gut an. Seit 20 Jahren machen wir das. Mit zehn Kindern haben wir angefangen, inzwischen sind es 60."

Dabei sind es nicht nur die Kinder, die Spaß am Basteln haben, auch die Eltern und vor allem die Großväter sind mit Herzblut dabei. Einer von ihnen ist Matthias Platz, er wird 80 Jahre alt und ist mit Enkelsohn Nico da. An seinen geübten Bewegungen sieht man gleich, dass er das nicht zum ersten Mal macht. "Natürlich haben wir das auch schon als Kinder gemacht, und es macht mir auch heute noch Spaß, den Rummeln Gesichter zu geben." Aus Idenheim ist Birgit Meyer-Wagner extra mit ihrer Tochter Amelie und Nico Mosbach nach Speicher gekommen, um das Rummelerlebnis mitzumachen. Sie sagt: "Ich erzähle immer davon, dass wir das als Kinder gemacht haben und hier ist jetzt die Chance, dass die Kinder das selbst erleben."

Neben einigen erstmaligen Rummelschnitzern sind auch viele Erfahrene im Vereinshaus dabei. Jan Müller, zehn Jahre alt, ist einer von ihnen. Dazu erklärt er: "Wichtig ist, dass man den Rübendeckel nicht zu weit unten abschneidet, sonst hat man zu wenig Platz für das Gesicht", weiß er von seinen früheren Schnitzversuchen. Dass er seine Werke auf der Haustreppe ausstellt, ist eine Selbstverständlichkeit.

Albert Schumacher hat auch einen wichtigen Tipp: Die Rummel soll nicht zu sehr ausgehöhlt werden, weil sie sonst auseinanderbricht. Ansonsten sind aus seiner Sicht der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Um den Rummelkünstlern genügend Rohstoff zur Verfügung stellen zu können, müssen die Verantwortlichen manchmal lange suchen, denn in der herkömmlichen Landwirtschaft werden Futterrüben kaum noch verwendet. Thiel: "Aktuell haben wir jemanden, der die Rüben auf Bestellung anpflanzt, aber wenn keiner welche will, baut er auch keine an." Einen Autoanhänger voll holt der Eifelverein für die Aktion. Das ausgehöhlte Fruchtfleisch der Futterrüben wird übrigens nicht weggeworfen. Das Pferd von St. Martin bekommt es, denn das frisst es besonders gern.

"Bei uns wird halt nichts weggeworfen", berichtet Thiel lachend. Er freut sich auch, wenn er dann am Abend vor Allerheiligen durch Speicher geht und zwischen den Kürbissen einige Trouliechter sieht, die beim Eifelverein geschnitzt worden sind und so die Rübenvergangenheit der Eifel nicht ganz vergessen ist.

Leseratte Lucky erklärt Kindern, wie man ein Trouliecht bastelt
Lucky zeigt euch, wie man ein Trouliecht bastelt: Zuerst müsst ihr euch eine Futterrübe besorgen. Wenn ihr die habt, legt euch Werkzeug bereit. Ein Messer und ein Löffel reichen dazu eigentlich schon. Wer einen hat und darf, kann auch einen Stechbeitel, eine Feile oder einen Eisportionierer nutzen. Und dann geht es los.
Zuerst müsst ihr den unteren Teil der Rübe abschneiden, damit sie einen festen Stand hat. Auch der obere Teil, der Hut muss weichen. Achtet darauf, dass ihr den Deckel nicht zu tief abschneidet, damit ihr noch genug Platz habt, um das Gesicht zu schnitzen.
Nun müsst ihr die Rübe so aushöhlen, dass eine Kerze darin Platz findet. Dazu kratzt ihr das Fruchtfleisch mit einem Eisportionierer oder einem Löffel raus. Der Rand soll dabei nicht zu dünn werden, denn sonst klappt das Licht später zusammen. Dann wird das Gesicht ausgeschnitzt. Augen, Nase und Mund sollen möglichst gruselig aussehen, aber ihr könnt natürlich auch freundliche Trougesichter machen. Zum Schluss wird ein Loch in den Deckel geschnitten, damit das Kerzenlicht genügend Sauerstoff bekommt und nicht ausgeht. Nun ist das Trouliecht fertig und kann an der Tür aufgestellt werden. Viel Spaß beim Basteln!

Umfrage: Das sagen die Kinder zur Bastelstunde

Eva Schönhofen, 10 Jahre:
Kürbisgesichter habe ich schon öfter geschnitzt. Trouliechter mache ich heute zum ersten Mal. Durch eine Bekannte habe ich davon gehört. Die Trouliechter sind schwieriger zu machen als Kürbisgesichter. Wenn sie fertig sind, stelle ich sie vor die Haustür.

Martina Thomsen, 9 Jahre: Im vergangenen Jahr war ich schon hier, und es macht mir viel Spaß, die Trouliechter zu schnitzen, mehr als Kürbisse zu schnitzen, wobei beide cool aussehen. Die Rüben sehen aber mehr wie Köpfe aus, ausgeschnitzt sogar wie Totenköpfe.

Miguel Steinhauser, 9 Jahre:
Ich habe vorher noch keine Trouliechter geschnitzt, aber einmal einen Kürbis. Ich habe gelesen, dass das heute hier ist und wollte gern kommen. Für mich sind die Kürbis- und Rübengesichter gleich gruselig, da gibt es für mich keinen Unterschied.

Jan Müller, 10 Jahre
Seit ein paar Jahren mache ich hier schon mit, weil es mir Spaß macht. Und die Trouliechter sind gruseliger als Kürbisgesichter, meine ich. Ich finde auch nicht, dass das Fruchtfleisch, das man rauslöffelt, eklig ist.

FOTO: Christina Bents