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Regionalentwicklung
Halbzeit für den Spangdahlemer Commander - Jason Bailey im Volksfreund-Interview

FOTO: TV / Christian Altmayer
Spangdahlem. Jason Bailey hat seit etwa zehn Monaten den Oberbefehl über die Air Base Spangdahlem. Mit dem TV spricht er über die Zukunft des amerikanischen Stützpunktes, den Fluglärm und die Umweltschäden durch PFT. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Ein Raunen geht am 29. Juni durch Rheinland-Pfalz. Der Grund: Ein Medienbericht in der Washington Post legte nahe, dass das US-Verteidigungsministerium prüfe, Truppen aus Deutschland abzuziehen. Hinter der Aktion soll Präsident Donald Trump persönlich stecken.

Das Pentagon wies diese Behauptung inzwischen auf Anfrage vieler Medien zurück. Und auch der Commander von Spangdahlem gibt Entwarnung. Warum Jason E. Bailey den Eifeler Flugplatz weiterhin für wichtig hält, erklärt er im TV Interview. Zehn Monate Amtszeit sind für den Kommdore außerdem ein guter Moment, um Bilanz zu ziehen. Denn länger als zwei Jahre bleibt ein Kommandant selten in Spangdahlem. Ein Bericht aus der Halbzeit:

Commander Bailey, wie hat sich Ihr Eindruck von der Eifel und Deutschland in den vergangenen zehn Monaten verändert? Immerhin waren Sie ja noch nie in der Bundesrepublik stationiert.

Bailey: Stimmt. Ich bin froh, dass ich diese wunderbare Region nun kennenlernen darf. Genug davon sehen kann man wohl nie. Ich wollte immer nach Deutschland – wie viele meiner Kollegen.

Die Eifel ist übrigens besonders beliebt:  Spangdahlem steht bei den meisten amerikanischen Soldaten ganz oben auf der Wunschliste ihrer Einsatzorte.

Wie haben Sie die Eifeler erlebt, wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Bailey: Die Kooperation mit den Behörden verläuft reibungslos. Die Eifeler habe ich als offen und rücksichtsvoll kennengelernt.

Auch was den Fluglärm angeht? Es war ja lange recht still über der Base. Davor hatte es aber – zumindest gefühlt – viele Trainingsflüge gegeben. Woran lag das?

Bailey: Ruhig war es deshalb, weil alle unsere F16-Jäger an Trainingseinheiten in Polen teilgenommen haben. Die dreiwöchigen Übungen, an denen Tausende Nato-Truppen beteiligt waren, sind inzwischen abgeschlossen, die Flugzeuge zurück. Nun wird also auch wieder in Spangdahlem trainiert.

Aber genauso wie vor dem Mannöver in Polen starten unsere Piloten nicht häufiger als früher. Die Taktung ist genau mit den deutschen Behörden abgestimmt. Nur die Zeiten können sich ändern - mal wird früher geflogen, mal später. Sodass mancher Anwohner vielleicht häufiger etwas von den Übungen mitbekommt.

Was die Menschen auch mitbekommen, ist, dass hinter dem Zaun gebaut wird. Wird die geplante Highschool so schnell fertig wie gedacht?

Bailey: Ja, wir sind im Zeitplan. 2019 soll die Schule eröffnen und ich denke, das schaffen wir. Auch eine neue Grundschule ist in der Planung und 99 Häuser für die Truppen aus Mildenhall.

Es bleibt also beim geplanten Umzug der englischen Spezialeinheit nach Spangdahlem? Es gibt ja immer wieder Gerüchte, dass die Verlegung weder 2024 noch irgendwann sonst stattfinden wird ...

Bailey: Nein, bei 2024 bleibt es. Zugegeben, der Umzug hat sich durch Abstimmungen zwischen Deutschland und den USA verschoben – bevor so eine Verlegung über die Bühne geht, muss eben jede Menge Papierkram erledigt werden. Aber die 1300 Soldaten mit ihren Familien werden kommen. Sonst würden wir nicht so viel in neue Gebäude investieren. So einen Aufwand betreiben wir nur, wenn wir auf lange Sicht bleiben wollen.

Apropos neue Gebäude: Sie sprachen von 99 geplanten Wohneinheiten. Verlässt man sich nicht mehr auf den deutschen Wohnungsmarkt?

Bailey: Doch. 99 Einheiten klingt nach mehr, als es ist. Rund 75 Prozent der Militärangehörigen sollen weiterhin außerhalb der Air Base leben. Ein geringer Anteil der Truppen muss aber auf dem Stützpunkt wohnen, davon auch Einheiten aus Mildenhall, um einsatzbereit sein. Diese Regel ist aber nicht neu.

Insgesamt scheint auch nach dem Führungswechsel vieles beim Alten zu bleiben. Oder haben Sie in den vergangenen elf Monaten etwas gravierend verändert?

Bailey: Nein, große Änderungen waren nicht nötig. Joseph McFall hat mir die Base in einem guten Zustand hinterlassen. Kleine strategische Umstrukturierungen hat es aber gegeben. Wir wollen weltweit schneller einsatzfähig sein – das betrifft aber alle amerikanischen Flugplätze. Deshalb bleibt das „Theater Security Package“ wichtig für uns. Die Idee hinter dem Programm ist, dass US-Einheiten europaweit zwischen den Stützpunkten rotieren, um unsere Nato-Partner bei militärischen Bedrohungen schnell unterstützen zu können.

Das klingt, als würde die Spangdahlem Air Base für das amerikanische Militär wichtig bleiben. Und das, obwohl hier derzeit weniger Soldaten stationiert sind als jemals zuvor?

Bailey: Ja, das hängt mit dem Abzug von zwei Flugstaffeln zusammen. Aber deswegen haben wir ja jetzt erst Platz für die Truppen aus Mildenhall. Auch wenn das sicherlich nicht von langer Hand so geplant war. Ich denke aber, dass der Eifel-Stützpunkt für uns mindestens zehn, wenn nicht 20 oder 30 Jahre wichtig bleiben wird.

Das wird sicherlich viele Eifeler freuen. Nicht so erfreulich ist hingegen, dass das Umland der Base stark mit sogenannten Perfluorierten Tensiden belastet ist. Die Schadstoffe stammen teils aus den Löschschäumen Ihrer base-eigenen Feuerwehr. Gibt es konkrete Programme zur Verhütung von weiteren Umweltschäden und was tut die Air Base, um die Altlasten zu sanieren?

Bailey: Wir haben eine Umweltabteilung, die sich des Problems annimmt, arbeiten aber auch eng mit Bundes- und Landesbehörden zusammen. Alles natürlich auf dem Boden des deutschen Gesetzes, an das wir gebunden sind und uns auch in der Vergangenheit gehalten haben. Die Schäden sind uns bekannt und wir nehmen die Besorgnis sehr ernst. Immerhin ist die Eifel so etwas wie unsere zweite Heimat.

Christian Altmayer

Seit zehn Monaten im Amt: Commander Jason E. Bailey. Foto: Christian Altmayer
Seit zehn Monaten im Amt: Commander Jason E. Bailey. Foto: Christian Altmayer FOTO: TV / Christian Altmayer