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"Große Aufgabe bei kleiner Kasse"

Am 31. August legte die neue Prümer Bürgermeisterin Mathilde Weinandy den Amtseid ab. Ihr Vorgänger Hansgerd Haas verabschiedete sich gleichzeitig von der politischen Bühne.Foto: TV -Archiv/Manfred Reuter
Am 31. August legte die neue Prümer Bürgermeisterin Mathilde Weinandy den Amtseid ab. Ihr Vorgänger Hansgerd Haas verabschiedete sich gleichzeitig von der politischen Bühne.Foto: TV -Archiv/Manfred Reuter
PRÜM. Am 13. Juni ist Mathilde Weinandy (CDU) zur Bürgermeisterin der Stadt Prüm gewählt worden. Sie ist die erste Frau, die in der Abteistadt dieses Amt inne hat. Im TV -Interview spricht die neue Stadtchefin unter anderem über den Teichplatz, das Bahngelände und die Stadthalle.

Seit etwas mehr als 100 Tagen sind Sie Bürgermeisterin der Stadt Prüm. Sind Sie noch mit Begeisterung dabei oder ist angesichts der desolaten Finanzlage schon Ernüchterung eingetreten? Weinandy: Die Begeisterung ist genau so wie am ersten Tag. Klar wünsche ich mir mehr Geld zum Gestalten, aber vielleicht ist es auch eine große Aufgabe, in Zeiten knapper Kassen solch ein Amt anzunehmen. In der Geschichte Prüms sind Sie die erste Frau, die die Geschicke der Stadt lenkt. Ist dies ein Vorteil oder haben Sie es als Stadtchefin schwerer als ihre männlichen Vorgänger? Weinandy: Ich mache mir darüber keine Gedanken. Dass ich dieses Amt als Frau bekleide, spielt für mich keine Rolle. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich kämpfen muss, um mich durchzusetzen. Aber ich glaube, das ist nicht so. Ich glaube schon, dass man mich überall akzeptiert. Sie sind angetreten mit dem Ziel, mindestens den bisher erreichten Status zu halten. Gleichwohl warten große Aufgaben auf Sie - zum Beispiel die Verkehrsführung. Weinandy: Es hat mich gewundert, was die SPD vorgeschlagen hat. Das geht ja so in die Richtung, die wir schon vor ein paar Jahren eingeschlagen haben. Darüber denke ich positiv. Dieser Antrag hat mich gefreut. Wird es mit Bürgermeisterin Weinandy denn in der Spiegelstraße eine erneute Einbahn-Lösung geben? Weinandy: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Für mich ist vordergründig, dass wir den Kreisel an der Ritzstraße bekommen, dann werden wir die Verkehrsführung an der Ecke Bahnhofstraße/Gerberweg neu gestalten müssen. Hinzu kommt die Einmündung von der Bahnhofstraße in die Stadt. Ich kann die Spiegelstraße zur Einbahnstraße machen. Damit habe ich kein Problem. Darüber möchte ich aber erst einmal mit den Anwohnern sprechen. Hand aufs Herz: Mit dem Teichplatz-Projekt hat sich die Stadt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der Edeka-Markt steht immer noch leer, die Akzeptanz des Parkdecks hält sich - vornehm formuliert - in Grenzen. Was können Sie und Ihr Rat tun, um Verbesserungen herbeizuführen? Weinandy: Ich habe einen Vorschlag. Aber der ist noch nicht spruchreif. Klar ist, dass wir uns darum kümmern müssen, denn es ist eine tote Ecke. Ich mache mir da sehr viele Gedanken. Der misslungene Verkauf des Parkhausdeckels an Friedhelm Schneider hat der Stadt bei der Kommunalaufsicht eine Rüge eingebracht. Immerhin ging es da um einen Betrag von 340 000 Euro. Wie geht es nun an dieser Stelle weiter? Weinandy: Ich habe in dieser Sache sehr viele Gespräche geführt. Es hat mich erstaunt, wieviele Menschen hierher gekommen sind, unter anderem Investoren. Ich werde jetzt abwarten. Also könnte man sich immer noch vorstellen, den Deckel zu bebauen? Weinandy: Wir müssen den Deckel vermarkten, um das Geld wieder rein zu kriegen. Das wird in der jetzigen Situation schwierig sein. Dennoch will ich nicht aufgeben. Es gibt Leute, die behaupten, ihr Draisinenbahnkonzept, das nun nicht zustande kommt, wäre Wahlkampf gewesen. Wie gehen Sie damit um? Weinandy: Das ist natürlich eine falsche Unterstellung. Es war damals nicht absehbar, dass der Stahlpreis plötzlich so nach oben geht. Die Bahn hatte bei dem Angebot an die Verbandsgemeinde die Schienen damals nicht berechnet. Alle, die sich ein wenig mit Wirtschaft beschäftigen, wissen, dass der Stahlpreis erst in diesem Jahr so gestiegen ist. Dass die Sache daneben gegangen ist, hat mich sehr betroffen gemacht. Das konnte ich vor zwei Jahren nicht wissen. Der Radweg wird trotzdem gebaut. Außenstehenden fällt es schwer, der Diskussion um die Entwicklung des früheren Bahngeländes zu folgen. Wie ist denn nun der Sachstand? Weinandy: Wir haben den Bebauungsplan nun auf den Weg gebracht. Irgendwann wird Alois Bartz einen Antrag auf Erwerb der Fläche stellen können, da es einen einstimmigen Beschluss zu seinen Gunsten gibt. Und dann wird die Stadt entscheiden, wie viel er bekommt. Es gibt aber auch noch andere, die dort bauen wollen. Denn nicht nur Herr Schneider hat für den hinteren Teil einen Plan vorgelegt. Außerdem wird es hinter der Post Veränderungen geben. Die Raiffeisenbank Westeifel siedelt sich am früheren Baumarkt an, und die Waschstraßen werden verlegt. Ich will das alles in Einklang bringen. Doch es gibt ja nicht nur Probleme. Mit Stadthalle, Jugendgästehaus und Konvikt haben Stadt und Verbandsgemeinde einen großen Schritt nach vorne gemacht. Was bedeuten diese Projekte denn für Prüm? Weinandy: Sie sind touristisch ein Gewinn und sie sind auch ein Gewinn für unsere Vereine und für das gesellschaftliche Leben. Für mich ist es eine riesige Aufgabe, das alles am Leben zu erhalten. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das in Bezug auf die Stadt Prüm? Weinandy: Ich würde mir einen schuldenfreien Haushalt wünschen, und dass der Stand, den wir jetzt haben, so bleibt. Außerdem wünsche ich den Menschen hier persönliches Wohlergehen. V Mit Mathilde Weinandy sprach unser Redakteur Manfred Reuter