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Gesundheit
Schritt für Schritt dem Ziel entgegen

 Die kommunale Familie und andere Unterstützer präsentieren das neue Logo für das Gesundheitszentrum in Neuerburg.
Die kommunale Familie und andere Unterstützer präsentieren das neue Logo für das Gesundheitszentrum in Neuerburg. FOTO: TV / Stefanie Glandien
Neuerburg. Das Gesundheitszentrum in Neuerburg füllt sich langsam, aber sicher. Im Sommer wird die Allgemeinärztin Sigrid Mundt dort mit ihrer Praxis einziehen. Weitere Mieter sollen folgen. Von Stefanie Glandien
Stefanie Glandien

Eine lange Zeit sah es so aus, als ob es mit dem Gesundheitszentrum in Neuerburg nichts werden würde. Doch nachdem sich die Marienhaus GmbH aus dem Projekt zurückgezogen hat (der TV berichtete) und stattdessen die Stadt Neuerburg mit der Verbandsgemeinde Südeifel gemeinsam das Ruder übernommen hat, zeigt sich ein Silberstreif am Horizont.

Zuletzt gab es gute Nachrichten aus dem Kreistag Bitburg-Prüm. Dort hatte man einstimmig beschlossen, eine Ausfallbürgschaft in Höhe von maximal 250 000 Euro für die städtische Trägergesellschaft zu übernehmen (der TV berichtete).

Nun kommen die guten Nachrichten aus dem Gesundheitszentrum selbst. Neben der Wohnpflegegemeinschaft für Patienten, die intensiv medizinisch versorgt werden müssen (ehemals Phase F), und einer Jugendwohngruppe der Caritas für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Marienheim wird es im Sommer eine weitere Mieterin geben.

So plane die Neuerburger Allgemeinärztin Sigrid Mundt in der ersten Julihälfte mit ihrer Praxis dort einzuziehen, sagt Ingo Jakschies, Geschäftsführer der gemeinnützigen städtischen Gesellschaft. Sie wird die Räume des ehemaligen Chirurgen Ingvo Müller übernehmen.

„Meine Vorstellung ist, dass sich im Gesundheitszentrum eine Keimzelle etabliert. Andere Kollegen könnten dann dazustoßen“, sagt Sigrid Mundt. Doch dafür bräuchte sie Platz, den sie an ihrem jetzigen Standort nicht habe. In der neuen Praxis könnte sie noch einen Arzt anstellen oder Kollegen stunden- oder tageweise Räume zur Verfügung stellen. Die Infrastruktur wäre vorhanden, die Anmeldung gemeinsam nutzbar. Sie glaubt, „dass das für den ein oder anderen Kollegen reizvoll sein könnte. Außerdem erhoffe ich mir, dass wir für uns Allgemeinmediziner so jüngeren Nachwuchs finden.“

Auch die Caritas hat in der ersten Etage des Marienheims Räume für eine weitere Jugendgruppe angemietet. „Dort wird eine Verselbstständigungsgruppe für Jugendliche über 18 Jahre einziehen“, sagt Katrin Reißberg von der Caritas.

Ingo Jakschies, Projektentwickler im Gesundheitswesen, hat sich für Neuerburg ein Konzept überlegt. „Wir wollen Gesundheit für alle Altersgruppen anbieten und entsprechende Angebote fördern“, sagt er.

„Im Bereich der Prävention haben wir besonders die chronisch Kranken im Fokus.“ Zudem hofft Jakschies, dass Neuerburg auch ein Zentrum für sektorenübergreifende Versorgung sein wird. Also, dass dort Fachärzte ihre Filialen eröffnen oder sich per Telemedizin beteiligen. Doch auch die Bürger seien gefragt. Diese könnten Selbsthilfegruppen einrichten oder zum Beispiel Kneippen oder Rehasport anbieten. „Auch wollen wir die Gründung einer Demenzgruppe unterstützen“, sagt Jakschies. Das Gebäude und die Räume des Gesundheitszentrums seien in einem „exzellenten Zustand“, versichert er.

„Ich bin mit der Situation sehr froh“, sagt Lothar Fallis, Bürgermeister von Neuerburg. „Wir haben die erste Hürde genommen und alle Voraussetzungen geschaffen, um handlungsfähig zu sein.“ Es zahle sich aus, einen Plan zu haben und diesen weiter zu verfolgen, auch wenn man zwischenzeitlich nicht gewusst habe, wie es weitergehen werde.

Moritz Petry, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Südeifel, lobt das zügige Vorgehen aller Entscheidungsträger. Im Januar 2017 habe man die „völlig neue Konzeption“ erst in Mainz der Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) vorgestellt. Es sei „viel Schweiß“ dabei geflossen, das Projekt in die kommunale Verantwortung zu nehmen. „Das Gesundheitszentrum ist ein Projekt, das ein gesundes Maß und realistische Ziele hat. Das ist kein Luftschlösschen“, sagt er. „Wir Kommunen sind die armen Säue im ländlichen Raum. Wir müssen uns selbst kümmern.“

Günter Scheiding (SPD-Vorsitzender im Stadtrat) lobt den Einsatz von Moritz Petry und den beiden Geschäftsführern Alexander Schaal und Ingo Jakschies. „Nachdem Marienhaus gescheitert ist und der Kreis sich zurückgezogen hat, haben sie übernommen.“

Lob gab es auch von Alfred Ziewers und Marianne Eisenach vom Aktionsbündnis medizinische Versorgung in der Süd-Westeifel.  „Wenn man die Landflucht stoppen will, ist eine erste Maßnahme, die ärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern“, sagt Marianne Eisenach. „Ich möchte später nicht nach Bitburg ziehen. Ich möchte in meinem Haus, in meinem Dorf und bei den Menschen, denen ich verbunden bin, bleiben.“